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Höngger Fauna

Kranke Füchse

12. Januar 2021 von

Kadaver eines an Räude erkrankten Fuchses.
Foto: FIWI Bern

Kadaver eines an Räude erkrankten Fuchses.

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Online seit
12. Januar 2021

Printausgabe vom
14. Januar 2021
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Aktuell werden wieder vermehrt Füchse gesichtet, die auffällig abgemagert und struppig aussehen. Was ist mit den Tieren los und stellen sie eine Gefahr für Mensch und Haustiere dar?

Seit rund zehn Jahren häufen sich bei den Füchsen in und um Zürich die Erkrankungen an der sogenannten Fuchsräude. «Die Räude ist seit rund drei Jahren ein Dauerthema, der Fuchsbestand wurde dadurch merklich reduziert», sagt der Stadtzürcher Wildhüter Fabian Kern auf Anfrage. Gerade im Januar und Februar sind Sichtungen von Füchsen häufiger, weil Paarungszeit ist und die Kälte die Tiere zur Futtersuche treibt. Die befallenen Füchse sind abgemagert, ihr Fell ist dunkel verfärbt und struppig und sie zeigen wenig Scheu. Bei der Sarkoptesräude handelt sich um eine Hautkrankheit, die von der Grabmilbe verursacht wird. Sie ernährt sich von Hautzellen und Gewebeflüssigkeit und gräbt Bohrgänge in die Haut des Wildtieres, um darin ihre Eier abzulegen. Man geht davon aus, dass die befallenen Tiere allergisch auf die Milben und ihren Kot reagieren, Haarausfall und eine Verkrustung des Fells sind eine Folge davon. Da die Hautveränderungen Juckreiz auslösen, kratzen sich die Füchse ständig, was zu offenen Wunden und schliesslich zu Infektionen führt. Der erkrankte Fuchs stirbt nach wenigen Monaten, weil er kaum mehr frisst. Die Krankheit ist hochansteckend und kann sich innerhalb einer Tierpopulation sehr schnell ausbreiten. Kern geht aber davon aus, dass im letzten Jagdjahr, April 2019 bis April 2020, die Spitze erreicht worden sei und die Räude nun in der Tendenz abnehme. «Nach einer solchen Epidemie baut sich erfahrungsgemäss der Bestand in zwei bis drei Jahren wieder auf, da viele Reviere durch krankheitsbedingte Abgänge frei geworden sind. Gemäss Studien dauert es etwa acht Jahre, bis das Niveau von vor der Krankheit wieder erreicht wird», so Kern.

 

Übertragung auf Mensch und Hund

Bei direktem Kontakt mit befallenen oder toten Füchsen oder auch an Fuchsbauten kann die Krankheit in seltenen Fällen auch auf den Menschen übertragen werden, wobei sie gut behandelbar ist. Beim Hund kann die Räude allerdings tödlich verlaufen, sofern sie nicht behandelt wird. Kratzt sich der Hund auffällig stark und zeigt er Hautveränderungen sowie Haarausfall, sollte deshalb der Tierarzt aufgesucht werden.

 

Tollwut seit 1999 ausgerottet

Auch der bei Füchsen vermehrt auftretende Staupevirus kann Hunde befallen, während Katzen und Menschen nicht angesteckt werden. Hunde sollten deshalb regelmässig geimpft werden. Die gefürchtete Fuchstollwut gilt in der Schweiz 1999 als ausgerottet. Der Jahresbericht der Schweizerischen Tollwutzentrale empfiehlt aber weiterhin, «die Tollwut bei klinischem Verdacht bei Haus- und Wildtieren zu erwägen und diagnostisch abzuklären». Dank für die EU gültigen Einfuhrbestimmungen für Hunde und Katzen könne das Risiko der Tollwut-Einschleppung durch Haustiere zwar als gering, aber nicht als vernachlässigbar betrachtet werden, so die Zentrale.

 

Fuchsbandwurm für Menschen gefährlich

Während er für den Fuchs selbst harmlos ist, kann der Fuchsbandwurm die Menschen über mit Fuchskot verschmutzte Beeren, Fallobst oder Gemüse befallen und potenziell gefährden. In der ganzen Schweiz erkranken allerdings jährlich nur gerade ein bis zwei Menschen pro Million Einwohner*innen. Betroffen sind meist Organe wie Leber, Lunge oder Hirn. Eine medikamentöse oder operative Therapie ist möglich, aber schwierig. «Daher lohnt es sich, Fallobst, Beeren und Gemüse gründlich zu waschen oder zu kochen sowie Hunde und Katzen regelmässig zu entwurmen», rät Grün Stadt Zürich auf ihrer Webseite.

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