Ein neuer Präsident und erste Ergebnisse

Drei Traktanden beherrschten die 35. Generalversammlung des Vereins Handel und Gewerbe Höngg, HGH: die Wahl des neuen Präsidenten, das Wümmetfäscht 2013 und die ersten Ergebnisse der Detailhandelsumfrage.

André Bolliger, links, erhielt Blumen für 18 Jahre HGH-Präsidium, Robert Werlen, rechts, wurde neuer Präsident und Daniela Züst bleibt Vizepräsidentin.

Vor einem Jahr hatte er seinen Rücktritt angekündigt, nun griff André Bolliger am 18. April kurz nach 20 Uhr zum letzten Mal zur Sitzungsglocke und eröffnete die Generalversammlung des HGH. 18 Jahre hatte er den Verein sicher und kompetent geführt und so leitete er auch routiniert durch seinen letzten grossen Abend in dieser Runde. Er begrüsste Gäste wie Ursula Woodtli, Geschäftsführerin des Gewerbeverbandes der Stadt Zürich (GVZ), die später am Abend über dessen Tätigkeit berichtete. Und obwohl im HGH – im Gegensatz zu anderen Quartieren – offenbar niemand den Verbleib beim GVZ anfocht, erinnerte Bolliger daran, dass es wichtig sei, sich auch über Höngg hinaus zu engagieren, und dass der GVZ erst kürzlich die Höngger Gewerbler finanziell, beratend und erfolgreich im Kampf gegen den am Zwielplatz geplanten Parkplatzabbau unterstützt hätte. 48 Stimmberechtigte und einige Gäste waren in den Fasskeller des Zweifel-Vinariums, ehemals Weinlaube, gekommen. Im vergangenen Vereinsjahr waren fünf Firmen ausgetreten, an diesem Abend wurden dafür vier neue einstimmig willkommen geheissen, so dass nun total 109 Firmen HGH-Mitglied sind.

Das letzte Jahr war speziell

André Bolliger bezeichnete das vergangene Vereinsjahr als speziell: Es fand kein Wümmetfäscht (WüFä) statt, bei dessen Organisation und Durchführung der HGH traditionell einen wesentlichen Beitrag leistet, der Wümmetznüni musste deshalb in anderer Form durchgeführt werden – Bolliger erinnerte an den schönen Abend im Zelt des Martin-Cups – und das WüFä 2013 musste geplant werden. In diesem Zusammenhang konnte es Bolliger, der nie mit seiner Meinung hinter dem Berg gehalten hatte, nicht lassen, an die Generalversammlung des Quartiervereins damals zu erinnern, als dem WüFä ein jährlich fester Beitrag an die Kosten verwehrt worden war: «Und nun sucht das OK Wümmetfäscht für dieses Jahr bereits wieder liquide Mittel », bemerkte er trocken. Auch die Teilnahme am «Mitwirkungsprozess Verkehr Kreis 10» sei in diesem Jahr wichtig gewesen. Es seien gute Sitzungen gewesen, an denen er für den HGH teilgenommen habe, sagte Bolliger, auch wenn viele der vorgeschlagenen Lösungsansätze ihm als Gewerbler zu autofeindlich seien – worauf sich an den Tischen zustimmendes Geraune erhob. Als wäre es nicht sein letzter, brachte Bolliger den Jahresrückblick emotionslos zu Ende und erntete dafür langen Applaus. Anschliessend übernahm Vizepräsidentin Daniela Züst das Mikrophon und liess eine Auswahl an Schnappschüssen des scheidenden Präsidenten über die Leinwand ziehen – die meisten konnte sie, zum Amüsement der Anwesenden, mit «Das hat Andi lustig gefunden» kommentieren. Und so dankte sie im Namen des Vorstands und aller Anwesenden schlicht für die 18 Jahre präsidialen Engagements und überreichte, begleitet von anhaltendem Applaus, einen prächtigen Blumenstrauss und ein Präsent.

