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Ein Hort im Hönggermarkt?

9. April 2021 von

Die Räumlichkeiten an der Limmattalstrasse 186 sollen zu einer KiTa umgenutzt werden.
Foto: pas

Die Räumlichkeiten an der Limmattalstrasse 186 sollen zu einer KiTa umgenutzt werden.

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9. April 2021

Printausgabe vom
22. April 2021
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In den Räumlichkeiten der früheren Drogerie Apotheke Hönggermarkt will die Stadt Zürich einen Hort einrichten. Die BZO 2016 schreibt für Erdgeschosse in Kernzonen aber publikumsorientierte Gewerbenutzungen vor.

«Limmattalstrasse 186, Umnutzung von Ladenlokal zu KiTa und Innenumbau, K.» So lautet die Ausschreibung im Zürcher Tagblatt vom Mittwoch, 7. April. Bauherrin ist die Immobilien Stadt Zürich (IMMO), welche für die Eigentümervertretung und Bewirtschaftung der ihr anvertrauten städtischen Bauten zuständig ist. Sie will die Räumlichkeiten der ehemaligen Apotheke Drogerie Hönggermarkt zu einem Hort für die Schule Vogtsrain umnutzen.

Ja, es braucht Betreuungsplätze für die Schulen

Wie der «Höngger» im vergangenen Fokusthema Schulraumplanung berichtete, rechnet die Stadt Zürich für den Schulkreis Waidberg bis zum Schuljahr 2027/28 mit einer Zunahme von rund 930 Schüler*innen. Das bedeutet, dass insgesamt rund 49 neue Schulklassen entstehen werden, für die Platz gefunden werden muss. Neben Klassenzimmern verursachen auch die Betreuungsreinrichtungen wie Horte oder, im Hinblick auf die Einführung der Tagesschule, zusätzliche Küchen und Aufenthaltsräume Raumbedarf. Eben diesen will die IMMO für die Schule Vogtsrain im Hönggermarkt decken. Das Vogtsrain wird im Schuljahr 20/21 mit zwölf Primarschulklassen und zwei Klassen der Heilpädagogischen Schule geführt. Um alle Klassen unterzubringen, wurde auf das Schuljahr 20/21 bereits die letzte verbliebene Raumreserve auf dem Grundstück für schulische Zwecke genutzt. «Mit den zwölf Primarschulklassen verschärft sich die Raumnot in der Betreuung», so die Auskunft von Kommunikationsfachfrau des Hochbaudepartements Nina Berner. «Gemäss Schulraumkonzept fehlen der Schule Vogtsrain 115 Quadratmeter Betreuungsraum und 52 Mahlzeiten». Die Räumlichkeiten beim Hönggermarkt seien für einen Hort ideal gelegen, denn die Entfernung zur Schule betrage nur 350 Meter und auch die Schärrerwiese als ergänzender Aussenbereich sei in fünf Minuten über einen sicheren Fussweg zu erreichen. Ausserdem sei «der Grundriss und die Grösse – zweigeschossig mit Betreuungsraum und Aufenthalt – bestens geeignet. Im Aussenbereich ist Platz für Tische vorhanden», so die Mediensprecherin.

«Verkaufsgeschäfte, Gastronomieeinrichtungen oder Gewerbe mit Laufkundschaft»

Es steht ausser Frage, dass das Bedürfnis nach Schulraum gedeckt werden muss. Doch dass sich die IMMO ausgerechnet für ein Ladenlokal im Zentrum Hönggs entschieden hat, zeugt mindestens von einer gewissen Ignoranz gegenüber den Sorgen des Quartiers. Seit Jahren sind die Leerstände im Zentrum und die fehlende Lebendigkeit in Höngg ein Thema, auch diese Zeitung schreibt regelmässig darüber. Höngg droht zu einem Schlafquartier zu werden. Seit im September 2019 die frühere Apotheke Drogerie Hönggermarkt schloss, rätselt die Höngger Bevölkerung darüber, wer sich wohl neu in den attraktiven Räumen beim Hönggermarkt einmieten würde. Im selben Jahr hatte die Reformierte Kirche eine Podiumsdiskussion zum lokalen Wirtschaften veranstaltet, an der auch Stadtrat Michael Baumer als Experte eingeladen war. Nun ist Herr Baumer nicht für das Hochbaudepartement zuständig, sondern Vorsteher des Departements der Industriellen Betriebe. Interessant war dennoch sein damaliger Hinweis auf die revidierte Bauzonenverordnung BZO 2016, welche vorschreibt, dass Erdgeschossflächen an zentralen Lagen wie Plätzen, Strassenkreuzungen und ÖV-Haltestellen für gewerbliche oder publikumsorientierte Nutzungen zur Verfügung gestellt werden müssen. Die entsprechende Stelle in der BZO ist ziemlich unmissverständlich: «Liegen die im Ergänzungsplan bezeichneten Lagen in Kern-, Quartiererhaltungs- und Zentrumszonen, werden im Erdgeschoss explizit publikumsorientierte gewerbliche Nutzungen vorgeschrieben. Als publikumsorientierte Nutzungen gelten Nutzungen mit einem hohen Öffentlichkeitsgrad wie Verkaufsgeschäfte, Gastronomieeinrichtungen oder Gewerbe mit Laufkundschaft.»

Ist ein Hort publikumsorientiert oder nicht?

Das Gebäude an der Limmattalstrasse 186 liegt in der Kernzone und sein Erdgeschoss gehört, wie dem Ergänzungsplan zu entnehmen ist, zur Kategorie A. Zentraler geht nicht. Die Lage scheint eindeutig zu sein. Gemäss Auskunft der Vermieterin Swiss Life AG hatte sie im Vorfeld mit verschiedenen Interessenten Gespräche geführt, muss diese aber nicht öffentlich kommentieren. Sie ist überzeugt, dass für den Hort an diesem Standort in Zürich Höngg eine hohe Nachfrage vorhanden sein wird und die Auswahl verschiedener Betreuungsmöglichkeiten von Familien in Höngg und Umkreis geschätzt wird. Die Mediensprecherin der Swiss-Life-Gruppe, Tatjana Stamm, sagt auf Anfrage «Wir sind der Ansicht, dass ein Hort publikumsorientiert ist.»

Es obliegt nun dem Amt für Baubewilligung zu prüfen, ob die Umnutzung rechtens ist, etwas, das vor der Ausschreibung nicht gemacht wird. «Die Erdgeschossnutzung ist in der BZO festgelegt. Ob eine Hortbetreuung als publikumsorientiert gilt, wird durch die Baubehörde, die Bausektion des Stadtrats, entschieden und entsprechend begründet», so die Mediensprecherin des Hochbaudepartements. Auf diese Begründung darf man gespannt sein.

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