Gütliche Einigung nach langjährigem Streit

Die Liegenschaft «Casa von Muralt» in Höngg soll nicht in den Besitz der Stadt Zürich übergehen: Der Stadtrat beantragt dem Gemeinderat, auf die versprochene Schenkung zu verzichten, wie er den Medien mitteilte.

Adelheid von Muralt vor ihrem Haus an der Limmattalstrasse 123.

1997 unterschrieben Adelheid von Muralt, Besitzerin der Liegenschaft Limmattalstrasse 123, und die Stadt Zürich einen Vertrag: Adelheid von Muralt versprach, der Stadt die denkmalgeschützte Villa in Höngg zu schenken. Die Stadt sollte, so wurde es vereinbart, in der «Casa von Muralt» Gäste von Stadt und Kanton Zürich sowie von verschiedenen Institutionen wie ETH, Universität oder Tonhalle-Gesellschaft beherbergen.
In der Folge kam es im Zusammenhang mit dem Verkauf einer städtischen Nachbarliegenschaft zu Irritationen zwischen der Schenkerin und der Stadt, was schliesslich zu einem gestörten Vertrauensverhältnis führte. 2004 teilte Adelheid von Muralt dem Stadtrat mit, sie wolle den Schenkungsvertrag widerrufen. Trotz zahlreichen Briefwechseln und Besprechungen konnte das ursprünglich gute Verhältnis zwischen Schenkerin und Beschenkter nicht wiederhergestellt werden: aus der «Casa» wurde die «Causa von Muralt».
Der Stadtrat stellte sich auf den Standpunkt, die Schenkerin könne den Vertrag nicht einseitig widerrufen. Zudem liege es nicht in seiner Kompetenz, auf die Schenkung zu verzichten. Dies deshalb, weil es sich dabei um den Verzicht auf eine Einnahme handle, was finanzrechtlich wie eine Ausgabe zu werten sei – und zwar eine Ausgabe, die die Finanzkompetenz des Stadtrats überschreite, denn gemäss einer Schätzung des Amts für Städtebau belaufe sich der Marktwert der Liegenschaft auf 3,2 bis 4 Millionen Franken.
Nun beantragt der Stadtrat dem Gemeinderat, auf die Annahme der Schenkung zu verzichten und einer entsprechenden Vereinbarung zuzustimmen, die Finanzvorsteher Daniel Leupi als Vertreter der Stadt Zürich und Adelheid von Muralt vor gut einem Monat unterzeichnet haben. Gleichzeitig soll eine Motion der SVP-Gemeinderäte Mauro Tuena und Roland Scheck, die der Gemeinderat im März 2013 an den Stadtrat überwiesen hatte, als erledigt abgeschrieben werden. Darin wird verlangt, dass das Schenkungsversprechen aufgelöst wird.

Der «Höngger» berichtete am 15. März 2012, abrufbar unter www.hoengger.ch

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