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Kirchen

Leidenschaftliches Spiel von Himmel und Hölle

21. November 2018 von

Das Theaterstück "Himmel und Höll" befasst sich mit den grossen Themen des Lebens.
Foto: Roberto Tani

Das Theaterstück "Himmel und Höll" befasst sich mit den grossen Themen des Lebens.

Von

Online seit
21. November 2018

Printausgabe vom
22. November 2018
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Am 11. November zeigten die «Tösstaler Marionetten» in der Reformierten Kirche Höngg ein musikalisches Passionsspiel von Werner Bühlmann. Das Publikum folgte den Geschichten von Tod und Teufel, Leiden und Erlösung mit grosser Begeisterung.

Man könne es fast schon als sein Lebenswerk bezeichnen, so beschrieb Pfarrer Markus Fässler in seinen begrüssenden Worten die Bedeutung des Stücks «Himmel und Höll» für den Autoren Werner Bühlmann. Dieser war mit seinem Ensemble der «Tösstaler Marionetten» in die Reformierte Kirche Höngg gekommen, um sein Passionsspiel zu präsentieren. Sehr glücklich sei er, so Fässler weiter, dass das musikalische Theater- und Marionettenspiel für Erwachsene nun in Höngg zur Aufführung gelange – und äusserst gespannt auf das Ergebnis. Eine Ansicht, die offensichtlich auch viele Höngger*innen teilten, war doch die Kirche bis auf den allerletzten Platz besetzt.

Der Pakt mit dem Teufel und die schwarze Spinne

Das Publikum durfte in den folgenden anderthalb Stunden den Widerstreit zwischen dem Teufelsbraten und der Seherin, den stetigen und allgegenwärtigen Kampf zwischen Gut und Böse, Himmel und Hölle miterleben. Der Teufel, ein lustiger, wortgewandter Kerl, hervorragend dargestellt von Schauspielschüler Simon Keller, versucht unentwegt die Menschheit zu verführen und vom Pfad der Tugend abzubringen, während die Seherin, nicht minder überzeugend verkörpert von Susanne Odermatt, dem «Hass die Liebe entgegenstellt» und sich um diejenigen bemüht, deren Leid sonst niemand erkennt. Veranschaulicht wird dieser Streit durch die Sage um die schwarze Spinne, in der die armen Bauern eines Dorfes von ihrem Vogt so sehr geknechtet und ausgebeutet werden, dass ihnen zum Überleben fast nichts bleibt. In ihrer Not begegnet ihnen der Teufel, der ihnen anbietet, die Aufgaben zu übernehmen, die der Vogt verlangt. Zum Dank dafür fordert er jedoch ein ungetauftes Kind. Eine der Frauen, die «Fremde» im Dorf, geht den Pakt mit dem Teufel ein und will das erste neugeborene Kind des Dorfes opfern, was der Pfarrer im letzten Moment verhindern kann. Sie jedoch wird daraufhin vom Zorn des Teufels getroffen und auf ihrer Wange wächst ein schwarzes Mal, aus dem eine Spinne schlüpft, die im ganzen Dorf Tod und Verderben bringt. Erst die Mutter des neugeborenen Kindes bringt den Mut auf, die Spinne zu besiegen, muss dafür allerdings ihr Leben opfern.

Eindrückliches Spiel mit verschiedenen Elementen

Das Stück, das die Novelle «die schwarze Spinne» von Jeremias Gotthelf aufnimmt und weiterentwickelt, behandelte die grossen Fragen um Leben und Tod, Angst, Mut und Hingabe auf eindrückliche und aussergewöhnliche Art und Weise. Es überzeugte insbesondere durch die gelungene Kombination aus Puppenspiel, Theater und Konzert und bestach durch eine leidenschaftliche schauspielerische und musikalische Leistung des gesamten Ensembles. Eindrücklich waren die ungewöhnlichen Marionetten, bei denen es sich eigentlich eher um lebensgrosse Puppenfiguren handelte. Sie bestanden aus einem übergrossen, geschnitzten Holzkopf, umhüllt von langen, wallenden Gewändern, in deren Arme die Darsteller schlüpfen konnten. Mit ihrer versteinerten Mimik und den gläsernen Augen konnten sie unheimlich und furchteinflössend wirken, aber auch bemitleidenswert und liebenswürdig. Besondere Authentizität erhielt die Darstellung nicht nur durch das passionierte Spiel der Darsteller*innen, sondern auch dadurch, dass die Holzfiguren mit «realen» Figuren, etwa dem Teufelsbraten oder dem Chor der Bauern interagierten. Dieses Zusammenspiel zwischen Schauspielern und Holzpuppen, die sich wie echte Charaktere in deren Mitte bewegten, verlieh der Darbietung eine Eindringlichkeit, die zum Nachdenken anregte. Tiefgründig und melancholisch, zuweilen gar düster wirkten die Lieder, die der Chor unter der Leitung von Peter Girschweiler, begleitet von Matias Lanz am Cembalo und der Orgel, zum Besten gab und auch die in Reinform gestaltete, leicht altmodisch anmutende Sprache unterstützte die schwere Stimmung des Stücks. Allerdings gab es auch fröhliche Momente: die frechen, und zuweilen auch provozierenden Avancen des Teufels, sorgten immer wieder für Heiterkeit und der selbstlose Tod der Mutter, die die Angst vor Tod und Teufel beendete, brachte das Stück zu einem glücklichen Ende und bewies, dass die Liebe über das Böse gesiegt hatte.

Ein tief berührtes Publikum

Rund 2,5 Jahre hat Bühlmann an dem Stück gearbeitet, bis es im März dieses Jahres Premiere feiern konnte. Nun liegt es an den Zuschauer*innen, sich ihr Urteil über sein Lebenswerk zu bilden. Das Höngger Publikum jedenfalls war begeistert und dankte ihm und seinem Ensemble für diese Arbeit mit tosendem Applaus. Fässler brachte in seinen abschliessenden Danksagungen auf den Punkt, was wohl alle Zuschauer*innen an diesem Nachmittag dachten: «Ihr habt uns mit Eurem Spiel zutiefst berührt.»

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