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«Heicho, Johnny K. Oder doch Hansli?»

10. März 2020 von

Hansli, alias Johnny K., wird mit gemischten Gefühlen in seinem Heimatdorf empfangen.
Foto: Lara Hafner

Hansli, alias Johnny K., wird mit gemischten Gefühlen in seinem Heimatdorf empfangen.

Foto: Lara Hafner

Beeindruckende Choreos...

Foto: Lara Hafner

...und Schlussposen.

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Online seit
10. März 2020

Printausgabe vom
12. März 2020
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Heimat – ein zentraler Begriff im diesjährigen Musical des Vereins Musicalprojekt Zürich 10. Mit viel Witz, Herzblut und Engagement erzählten die Darsteller*innen im Musical «Heicho», die Geschichte von Hansli, der seine Heimat erst wiederfinden muss.

Der Saal im Kirchgemeindehaus an der Ackersteinstrasse füllte sich. Draussen war es bereits dunkel, die Uhr zeigte kurz vor 20 Uhr. Endlich glitt der Vorhang auf und die diesjährige Premiere des Musicals «Heicho», aufgeführt vom Verein Musicalprojekt Zürich 10, startete mit dem Schweizer Volkslied «Es Burebüebli mahn i nit». Der erste Schauplatz: der Stall, in dem der junge Hansli seinem Vater beim Melken der Kühe helfen soll. Doch er hat das Landleben ganz eindeutig satt und träumt von der weiten Welt, Selbstverwirklichung und Freiheit. Also macht er sich auf die Suche. In Hollywood findet er mit dem Künstlernamen Johnny K., wonach er schon immer gestrebt hat: Ruhm, Anerkennung und die Erfüllung all seiner Träume. Doch nach zwölf Jahren ohne Kontakt zu seiner Familie erreicht den nun berühmten Hollywoodstar die Nachricht, dass sein Vater im Sterben liegt. Sofort packt er seine Taschen, schnappt sich seine Verlobte, seinen Manager und seine Kamerafrau und reist mit ihnen zurück in sein Heimatdorf. Zu Hause schlagen ihm – neben Bewunderung und Liebeserklärungen – auch Unverständnis, Wut und Enttäuschung entgegen. Besonders seine Jugendliebe Klärli kann sich nicht mit einer einfachen Entschuldigung zufriedengeben, hat Hansli sie doch damals einfach sitzen gelassen und ihr damit das Herz gebrochen. Es beginnt eine turbulente Zeit der Wiedergutmachung, in der sich der einstige Junge vom Land seiner Vergangenheit stellen und sich Gedanken über seine Zukunft machen muss.

Provinz vs. Hollywood

Die diesjährige Darbietung wurde von Gegensätzen geprägt, die grösser nicht hätten sein können. Die musikalische Untermalung beispielsweise setzte sich aus Schweizer Klassikern und amerikanischen Hits zusammen. «Jetzt muss de Buuch weg», «En Kafi mit Schnaps» und «Oh läck du mir» wurden von «Go Johnny Go» und «Still Got The Blues» abgelöst. Neben dem Musikstil stellten die zwei Schauplätze Hollywood und Provinz einen aussergewöhnlichen Kontrast dar. Während man in Hollywood ein Filmset bestaunen konnte, trafen sich die Dorfbewohner in der Stammbeiz «Ochse», in der die Bedienung in traditioneller Tracht, Bier und Schweizer Kost an die Tische brachte. Und damit noch nicht genug. Ein interessanter Cocktail aus schweizerdeutschen Traditionswörtern wie «Haneburger» und «dummi Gumsle» und englischem Slang, gewürzt mit einer Prise italienischem Akzent und wohlklingenden Kraftausdrücken, machten die Vorstellung zu einem kunterbunten Spracherlebnis. Die italienischen Bruchstücke waren der Figur «Jack De Vito» zu verdanken. Dieser hatte in ein Filmprojekt des Protagonisten Hansli, alias Johnny K., investiert und wollte schnelle Ergebnisse sehen. Diese konnte Hansli ihm jedoch nicht präsentieren und verschuldete sich so bei seinem Investor. Seine Schwester war es schliesslich, die ihm aus der misslichen Lage half und seine Schulden übernahm. So ermöglichte sie es Hansli, ein Filmprojekt in seinem Heimatdorf zu realisieren, in welchem seine Freunde und seine Familie die Hauptrollen übernahmen.

Heimat – ein daueraktuelles Thema

Mehr vom Leben zu wollen, den sehnlichsten Träumen hinterherzujagen, die eigenen Wurzeln aus den Augen zu verlieren – Themen, mit denen wohl einige, die an diesem und den folgenden Abenden im Publikum sassen, mitfühlen konnten. Wenn auch vielleicht nicht alle auf dieselbe Art und Weise, wie die begeisterten Schauspieler*innen dies in ihrer Geschichte erzählten. Neben den vielen Gegensätzen war das Stück angereichert mit geschickt eingebauten Lachern, überraschenden Wendungen und dem Lieblingsfluchwort der «Provinzler»: «Gopfertelli, Gopferdammi». Die energiegeladenen Gesänge, ob solo oder lauthals im Chor, animierten die Zuschauer*innen mehr als einmal dazu, mitzuklatschen. Achtung Spoiler: Das Musical endete mit einem Happy End. Und «Standing Ovation». Nach vielen Verbeugungen schloss sich der Vorhang schliesslich langsam und das Licht erhellte den Saal. Der abschliessende Wunsch der Darsteller*innen ans Publikum: «Guets Heicho!».

 

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10. März 2020

Printausgabe vom
12. März 2020
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