Esel und Kamel im Kirchgemeindehaus

Am letzten Sonntag war es endlich wieder einmal so weit: Die Mitsing-Wienacht im reformierten Kirchgemeindehaus stand auf dem Programm.

Nach langem Üben und Lampenfieber endlich auf der Bühne – der Kinderchor singt inbrünstig.
Der gutmütige Esel ist gerne mit Josef und Maria unterwegs.
Karin Koch erhält für ihre langjährige Mitarbeit von Kirchenpfleger Jürg Auer Blumen überreicht.
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Der riesige, geschmückte Tannenbaum war an diesem Sonntagnachmittag kurz vor 17 Uhr im Kirchgemeindehaus weit und breit der einzige, der weihnächtliche Ruhe und Gelassenheit ausstrahlte. Rund um ihn herum war die Spannung förmlich mit Händen zu greifen und es herrschte emsige Betriebsamkeit. Spätankömmlinge versuchten verzweifelt, im vollbesetzten Saal letzte Sitzplätze zu ergattern, Kinder eilten durch die Gänge und bestaunten die Kulissen, die Band bereitete sich auf ihren Einsatz vor und Mütter und Väter begrüssten links und rechts Bekannte und Freunde, während sie gleichzeitig Foto- und Videokameras bereitmachten, um den grossen Auftritt ihrer Sprösslinge nicht zu verpassen.

Eingängige Weihnachtsmelodien

Endlich gingen die grossen Lichter im Saal aus, die Spannung stieg, die Gespräche verstummten. Die Tür öffnete sich und die Kinder des Chors betraten, angeführt von einer Sternträgerin, den Saal. Mit eifrigem Ernst und leuchtenden Augen durchschritten sie die Gänge, vorbei an ihren stolzen Eltern, und begaben sich direkt auf die Bühne, wo sie sich diszipliniert und ohne Hast der Grösse nach auf den Stufen der Bühne aufstellten. Nach einer kurzen Begrüssung durch Pfarrer Markus Fässler begann der Chor, bestehend aus den Kindern des Kiki, des Unti 2 und 3, des Treff 4, Club 5 und der 6. Klassen, seine musikalische Darbietung. Voller Begeisterung und Inbrunst liessen die über 60 Kinder unterschiedlichster Altersstufen die mitreissenden Mundart-Lieder ertönen, gekonnt begleitet von der generationenübergreifenden Liveband. Eltern, Grosseltern und Freunde im Publikum liessen sich von der spürbaren Freude der Sängerinnen und Sänger anstecken und sangen gerne mit – dank der auf einer Leinwand eingeblendeten Liedtexte auch ohne Textschwierigkeiten.

Total ballaballa

Was nun folgte, war das erheiternde Krippenspiel «So ein Kamel», das die Sechstklässler gemeinsam mit Markus Fässler einstudiert hatten. In dieser Weihnachtsgeschichte aus der Feder Andrew Bonds sind für einmal nicht die Menschen, sondern Esel und Kamel die Protagonisten. Während der gutmütige Esel, der in Diensten Marias und Josefs steht, gerne und ohne zu murren alle Arbeiten verrichtet, die die beiden ihm auftragen, ist das Kamel am Hofe des Königs Balthasar dagegen ein wenig launischer und nicht sehr arbeitsam. Am liebsten macht er es sich gemütlich und entspannt sich. «Total balla-balla» findet es demzufolge auch die Idee, mit den drei Königen irgendeinem wandernden Stern hinterherzulaufen. Auch das neugeborene Jesuskind im Stall von Bethlehem entspricht so gar nicht den Vorstellungen, die sich das Kamel von einem Königskind macht und es weigert sich, sich mit allen anderen über dessen Geburt zu freuen und das Kind zu bestaunen. Natürlich wird am Ende doch noch alles gut und auch das Kamel kommt zur Vernunft und begreift, welches Wunder in diesem Stall geschehen ist.

In uns allen steckt ein Kamel

Die liebevolle Inszenierung und die schauspielerisch einwandfreie Leistung aller jungen Darstellerinnen und Darsteller vermochten das Publikum zu fesseln. Jung und Alt verfolgten gebannt das Geschehen auf der Bühne und vor allem das freche Auftreten des Kamels sorgte mehr als einmal für herzhafte Lacher im Publikum. Auch zum Nachdenken regte das Theaterstück an, wie es Markus Fässler in seinen Schlussworten auf den Punkt brachte: «Wer von euch erkennt sich im Esel oder gar im Kamel?», fragte er in die Runde – und obwohl sich kaum ein Zuschauer meldete, war den meisten insgeheim doch schon bewusst, dass ein bisschen Kamel wohl in jedem von uns steckt.

Ohrwürmer als Souvenirs

Nach dem von Pfarrer Fässler erteilten Segen, einem Dankeschön an alle Beteiligten und der Verabschiedung der Katechetin Karin Koch, die die Kirchgemeinde verlässt, um sich beruflich neu zu orientieren, wurde das Publikum schliesslich mit einem letzten gemeinsamen Lied verabschiedet. Im Foyer warteten Punsch, Weggli und Biberli auf die Anwesenden und die im Innenhof aufgestellten leuchtenden Finnenkerzen luden ein, noch einen Moment zu verweilen, Eindrücke auszutauschen und den Abend in Ruhe ausklingen zu lassen. Und auch wenn die Mitsing-Wienacht 2012 nun bereits wieder Geschichte ist – den Besuchern werden mit Sicherheit nicht nur die unterhaltsame Weihnachtsgeschichte, sondern auch die eingängigen Melodien noch weit über Weihnachten hinaus im Gedächtnis bleiben.

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