«Einfach ruhig bleiben»

Zwei Mädchen und eine Mitarbeiterin des Kinder- und Jugendheims Heizenholz erzählen, wie sie die Corona-Pandemie erleben.

«Es hat sich schon sehr viel verändert», erzählen Antonia* und Lara* beim Mittagessen im Esszimmer ihrer Wohngruppe. Die beiden 13 und 14 Jahre alten Mädchen, die teilweise im Wohn- und Tageszentrum Heizenholz in Höngg wohnen, mussten in der Zeit seit dem Lockdown im Frühling 2020 auf vieles verzichten. So seien etwa Ferien mit der Familie und das Lager mit der Wohngruppe abgesagt worden und es habe weniger Ausflüge gegeben. Auch viele Feiern, zum Beispiel Abschiede, seien nicht so wie sonst gewesen.
Dass die pandemiebedingten Massnahmen Kinder und Jugendliche besonders hart trifft, darüber scheint in Fachkreisen und Medien Einigkeit zu bestehen. Ihr Entwicklungsraum hat sich seit Beginn der Pandemie eingeschränkt oder mindestens verändert. Einige Kinder und Jugendliche, wie Lara und Antonia, verbringen einen Teil ihres Alltags in einem Kinder- und Jugendheim, da sie mindestens zeitweise nicht oder nur teilweise bei ihrer Familie leben können.
Von einem veränderten Alltag berichtet auch Martina*, die in einer Wohngruppe Jugendliche begleitet. Der Umgang mit Hygiene sei viel bewusster geworden, berichtet sie. Die Hände würden öfter sowie genauer gewaschen und desinfiziert, zusätzliche Massnahmen seien das Maskentragen und das Abstandhalten. In den Gruppen könnten nicht mehr alle gemeinsam an einem Tisch essen und das sonst regelmässig stattfindende Gruppen-Weihnachtswochenende sei abgesagt worden. «Die Jugendlichen haben einige Zeit gebraucht, um zu verstehen, dass Corona wirklich gefährlich ist und solche Massnahmen nötig sind», sei die Wohngruppe doch auch eine Art zweites Zuhause für sie. Als Mitarbeiter*in gelte es, den sozialpädagogischen Auftrag weiter zu erfüllen und zugleich die eigene Gesundheit sowie jene anderer zu schützen.

Chance für neue Ideen

Zu den nötigen Massnahmen gehörten auch Besuchsverbote und Quarantäneregeln, die die zwischenmenschliche Nähe zusätzlich erschweren. «Wir haben viel weniger mit Freunden abmachen können», erzählen Antonia und Lara. Einmal seien sie als Gruppe in Quarantäne gewesen und konnten dann nicht nach Hause zu ihren Familien, das sei sehr schwierig für sie gewesen. Wenn es vorkam, dass eine ganze Gruppe in Quarantäne musste, ging das auch mit einem Gefühl der Isolation einher, sagt Martina. Begegnungen hätten, wenn überhaupt, weniger und mit grösserer Distanz stattgefunden. Das Miteinander aller Menschen im Wohn- und Tageszentrum Heizenholz habe sich verändert.
Und doch, trotz der Herausforderungen, wirken Antonia und Lara sehr aufgestellt. Sie haben gelernt, was ihnen in der schwierigen Zeit hilft: «Einfach ruhig bleiben, mit Freunden und der Familie reden, rausgehen, spazieren und essen». Und sie sehen auch Positives: Antonia erzählt, sie habe sich viel mehr auf die Schule konzentrieren und so mehr lernen können. Die Situation habe aber die Suche nach alternativen und neuen Ideen ermöglicht, den Blick geöffnet, findet auch Martina. Geholfen habe dabei die klare Kommunikation des Betriebes rund um die Massnahmen zur Pandemie.
* Namen geändert

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