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«Ich bin ein Teamplayer»

27. Oktober 2021 von

Kreischef 10 Roger Hunkeler mit zwei seiner Teammitglieder, den Revierpolizisten Stählin (links) und Maurer.
Foto: Patricia Senn

Kreischef 10 Roger Hunkeler mit zwei seiner Teammitglieder, den Revierpolizisten Stählin (links) und Maurer.

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27. Oktober 2021

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28. Oktober 2021
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Seit dem 1. August haben Höngg und Wipkingen einen neuen Kreischef 10. Mit Roger Hunkeler kommt ein vielseitig ausgebildeter und interessierter Polizist ins Quartier.

«Ich bin noch nicht dazu gekommen, die auszupacken», sagt Roger Hunkeler mit entschuldigendem Blick auf die Zügelkisten, die in seinem kleinen Büro in einer Ecke stehen. Seinen ersten Arbeitstag hatte der neue Kreischef 10 zwar bereits am 1. August auf dem Waidberg, doch seither war viel los mit Weiterbildungskursen und Einarbeiten, das keine ruhige Minute fürs Einrichten blieb. Hunkeler teilt seinen Namen mit der Romanfigur von Hansjörg Schneider, dem Kommissar Peter Hunkeler. Ein befreundeter Staatsanwalt habe ihm einen der Krimis geschenkt, daraufhin habe er sich auch die anderen zugelegt. Besonders empfehlen könne er «Hunkeler macht Sachen». Mit dem Kommissar verbände ihn die Hartnäckigkeit und der Willen, den oder die Täter*in dingfest zu machen. Ansonsten habe er aber nicht viel mit dem eigenwilligen Kriminalisten gemeinsam, der eher ein Eigenbrötler sei und gerne auch mal gegen Regeln verstosse, meint der Kreischef. Die Vorstellung, dass man die Fälle im Alleingang lösen könne, sei ausserdem sehr unrealistisch, dafür brauche es ein Team, davon ist der Kreischef überzeugt.

Auch Roger Hunkeler macht(e) Sachen

Als junger Mann war Roger Hunkeler drauf und dran, Profifussballer zu werden. Er trainierte täglich mit dem FC Wettingen, fuhr an den Wochenenden an die Spiele und freute sich darauf, nach seiner Tiefbauzeichner-Lehre einen Profivertrag abschliessen zu können. Doch dann erfuhr er während der Arbeit – er war bei der Gemeinde Wettingen angestellt – dass sein Club Konkurs angemeldet hatte. Der Traum war geplatzt. Zu Neuchâtel Xamax wollte er nicht, also meldete er sich nach zwei Jahren als Tiefbauzeichner für die Polizeischule in Zürich an. Die Vielseitigkeit des Berufs faszinierte ihn, ausserdem vermisste er den Kontakt zu Menschen. Nach Abschluss der Polizeiausbildung fuhr er fünf Jahre lang Streife in verschiedenen Stadtkreisen. Während seiner Anstellung in der Regionalwache Industrie rückte er auch nach Wipkingen und Höngg aus und kennt den Kreis 10 deshalb recht gut. Später wurde er Teil der Sondereinheit namens «Turicum», welche 1996 gebildet worden war, um die erneute Bildung einer offenen Drogenszene zu verhindern. Dann erhielt er die Möglichkeit, als Protokollführer für die Staatsanwaltschaft zu arbeiten, etwas, das ihn schon lange interessiert hatte. Sechs Monate der insgesamt zwei Jahre war er in der Abteilung Kapitalverbrechen, wo er sich überwiegend mit Tötungsdelikten und Familiendramen befasste. Einerseits eine spannende Erfahrung, wie er sagt, andererseits – je nach Persönlichkeit – aber auch belastend und manchmal eintönig. Am Ende war Hunkeler klar, dass das nicht sein Ding war. Er kehrte zur Polizei zurück und kam zum Detektivposten City. In der Stadt Zürich gibt es vier solcher Posten. Das Detektivteam nimmt entsprechende Anzeigen entgegen, rückt aus und führt die anfallenden Ermittlungen durch. Nicht unähnlich den Aufgaben auf der Quartierwache, meint Hunkeler. Bevor er nach Höngg kam, arbeitete er schliesslich noch einige Jahre in der Fachgruppe für Ausländerbelange. Ein tolles Team, schwärmt der Kreischef noch heute. Und eine spannende Stelle, dieses Vielseitige liege ihm sehr, die Abwechslung von Schreibarbeit im Büro und der Tätigkeit draussen bei der Ermittlung, Observation und Fahndung. Die vergangenen eineinhalb Jahre war er Ad-interim-stellvertretender Chef der Fachgruppe, das wurde ihm etwas zu bürolastig, weshalb er sich schliesslich um die ausgeschriebene Stelle als Kreischef 10 bewarb.

Herr Hunkeler, willkommen im Kreis 10. Sie haben während Ihrer Karriere bei der Polizei ja schon vieles gemacht. Ist die Position als Kreischef die natürliche Folge davon?

