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Höngger Fauna

«Es isch wieder Beeri-Ziit»

19. Februar 2019 von

Dieses Amselmännchen pflückt eine Stechpalmenbeere nach der anderen.
Foto: Dr. Hans-Peter B. Stutz

Dieses Amselmännchen pflückt eine Stechpalmenbeere nach der anderen.

Foto: Dr. Hans-Peter B. Stutz

Eine Gruppe von Wacholderdrosseln frisst die Beeren des Gemeinen Schneeballs.

Von

Online seit
19. Februar 2019

Printausgabe vom
28. Februar 2019
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Reif geerntet ist der Geschmack von Erdbeeren betörend süss und wir vergessen gerne, dass sie im botanischen Sinn gar keine Beeren, sondern Sammelnussfrüchte sind. Wie dem auch sei: Wir müssen uns noch Monate gedulden, bis wir die ersten einheimischen Erdbeeren geniessen können. Für viele Vögel hingegen ist jetzt Beerenzeit.

Tempi passati – vergangene Weihnachten konnte ich einige hübsche Stechpalmenzweige für den Adventsschmuck abschneiden. Damals war es relativ warm und schneefrei und noch kein Vogel interessierte sich für die leuchtend roten Stechpalmenbeeren. Jetzt wäre das nicht mehr möglich, denn die Beeren verschwinden unglaublich rasch. Die Amseln schwelgen derzeit im Beerenschmaus und gehen dabei gar nicht zimperlich vor. In Windeseile reissen sie die Beeren mit dem Schnabel von den Zweigen und verschlucken sie praktisch ganz. Vögel haben ja bekanntlich keine Zähne zum Kauen, also schlucken sie kleine Beeren ganz hinunter. Einige haben Speicherkröpfe und können deshalb rasch grosse Nahrungsmengen aufnehmen, um sie dann vom Kropf portionenweise in den Magen abzugeben. Zuerst gelangen die Beeren in den Drüsenmagen, der unserem Magen entspricht und Salzsäure und Pepsinogen, eine Vorstufe des eiweissspaltenden Pepsins, produziert. Weiter geht es in den Muskelmagen, dessen Wände aus kräftigen Muskelschichten besteht. Ausgekleidet ist der Muskelmagen innen mit einer Koilinschicht, die so hart ist wie Horn. Durch die antagonistischen, das heisst entgegengesetzten, Bewegungen der Muskelwände wird die Nahrung mit den Verdauungssäften aus dem Drüsenmagen vermischt. Gleichzeitig wird sie an der Koilinschicht gerieben und zerkleinert, ähnlich wie wir das mit den Backenzähnen im Mund machen. Da also quasi erst im Magen «gekaut» wird, können die Amseln die Stechpalmenbeeren einfach verschlucken.
Amseln pflücken die Beeren hastig und lassen viele auf den Boden fallen. Doch sie sind nicht vergeudet, denn dort freuen sich die Rotkehlchen darüber. Und beide mögen sie jetzt auch die Früchte des Pfaffenkäppchens. Die schwarzen Beeren des Efeus nehmen neben den Amseln auch die Singdrosseln und Kernbeisser sehr gerne. Für viele Vogelarten ist jetzt also «Beeri-Ziit», auch für solche, die sich in der warmen Jahreszeit von Insekten und anderen Wirbellosen ernähren. Deshalb ist es wichtig, dass man im Garten Sträucher mit Winterbeeren hat und jetzt mit dem Winterschnitt noch zuwartet. Nützliche Tipps für einen vogelfreundlichen Garten gibt es bei vogelwarte.ch in der Rubrik «Vögel» unter «Ratgeber».

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