Fahrbericht: Der Luxusfrachter

Der Kampf zwischen VW und Mercedes bei den grossen Vans geht in eine neue Runde. Mit der neuen V-Klasse setzt Mercedes noch mehr auf Luxus und Komfort.

Die neue V-Klasse von Mercedes lehnt sich nicht nur optisch an die PW-Modelle der Marke an, sie fährt vor allem auch so.

Platz ist der wahre Luxus. Diesen Spruch hört man von jedem VW-Bus-Fahrer. Und schon seit einigen Jahren geht die Tendenz dahin, dass man sich diesen Luxus je länger je weniger mit spartanischer Ausstattung, lahmen Fahrleistungen und einem unkomfortablen Fahrwerk erkaufen muss. Mercedes hat jetzt mit der neuen V-Klasse noch eins drauf gelegt. So gediegen und vor allem PW-mässig kam noch nie ein grosser Van daher.

Mehr Platz braucht niemand

Klettert man auf den schön hoch platzierten Fahrersitz, empfängt einem eine Wohlfühllandschaft aus Leder, Holz und indirekter Beleuchtung. Das Armaturenbrett aus der C-Klasse ist beim Testfahrzeug mit Leder überzogen, in der Mitte dominiert ein grosser Touchscreen. Auch hinten geht es vornehm zu und her. Auf den vier dreh- und verschiebbaren Einzelsitzen im Fond kann man sich ausstrecken, ohne je einem Mitpassagier zu sehr auf die Pelle zu rücken. Auch hier dominieren Leder, Holz und weiche Teppiche. Der Kofferraum bleibt auch bei voller Bestuhlung noch riesig, und wer sich die Mühe macht, die schweren Sitze auszubauen, wird mit einem Laderaum in Turnhallen-Format belohnt. Die im Testwagen verbaute Sitzkonfiguration ist sicher optimal für VIP-Shuttles und Hotelbusse, im Familienalltag empfiehlt es sich jedoch eher, zwei Einzelsitze durch eine Dreier-Sitzbank zu ersetzen. Dann ist die V-Klasse entweder ein Fünfsitzer mit riesigem Kofferraum oder ein Kleinbus, in dem sieben Personen sehr bequem reisen können.

Fährt sich wie ein PW

Den grössten Unterschied zu älteren Autos dieser Klasse erlebt man trotz allem Luxus jedoch erst nach dem Drehen des Zündschlüssels. Das Fahrverhalten des getesteten V250 BlueTec ist erstaunlich. Leistungssorgen gibt es mit dem kräftigen Dieselmotor, der 190 PS und 440 Newtonmeter Drehmoment liefert, nie. Aber der V250 beschleunigt nicht nur wie ein PW, er lenkt, federt und bremst auch wie einer. Klar, er ist mit 5,14 Metern Länge etwas unhandlicher als ein Kompaktwagen. Aber die gute Übersichtlichkeit und ein Kamera-System, das beim Parken das Auto samt alle es umgebenden Hindernissen aus der Vogelperspektive zeigt, nimmt auch engen Parklücken ihren Schrecken. Und weil die V-Klasse unter zwei Meter Höhe bleibt, passt er auch in fast alle Tiefgaragen.
Also alles perfekt? Fast. Auch wenn der Normverbrauch mit 6,0 Litern für ein Auto dieser Grösse sehr niedrig ist, in der Praxis verbrennt der Vierzylinder wohl meist über sieben Liter. Und das ist definitiv mehr, als zum Beispiel ein ähnlich motorisierter Kombi verbraucht. Und dann wäre da noch die Sache mit dem Preis. Gut 90‘000 Franken kostet der komplett mit allen erdenklichen Luxusoptionen und Assistenzsystemen ausgestattete Testwagen. Das sprengt jedes Familienbudget. Natürlich kann man die V-Klasse in einfacherer Ausstattung viel günstiger haben. Besonders in Euro-Bonus-Zeiten. Aber ein Schnäppchen wird sie nie.

Technik
Mercedes V250 Blue-Tec Editon 1 lang
Treibstoff: Diesel
Hubraum: 2134 cm3
Leistung: 190 PS
Drehmoment: 440 Nm
Getriebe: Siebengang automatisch
Gewicht: 2474 kg
Normverbrauch: 6,0 l/100 km
Testverbrauch: 7,4 l/100 km
Testdistanz: 930 Kilometer
Reichweite: 950 Kilometer
Abgasnorm: Euro 6
NCAP-Sterne: nicht getestet
Laderaumvolumen:
1030 bis 4630 Liter
Grundpreis: 89 900 Franken
Testwagenpreis: 90 296 Franken
Garantieleistungen: 2 Jahre

 

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