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Höngger Fauna

Wald-Ballerina

25. März 2020 von

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Online seit
25. März 2020

Printausgabe vom
26. März 2020
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«Flink wie ein Reh», pflegen wir zu sagen, wenn wir einem Kind beim «Fangis»-Spielen zuschauen. In Tat und Wahrheit jedoch sind wir im Vergleich zu den Rehen eigentliche «Trampeltiere».

Wir Menschen rollen unsere Fusssohle auf dem Boden ab, von der Ferse bis zur Zehenspitze. Ähnliche «Sohlengänger» sind beispielsweise Igel, Ratten und Eichhörnchen. Anders sieht das aus beim Fuchs, bei Mardern, aber auch bei Hund und Katze. Als «Zehengänger» gehen sie nur auf den Zehenknochen, Ferse und Handgelenk berühren den Boden nicht. Beide, sowohl Sohlen- wie auch Zehengänger, haben Fussballen. Diese Fettpolster wirken als Stossdämpfer und schützen Gelenke und Knochen vor dem Aufprall am Boden. Je kleiner die Auflagefläche auf dem Boden, umso geringer ist die Anzahl dieser Ballen. So hat der Igel als Sohlengänger elf Ballen pro Fuss, ein Zehengänger wie der Fuchs gerade mal deren fünf. Doch im eigentlichen Sinne «auf die Spitze getrieben» haben es die Rehe. Bei ihnen treten nur noch die Zehenspitzen in Bodenkontakt. Diese sind durch Hufe, eigentliche Hornschalen, geschützt und gestützt.

Handgelenk und Verse abgehoben geht das Reh auf Finger- und Zehenspitzen.

Handgelenk und Verse abgehoben geht das Reh auf Finger- und Zehenspitzen.

 

Praktisch das ganze Körpergewicht tragen die dritte und vierte Zehe. Die erste Zehe fehlt völlig, während die zweite und fünfte den Boden kaum berühren, kurz und nach hinten gerichtet sind (Afterklauen). Rehe sind als «Zehenspitzengänger» somit die wahren Ballerinen des Höngger-Waldes. Und zu ihnen zählen eigentlich auch ¬– obwohl man es den rund 100 Kilogramm schweren Bombern nicht zutrauen würde – die Wildschweine, die übrigens bis zu 50 km/h schnell laufen können. Denn dank der minimalen Auflageflächen sind maximale Geschwindigkeiten möglich. In allen Tabellen zur Fortbewegungsgeschwindigkeit von Landsäugetieren belegen immer die Zehen- und die Zehenspitzengänger die ersten Ränge. Sohlengänger findet man, wenn überhaupt, ganz abgeschlagen auf den letzten Rängen. So hält der Gepard, eben ein Zehengänger, mit 120 km/h den Weltrekord. Er ist zwar echt schnell, aber ermüdet bald. Berücksichtigt man zusätzlich zur Geschwindigkeit nämlich die Ausdauer, dann kann auch er nicht mit den Zehenspitzengängern wie etwa Gazellen und Antilopen mithalten. Nur, wo stehen da wir Menschen? Auch wenn unser Weltrekord bei knapp 45 km/h liegt, gibt sich der Durchschnitt von uns mit viel weniger zufrieden. Und bezeichnen wir jemanden abschätzig als «Trampeltier», tun wir den echten Trampeltieren unrecht, denn Kamele sind praktisch Zehenspitzengänger und erreichen Laufgeschwindigkeiten von über 60 km/h.

Der Igel ist ein Sohlengänger.

Der Igel ist ein Sohlengänger.

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