Fuchs, du hast die Show gestohlen

Da liegt doch tatsächlich nachmittags um vier Uhr ein Fuchs im Feld. Nicht etwa ein kranker und abgemagerter, sondern ein wunderbar stattlicher Fuchs. Er leckt und pflegt gerade sein dickes Winterfell und zottelt schliesslich gemächlich Richtung Holbrig davon.

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Wohlig liegt sichs mit Winterfell im Schnee.
Aug in Aug mit dem Shootingstar.
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Nur wenige Leute spazierten an diesem Nachmittag vor gut einer Woche am Holbrig. Aber alle zückten ihre Handys, um die Begegnung mit dem Rotpelz im Freundeskreis zu teilen. Die zahlreichen Krähen und Elstern, die in der Wiese herumstolzierten, fanden keinerlei Beachtung – Reineke hatte ihnen voll die Show gestohlen. Nur, ein Fuchs tagsüber unterwegs? Klar, in dieser Jahreszeit ist es ja praktisch den ganzen Tag lang gefühlte Dämmerung. Warum soll also ein normalerweise dämmerungs- und nachtaktives Tier nicht tagsüber unterwegs sein?

Doch so nachtaktiv sind Füchse gar nicht. Vor allem im Siedlungsraum sind sie vermehrt tagsüber unterwegs. Und die Stadt haben die anpassungsfähigen Raubtiere seit über 30 Jahren sehr erfolgreich erobert. Fressbares finden sie hier fast unendlich viel: unachtsam auf die Strasse geworfene Fastfoodreste, Vogelfutter, Fallobst, allerlei aus den Komposthaufen. Kein Wunder, stehen Mäuse nicht weit vorne auf ihrem Speisezettel. Dank dem grossen Nahrungsangebot können sich städtische Füchse kleinere Territorien leisten und statt einzelgängerisch auch in Familiengruppen leben. Es soll sogar welche geben, die zeitlebens nie einen Wald gesehen haben. Die Unterschiede in Verhalten und Ernährung sind so gross geworden, dass man inzwischen Stadtfüchse von Landfüchsen unterscheidet, obwohl beide zur gleichen Art gehören. Sogar modifizierte Schädelmerkmale konnten festgestellt werden. So haben Stadtfüchse kürzere und breitere Schnauzen und kleinere Gehirnschädel als Landfüchse. Genau solche Veränderungen sind von Domestikationsprozessen, also vom Wildtier zum Haus- und Nutztier, bekannt.

Trotzdem, obwohl Füchse verwandtschaftlich in die Familie der Hunde gehören, sind sie noch lange nicht «auf den Hund» gekommen. Sie sind nicht auf dem Weg, Haustiere zu werden, sondern sie sind Wildtiere geblieben und sollen auch als solche respektiert werden (Tipps und Antworten auf Fragen unter Fuchsratgeber.ch). Allerdings ist der Hönggerberg mit seinem Wald- und Landwirtschaftsgebiet nicht wirklich städtisch, aber mit seinen dichten Siedlungen auch nicht ländlich. Deshalb dürfte es sich hier weder um einen Stadt- noch um einen Landfuchs, sondern um einen Höngger-Fuchs «für Stadt- und Land» handeln.

 

3 Kommentare


Susi S.

10. Dezember 2020  —  14:13 Uhr

Was für ein gelungenes Foto von dem Prachtexemplar!

Dietzsch Gabriela

13. Dezember 2020  —  15:21 Uhr

och menno. jetzt habe ich mich so auf den artikel über den fuchs gefreut und kein höngger lag in meinem briefkasten. hab heute extra nochmals nachgeschaut 🙁

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