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Höngger Fauna

Froschengel

5. Dezember 2018 von

Foto: Dr. Hans-Peter B. Stutz

Die meisten einheimischen Zikaden sind klein, diese misst nicht einmal 5 mm, aber mit ihren hinteren Sprungbeinen hüpfen sie enorm hoch.

Foto: Dr. Hans-Peter B. Stutz

«Kuckucksspucke» werden die Nester der Schaumzikaden auch genannt, weil sie mit der Rückkehr des Kuckucks (in Höngg leider nicht mehr) im Frühling oft zu beobachten sind.

Von

Online seit
5. Dezember 2018

Printausgabe vom
06. Dezember 2018
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Kürzlich verirrten sich drei Froschengel in unsere Wohnung, worauf ich beschloss, ihnen einen Artikel zu widmen. Die Suche nach biologischen Grundlagen scheiterte dann vollkommen. Aber ich gab nicht auf, weil Froschengel so wunderbar in die Adventszeit passen.

Als Zoologin weiss ich, dass es sich um Insekten, genauer um Zikaden, handelt. Weshalb lag mir denn bei deren Anblick der Name «Froschengel» auf der Zunge? Mit dem Einfangen kam die Erinnerung. Beim genauen Hinschauen ähneln sie mit ihrem grossen Kopf und dem hinten abfallenden Körper schon irgendwie einem sitzenden Frosch. Ebenso hüpfen – oder besser gesagt «spicken» – sie mit einem Riesensatz davon, wenn man sie fangen will. Und bugsiert man sie schliesslich aus dem Fenster, öffnen sie wie Engel ihre Flügel und entschwinden himmelwärts. Deshalb tauften wir sie als Kinder «Froschengel». So wundert es auch nicht, dass unter dem der kindlichen Fantasie entsprungenen Namen in der Insektenliteratur nichts zu finden ist. Doch auch über die meisten Zikaden-Arten weiss man nicht viel. Weltweit sind es über 45’000, sogar in Zürich leben schätzungsweise 150 Arten. Am ehesten bekannt sind die Singzikaden, deren Männchen mit ihrem «Trommelorgan» den Gesang erzeugen, der uns im Mittelmeerraum erfreut. Aber auch die Höngger Zikaden sind nicht stumm, bloss liegen ihre Gesänge oberhalb unseres Hörbereichs. Man müsste schon auf den Üetliberg steigen und über ein sehr gutes Hörvermögen verfügen, um mit viel Glück den Gesang der seltenen, auf tieferer Frequenz zirpenden Bergzikaden zu vernehmen.
Zikaden ernähren sich von Pflanzensäften. Ihre Unter- und Oberkiefer sind zu Stechdornen ausgebildet, die in der Unterlippe nach aussen gleiten. Damit stechen sie Pflanzen an und saugen mit Pumpbewegungen der Mundhöhle deren Säfte durch die Oberkieferkanäle. Genau gleich ernähren sich auch ihre Verwandten, die Pflanzenläuse und Wanzen. Der «Spöiz» an Wiesenpflanzen stammt nicht etwa von unanständigen Mitmenschen, sondern von Schaumzikaden-Larven. Diese produzieren den Schaum, um darin die für ihre Weiterentwicklung optimale Feuchtigkeit und Temperatur zu erzielen. Ihnen verdankt das Wiesenschaumkraut wohl seinen Namen, weil an dessen locker gefiederten Blättern die «Spucke» recht auffällig ist. Schaumzikaden sind übrigens Hochsprung-Weltmeister. Die einen halben Zentimeter langen Tiere springen aus dem Stand bis 70 Zentimeter hoch. Für einen durchschnittlich grossen Menschen wäre das ein Hüpfer über den Prime Tower oder künftig sogar über die Hardturm-Hochhäuser. Dies ist ein Grund mehr, weshalb Zikaden für mich immer verzaubernde Wesen bleiben werden, «Froschengel» eben.

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