Einfach mal fordern, auch wenn man keine Ahnung hat

Die Kolumne von Nicole Barandun-Gross, Präsidentin des Gewerbeverbands der Stadt Zürich.

Nicole Barandun. (Foto: zvg)

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Eigentlich ist man sich ja einig, dass das duale Bildungssystem der Schweiz eine Erfolgsgeschichte ist, der man Sorge tragen muss. Es stellt sicher, dass alle Jugendliche, die schulisch starken wie die schwachen, nach Ende der obligatorischen Schulpflicht eine passende Ausbildung machen können. Viele Eltern wollen ihren Nachwuchs im Gymi sehen. Nur mit Akademikern allein lässt sich aber kein Gemeinwesen am Laufen halten. Ganz abgesehen davon, dass via Berufsmatur ein Fachhochschulstudium für starke Schüler eine ausgezeichnete Option ist.

Engagement für Lernende, die Fachleute von morgen

Ausbildner in den Lehrbetrieben leisten Grosses. Sie vermitteln den Jugendlichen nicht nur das für die Ausübung eines Berufes notwendige Fachwissen. Sie begleiten sie in einer Lebensphase der Selbstfindung und Integration in die Gesellschaft. Es ist wichtig, dass die jungen Menschen das lernen, was in der Arbeitswelt gebraucht wird. Gute Bildung und die Möglichkeit, im Beruf ein existenzsicherndes Einkommen zu erzielen, sind die besten Voraussetzungen für ein unabhängiges, selbstbestimmtes Leben und eine niedrige Arbeitslosigkeit.

Überrissene Forderung bedeutet weniger Lehrstellen

Völlig quer liegt da die Forderung der Juso nach einem branchenübergreifenden Mindestlohn für Lernende von 1000 Franken pro Monat im ersten Lehrjahr. Die Juso hat absolut keine Ahnung, was es heisst und kostet, Lernende auszubilden. Berufsbildnerinnen und Berufsbildner erklären, zeigen, lassen machen, kontrollieren, unterstützen, sind in Kontakt mit Berufsschule und Behörden – permanent. Sie investieren Zeit und brauchen auch Nerven. Dabei geht es bei weitem nicht nur um die berufliche Entwicklung der Lernenden.

Ausnützen als billige Arbeitskraft?

Mitnichten! Das zu einem guten Teil von Idealismus getriebene Engagement vieler Berufsbildnerinnen und Berufsbildner wird mit überrissenen Lohnforderungen abgewürgt. Dabei benötigen wir im Kanton Zürich in den nächsten 15 Jahren aufgrund der demografischen Entwicklungen 20 Prozent mehr Lehrstellen. Im Wissen darum sollten wir die bestehenden Lehrbetriebe nicht bashen, sondern ihnen Sorge tragen und sie entlasten und unterstützen.

Nicole Barandun-Gross
Präsidentin Gewerbeverband der Stadt Zürich
www.gewerbezuerich.ch

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