Es hat mich schon immer gereizt, Kreischef zu sein. Ich trage gerne Verantwortung, mag es, die Fälle von A bis Z zu kennen, mich im Quartier zu vernetzen und ein Team zu leiten. Ich bin ein Teamplayer, das kommt wahrscheinlich noch vom Fussball her. Die Berufsalltag auf der Kreiswache ist unglaublich vielseitig, was mir entspricht. Und sie leisten hier auf der Quartierwache Kreis 10 sehr gute Arbeit. Die Anzeigen, die bei uns eintreffen, kommen aus allen Bereichen des Lebens, es sind nicht nur nullachtfünfzehn-Fälle. Diese Bandbreite, sowohl an Delikten wie auch in Bezug auf den Kontakt mit der Bevölkerung, zu haben, das interessiert mich.

Sie sind noch weit vom Pensionsalter entfernt, was hat Sie ins beschauliche Höngg verschlagen?

(lacht) Ganz so ruhig, wie man meinen könnte, ist es in Höngg nicht. Es geht bei unserer Arbeit ja nicht nur um Diebstahl oder ähnliche Delikte. Gerade wird zum Beispiel sehr viel gebaut, und da hat die Polizei im Bereich Verkehr und Sicherheit viel zu tun. Ausserdem gehört auch Wipkingen zum Kreis 10, dort ist einiges los.
In Höngg – wie eigentlich in der ganzen Stadt – bewegen wir uns, was die Sicherheit angeht, bereits auf einem hohen Niveau. Eine Örtlichkeit, auf welche wir ein grosses Augenmerk legen, ist beispielsweise das Höngger Wehr, wo gemeinsam mit allen involvierten Parteien bereits vieles erreicht werden konnte. Auch hier zeigt sich: Um etwas verändern zu können, braucht es Mitspieler*innen. Allein geht es nicht.

Worauf werden Sie als Kreischef besonderen Wert legen?

Die Vernetzung zwischen Polizei, Gewerbe und Bevölkerung ist etwas, das ich anstrebe. Es gibt den Begriff «Community Policing», was vereinfacht gesagt bedeutet, dass Polizei und Bevölkerung wieder enger zusammenarbeiten, um gesellschaftliche Probleme zu erkennen und gemeinsam zu lösen. Im besten Fall können dadurch Themen wie Littering und Lärmklagen gemeinschaftlich angegangen werden. Es ist mir wichtig, für die Leute da sein zu können und mit ihnen zu sprechen, beide Seiten anzuhören. Allgemein wünsche ich mir, dass die Leute wieder mehr miteinander reden, wenn es ein Problem gibt.

Was ist Ihnen als Vorgesetzter wichtig?

Als Teamplayer bemühe ich mich darum, dass wir einen guten Umgang miteinander pflegen. Diesbezüglich bin ich sehr zufrieden, es herrscht schon heute eine gute Stimmung auf der Wache. Das möchte ich weiter fördern, damit wir eine Einheit bilden, in der jeder und jede seinen und ihren Job gerne und motiviert ausführt.

 Worauf freuen Sie sich besonders?

Sobald die erste Phase des Ankommens abgeschlossen ist und ich meine letzten Kisten ausgepackt habe, werde ich damit beginnen können, die Menschen im Quartier kennenzulernen und mich mit Vereinen und Gewerbe zu vernetzen. Besonders freue ich mich auf das Wümmetfäscht, das kommendes Jahr stattfinden soll.

Zu guter Letzt ein paar kurze Fragen an Sie.

See oder Berge?

See und Berge. Ich mag beides. An beiden Orten finde ich Ruhe. Ich mag es, auf dem Wasser zu sein, spaziere und bike aber auch sehr gerne.

Stadt oder Land?

Ich wohne gerne auf dem Land, zum Arbeiten zieht es mich aber in die Stadt, wo etwas läuft. Mein Vater war Abwart an einer grossen Schule in Wettingen und wir hatten eine Wohnung auf der Schulanlage. Da war immer etwas los, das hat mich geprägt.

GC oder FCZ?

Die spielen jetzt beide in der Super League, das finde ich toll. Früher fand ich eher GC gut, die waren immer führend. Heute gefällt mir auch der Arbeiterclub FCZ. Ich finde es schön, dass wir in Zürich zwei Clubs haben. Da bin ich vielleicht der Einzige, der so denkt. (lacht)

 Winter oder Sommer?

Beides. Im Winter, wenn es schneit, geniesse ich die Ruhe, fahre Ski. Im Sommer freue ich mich über die Gartenarbeit und die Geselligkeit beim Grillen mit Freunden und Familie.

Hund oder Katze?

Wir haben zwei Katzen. Ginge es nach der Tochter, hätten wir auch einen Hund. Mit zwei Kindern, der Arbeit und dem Garten bleibt aber gerade keine Zeit für einen Hund. Vielleicht nach der Pensionierung.

Tag oder Nacht?

Ich habe lange den Nachtdienst gemacht. Das war interessant, aber auch streng. Ich glaube, je älter ich werde, desto mehr schätze ich den Tag. Auch, seit ich Kinder habe.

Teamsport oder Einzelsport?

Eindeutig Teamsport. Ab und zu spiele ich aber auch gerne Tennis.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

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