Ein LEK für alle Fälle

Im Jahr 2006 startete die Stadt Zürich mit der Erarbeitung des Landschaftsentwicklungskonzepts (LEK) Hönggerberg-Affoltern. Im Juli 2011 wurde das fertige Werk vom Stadtrat verabschiedet und man machte sich an die Umsetzung. Wo man heute steht und was das LEK für einen Einfluss auf die Zukunft der Allmend Hönggerberg hat, steht im Fokus dieser und der nächsten Ausgaben des «Hönggers».

Jürgen Faiss (Mitte), Projektleiter Freiraumplanung bei Grün Stadt Zürich, oberhalb des «Müseli», wo sich die Stossrichtung des LEK auch landschaftlich visualisieren lässt.
Teilnehmende am Workshop LEK Hönggerberg-Affoltern, September 2006.
Der Zaun am Ruggernweg unterhalb des Friedhofs kann nicht versetzt werden.
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Freiräume sind begehrte Räume. Das wusste schon Stadtpräsident Emil Klöti, als er sich in seinen Amtsjahren bis 1942 unter anderem für die Erschaffung des heute als «Grüngürtel» bekannten Raumes rund um Zürich einsetzte. Jener Zone also, die bis heute die Stadt davon abhält, sich grenzenlos auszudehnen und Naturräume zu überbauen, sondern diese gezielt zu erhalten. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie des Schicksals, dass mit der Verbindungsstrasse vom Bucheggplatz zur ETH Hönggerberg und weiter Richtung Affoltern ausgerechnet eine jener Strasse nach ihm benannt wurde, die ein solches Gebiet nachhaltig – zumindest bis heute – durchtrennt. Emil Klöti erkannte also schon damals den Wert solcher Freihaltegebiete. Und auch Nutzungskonflikte in solchen Freiräumen waren und sind seit jeher vorgezeichnet, und zunehmender Nutzungsdruck war schon im letzten Jahrhundert ein Thema.

Vom Grünbuch zum LEK

Grün Stadt Zürich (GSZ) legte im «Grünbuch der Stadt Zürich» bereits 2006 fest, mit welchen heutigen Strategien und Zielen sich Zürich «Grün» entwickeln soll. Die Landschaftsentwicklungskonzepte (LEK), von denen Zürich zwei fertiggestellt hat, basieren auf diesem «Grünbuch» und berücksichtigen Vorgaben von Bund und Kanton. Mit der LEK-Strategie soll, kurz zusammengefasst, in Gebieten ausserhalb des überbauten Raumes die nachhaltige Landschaftsentwicklung unter Berücksichtigung der verschiedensten Ansprüche sichergestellt werden. Ein LEK ist ein partizipatives Verfahren, die Nutzergruppen werden also bei der Erarbeitung miteinbezogen. So geschehen auch in Höngg und Affoltern, wo bis zu 140 Personen damals an mehreren Workshops teilnahmen. Sie haben damit, um es mit den Worten der Verantwortlichen zu sagen, «das Grundmuster eines Bildes, das sich über die Jahre weiterentwickeln wird» geschaffen. Oder anders gesagt, sind die im LEK formulierten Ziele wie die Kettfäden eines Webstuhls, welche in diesem Gewebe die Schussfäden, also die Massnahmen, zusammenhalten, um das angestrebte Bild, das LEK, zu realisieren.
Alles was im LEK Hönggerberg-Affoltern formuliert ist, beruht also auf dem Planungsstand und Annahmen aus dem Jahr 2006. «Das LEK», so sagt Jürgen Faiss, der Projektleiter Freiraumplanung bei Grün Stadt Zürich, «ist kein Projekt mit einem Anfang und einem klar definierten Ende, sondern dynamisch». Es zeigt nur eine grundsätzliche Richtung auf und wird laufend aktualisiert. So sind seit 2006 weitere planerische Aufgaben hinzugekommen, es haben sich neue Abhängigkeiten – zum Beispiel im Zusammenhang mit Bauprojekten – oder auch neue Erkenntnisse ergeben, die sich im LEK niederschlagen. Als amüsantes Beispiel für letzteres sei hier vorweggenommen, dass man beabsichtigte, den Zaun unterhalb des Friedhofes Hönggerberg zu entfernen: Die seit 2006 stark angestiegene Wildschweinpopulation würde sich darüber heute sehr freuen und so arbeitet man nun an einer neuen Lösung für das «Problem», welches sich dort im Zusammenhang mit einer geplanten Panoramaroute stellte. Mehr dazu im nächsten «Höngger».

Umfassend und behördenverbindlich

Solche und weitere Projekte und Massnahmen definiert das LEK. Nach Prioritäten geordnet erfolgt deren Umsetzung etappenweise. Sinnvollerweise im Zusammenhang mit anderen geplanten Projekten, was aber auch bedeutet, dass sich die Prioritäten ändern können. Integriert in ein LEK werden auch der Waldentwicklungsplan (WEP) und die Vernetzungsprojekte (VNP), welche in landwirtschaftlichen genutzten Zonen die für die ökologische Vernetzung nötige Flächen bestimmen, also dafür sorgen, dass für Tier- und Pflanzenwelt Lebensräume und Korridore zwischen diesen gesichert werden. Mit der Verabschiedung durch den Stadtrat im Juli 2011 wurde das LEK Hönggerberg-Affoltern behördenverbindlich. Für Privateigentümer im betroffenen Gebiet ist die Umsetzung freiwillig. Der Planungshorizont eines LEK liegt im Schnitt bei zehn Jahren, viele Massnahmen sind aber noch längerfristiger angelegt. Der Stand der Umsetzung wird dem Steuerungsausschuss von GSZ jährlich berichtet. In diesem LEK wurden 160 Massnahmen definiert, davon betreffen an die 80 direkt Höngger Gebiet. Den Überblick und damit die Umsetzungskontrolle zu behalten, ist Aufgabe von Grün Stadt Zürich. Der «Höngger» hat sich – wie immer mit Fokus auf Höngg – durch eine Dokumentation des Umsetzungsstandes gelesen. Selbst für den ortskundigen Eingeborenen eine aufschlussreiche Reise entlang alter Flurnamen. Die Ergebnisse erscheinen in den Ausgaben vom 14. September.

Infobox
Das 140 Seiten starke LEK Hönggerberg-Affoltern ist unter www.stadt-zuerich.ch, Suchbegriff «LEK Hönggerberg» auch als PDF verfügbar.

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