Auf den Gewerbler folgte ein Detaillist

Nach der Abnahme der Jahresrechnung war es dann auch schon so weit: André Bolliger schlug den Augenoptiker Robert Werlen, Inhaber von He-Optik am Meierhofplatz, als seinen Nachfolger vor. Werlen war der Einzige, der die «hartnäckige Anfrage » des HGH positiv beantwortet hatte, allerdings unter den zwei Bedingungen, dass Bolliger ihm doch im ersten Jahr aktiv zur Seite stehen möge, was dieser zusagte, und dass die restlichen Vorstandsmitglieder sich für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung stellen würden. Und so wurde Robert Werlen ohne formelles Erheben der Stimmkarten, dafür mit grossem Applaus als neuer Präsident gewählt, erhielt ebenfalls Blumen und zum ersten Mal das Mikrophon in die Hand gedrückt. «Lass dich nicht aufhalten», forderte ihn Bolliger lachend auf und so bedankte sich Robert Werlen schlicht für das entgegengebrachte Vertrauen. Anschliessend wurden wie von Robert Werlen gewünscht die sechs Vorstandsmitglieder für weitere drei Jahre im Amt gewählt, Werlen wird also auch auf dieses erfahrene Team zählen dürfen.

Wieder mit Wümmetznüni und Gewerbebeiz am WüFä

Einer dieses Teams ist Peter Kümmin, der kurz darauf das mit Spannung erwartete Konzept des Wümmetfäschts 2013 vorstellte. An dieser Stelle sei nur so viel verraten: Der Festplatz, Herz des WüFä, wird – quasi unter dem Motto «zurück zu den Wurzeln» – im alten Dorfkern vor der Kirche sein und die beliebte Gewerbe-Beiz im alten Feuerwehrdepot im Schulhaus Wettingertobel, das bis dahin fertig renoviert ist. Im reformierten Kirchgemeindehaus werden zwei Konzertabende und am Sonntag der Wümmetznüni des HGH veranstaltet. Natürlich werden viele der bewährten Angebote nicht fehlen und auch ein Umzug wird dieses Jahr durchgeführt. Über weitere Details des Festanlasses vom 27. bis 29. September wird der «Höngger» bald zu berichten beginnen.

Erster Einblick in Umfrage-Ergebnisse

Dann übernahm Drogist und Zunftmeister Daniel Fontolliet das Wort. Er liess Revue passieren, wie an der letzten HGH-Versammlung vor einem Jahr sein Votum zur desolaten Lage des Höngger Detailhandels eine Artikelserie im «Höngger» ausgelöst und diese wiederum zwei namhafte, aber ungenannt bleiben wollende Höngger zur Finanzierung einer Bevölkerungsbefragung bewogen hatte. Wie der HGH ins Boot geholt worden war und die Umfrage «Dörfs es bitzeli me si?», mitgestaltet von einer Spurgruppe aus HGH-Mitgliedern, diesen Januar an alle Höngger Haushalte verteilt und in den Geschäften aufgelegt worden war. Und nun berichtete Martin Hotz von der Beratungsfirma Fuhrer & Hotz, welche die Umfrage durchführte, über die «Grosswetterlage des Detailhandels», wie er es nannte, und über die mit Spannung erwarteten ersten Zwischenergebnisse der Höngger Umfrage.

Rekordverdächtiger Rücklauf

1034 Umfragebögen waren eingegangen, rund doppelt so viele wie von den Experten erwartet. Erwartungsgemäss, da noch immer hauptsächlich sie für die Haushaltsführung verantwortlich sind, waren runde zwei Drittel der Rücksendungen von Frauen ausgefüllt worden – der Dank für den grossen Rücklauf gilt also in erster Linie den Hönggerinnen, doch auch die Herren dürfen sich auf die Schulter klopfen. Die Anwesenden aber erfuhren weit interessantere, zum Teil bedenklich stimmende Ergebnisse, über die der «Höngger» ab dem 16. Mai exklusiv berichten wird. Was weiter geschieht Parallel zu den noch laufenden Auswertungen werden nun gezielt auch Besitzer von Höngger Geschäftsliegenschaften interviewt, denn sie sind es, die massgeblich Einfluss auf das Angebot in Höngg nehmen können und auch nehmen sollten: Ob ein gesunder Branchenmix vorhanden ist, hängt auch von ihrer Preispolitik und Vermietungsphilosophie ab. Am 21. Juni werden sich die Spurgruppe des HGH und die Experten von Fuhrer & Hotz zu einer Tagung zusammenfinden und danach einen empfehlenden Bericht zuhanden des HGH verfassen. Die fertige Studie dürfte diesen Herbst vorliegen, der «Höngger» wird auch dann exklusiv berichten können. Spätestens dann wird sich zeigen müssen, was die Studie konkret bei allen Akteuren bewirkt – denn getreu nach Goethe: «Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.»

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