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Kinder & Jugend

Einmal Hochschulluft schnuppern

19. November 2019 von

300 Schüler*innen werden im Foyer empfangen.
Foto: zvg

300 Schüler*innen werden im Foyer empfangen.

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Mila arbeitet am Game.

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Bereit zum Schweissen.

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Online seit
19. November 2019

Printausgabe vom
20. November 2019
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Am 14. November, dem Nationalen Zukunftstag, bot die ETH Zürich 300 Schüler*innen der fünften bis siebten Klasse einen Einblick in das Berufsleben an der Hochschule.

Hochbetrieb an der ETH Hönggerberg morgens um neun an diesem grauen und kühlen Donnerstag im November. Zugegeben, um diese Uhrzeit herrscht auf dem Campus natürlich eigentlich immer Hochbetrieb, aber dennoch ist heute alles etwas anders als sonst, denn es sind nicht nur wie üblich Studierende und Forschende, sondern auch noch ganz aussergewöhnliche Gäste auf dem Hochschulgelände unterwegs: 300 Schüler*innen, von der fünften bis zur siebten Klasse, versammeln sich aufgeregt im Foyer des HPH-Gebäudes. Sie alle haben einen der begehrten Plätze in den Workshops erhalten, die die ETH am nationalen Zukunftstag veranstaltet. An diesem Tag sollen Kinder die Gelegenheit erhalten, die Seiten zu wechseln, einen ersten Einblick in das Berufsleben zu erhalten und vielleicht auch untypische Berufsfelder zu entdecken. Die meisten der Kinder, die ihren Tag hier in der ETH verbringen, sind Söhne und Töchter von Mitarbeiter*innen, doch rund ein Drittel, zirka 100 Kinder, sind externe Gäste und konnten sich ihren Platz durch eine Verlosung ergattern.

Eine Fülle an Programmen zur Auswahl

Zwei der Glücklichen sind Mila Bohne und Marco Mayländer, zwei Schüler*innen aus Höngg, die die beiden Plätze gewonnen haben, welche im «Höngger» verlost wurden. Nun sitzen sie gemeinsam mit all den anderen Kindern hier im Foyer, trinken heisse Schoggi zur Begrüssung und warten gespannt auf den Beginn ihres Programms. Aus einer Vielfalt von über 20 angebotenen Workshops haben sie sich ihren Lieblingskurs ausgewählt. Mila wird Programm 18 besuchen, «Wir programmieren unser eigenes 2D-Game», Marco dagegen freut sich auf Programm 20 «Darf ich vorstellen: Baumeister Roboter – oder Baumeisterin?» Nach der Begrüssung werden sich die Gruppen auf dem Campus verteilen und den Vormittag in den gewählten Abteilungen verbringen. Zum Mittagessen, das – ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit – aus einem veganen Hamburger, dem «Beyond Burger», bestehen wird, werden sich alle wieder im Foyer versammeln, bevor ihre Eltern sie abholen dürfen.

Ironman im Einsatz gegen das Böse

Mila begibt sich mit ihrer Gruppe, die aus 22 Kindern besteht, in das HIL-Gebäude, dort, wo die Informatikdienste der ETH bereits auf sie warten. Sie hat den Workshop ausgesucht, weil sie gerne lernen möchte, wie man Videospiele kreiert. «Mich interessiert, zu erfahren, was es alles braucht, um ein solches Game zu realisieren, wie viel Aufwand das ist, wie lange es dauert», erklärt die Gymnasiastin. Ob sie später tatsächlich beruflich auch in Richtung Informatik gehen möchte, weiss sie heute noch nicht so genau. «Eigentlich möchte ich einen Job haben, in dem man anderen Menschen helfen kann, für Menschen mit Problemen da sein kann – aber Computer finde ich auch interessant.» Doch mit ihren zwölf Jahren hat sie ohnehin noch ein wenig Zeit, bis sie sich entscheiden muss und geniesst heute erst mal unvoreingenommen das spannende Angebot der ETH, betreut von den Lehrmeistern des IT Lehrlabors und Lernenden der Informatikdienste. Hier, wo nicht nur Mediamatiker*innen und Interactive Mediadesigner*innen, sondern auch kaufmännische Berufe ausgebildet werden, kann Mila nun damit beginnen, die Charaktere für ihr eigenes Videospiel auszuwählen. Gar nicht so einfach angesichts der unendlichen Möglichkeiten des Internets, doch sie entscheidet sich nach einem längeren Hin und Her schliesslich für die Figur des Iron Man, die sie als Bild aus dem Netz herunterlädt. Er soll in ihrem Spiel gegen Gegner kämpfen und Schokoladestückchen einsammeln. Hintergrund, Gegner und Belohnungen werden ebenfalls aus dem Internet heruntergeladen, danach geht es darum, den Charakter so zu programmieren, dass er sich auf der Oberfläche bewegen und seinen Gegnern ausweichen kann. Hochkonzentriert sind sie und die anderen Schüler*innen bei der Sache, kompetent beraten durch die Lernenden, die dabei behilflich sind, all die Superhelden, Delfine, Harry Potters und Emojis zum Leben zu erwecken.

Roboter, die bauen und zeichnen können

Auch der Sechstklässler Marco findet Informatik spannend. Er hat seinen Workshop ausgewählt, weil er sich für Roboter interessiert und 3D-Drucker faszinierend findet. Seine Gruppe, die ebenfalls aus rund 20 Kindern besteht, verbringt den Vormittag im HIB-Gebäude, bei den Architekt*innen der ETH, in der NFS Digitale Fabrikation. Hier wird geforscht, wie digitale Technologien in den Bauprozess integriert werden können. An verschiedenen Posten dürfen die Kinder den Robotern bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen: den ganz grossen, die in der Werkhalle mit ihren riesigen Armen einzelne Bauelemente aufeinanderstapeln können, den Schweissrobotern, die selbstständig Metallelemente miteinander verbinden oder dem etwas handlicheren Modell, das für die Kinder ihre Initialen zeichnet oder Fotos abmalt. Auch hier haben die jungen Besucher*innen die Gelegenheit, exklusive und ganz besondere Einblicke in ihre potenziellen späteren Berufsfelder zu erhalten und mit jungen Forschenden zu sprechen. Marco geniesst es sichtlich, einen Tag hier zwischen all den spannenden Forschungsprojekten zu verbringen, anstatt die Schulbank zu drücken. Er stellt interessierte Fragen und fotografiert alles, was ihm so vor die Linse kommt.

Die Zukunft ist noch weit weg – und doch schon sehr nah

Ob er später hier arbeiten will, weiss auch Marco noch nicht: «Ich habe noch gar keine Ahnung, was ich später einmal machen möchte», beantwortet er die Frage nach seiner beruflichen Zukunft. Für ihn steht erst mal der Abschluss der Primarschule und der Übertritt in die Sekundarschule im Vordergrund. Und auch viele der anderen Teilnehmer*innen seiner Gruppe können noch nicht konkret sagen, was sie für Pläne haben. Das ist für die Fünft- und Sechstklässler*innen noch ziemlich weit weg. Doch eins ist sicher: so viele Einblicke, Inputs und neue Sichtweisen erhalten sie nicht an jedem Schultag.

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