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Vereine

Die Vereine sind noch da!

4. Februar 2021 von

Die digitale Kommunikation hat auch Vorteile: Man kann allen Anwesenden ins Gesicht schauen.
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Die digitale Kommunikation hat auch Vorteile: Man kann allen Anwesenden ins Gesicht schauen.

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Online seit
4. Februar 2021

Printausgabe vom
25. Februar 2021
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Als im Januar 2020 der Austausch der Vereine stattfand, ahnte niemand, was auf sie zukommen würde. Beim diesjährigen Treffen – via Zoom – erzählten die Vertreter*innen, wie es ihnen seither ergangen ist. Auffallend ist, wie viel Positives sie aus dieser Zeit mitnehmen.

25 Vertreter*innen der Höngger Vereine hatten sich am Dienstagabend zum Austausch der Vereine, früher Koordinationssitzung genannt, via Zoom eingeloggt. Eingeladen waren auch Institutionen wie die Alterszentren, die ETH, die Kirchen, die Zunft, das Gemeinschaftszentrum sowie Interessensgemeinschaften und politische Parteien. Das jährlich stattfindende Treffen wird vom Quartierverein Höngg (QVH) organisiert und musste für einmal selbstredend ohne anschliessenden Apéro auskommen. Dennoch war der Austausch intensiv, denn QVH Präsident Alexander Jäger liess jede Person einzeln einen kurzen Rückblick auf das vergangene Jahr aus Sicht des jeweiligen Vereins geben. So kamen auch jene zur Sprache, die sich sonst mit Wortmeldungen eher zurückhalten. Die Kommunikation via Zoom hat zudem den Vorteil, dass man allen Anwesenden ins Gesicht blicken kann und niemand, wie an Sitzungen vor Ort, hinter einem breiten Rücken oder einer Säule verschwindet.

Wichtige soziale und gesellschaftliche Funktion

Dass Höngg im Vergleich zu anderen Quartieren ein vielfältiges und grosses Vereinsleben pflegt, ist bekannt. Doch selten wurde so sichtbar, wie viel die freiwillig Engagierten zu einem lebendigen Höngg beitragen. Ohne sie wäre es in Höngg immer so ruhig wie in den vergangenen Monaten. Positive Auswirkungen hat das ehrenamtliche Engagement jedoch nicht nur im Quartier, sondern auch auf das Privatleben: Wer Mitglied in einem Verein ist, läuft weniger Gefahr zu vereinsamen. Denn obwohl keine Anlässe stattfinden konnten, pflegten die Vereinsleute, wenn auch eingeschränkt und virtuell, weiterhin den Kontakt untereinander.

Herausfordernde Zeiten

Am stärksten von den Massnahmen betroffen waren und sind die Sport-, Musik- und Theatervereine, für die es auch schwieriger ist, virtuelle Alternativen zu finden. Die Chöre und Musikvereine durften nicht mehr auftreten, Proben waren über weite Strecken nicht mehr oder nur in kleinen Gruppen möglich. Manche Vereine hatten Glück und konnten wenigstens einen ihrer Anlässe vor dem Lockdown oder während den Lockerungen im Sommer durchführen. Die Unsicherheit war aber auch da spürbar, die Gäste kamen nicht so zahlreich wie in anderen Jahren. Nach der kurzen Erleichterung und einem kleinen Hoffnungsschimmer im Sommer zeichneten sich bereits im Herbst weitere Einschränkungen ab und seither sind alle wieder auf «stand-by». Die Wintermonate treffen insbesondere die Sportvereine hart. Üblicherweise können sie in der kalten Jahreszeit in den Schulsporthallen der hiesigen Schulhäuser trainieren, doch nun sind diese lediglich für Schülerinnen und Schüler geöffnet. Ohne Training ist jedoch selbst bei einer Öffnung im Frühling die Teilnahme an Wettkämpfen kaum möglich. Schwierig ist die Lage zudem für die politischen Parteien, denn ohne Standaktionen fehlt der direkte Kontakt zu der potenziellen Wählerschaft und es ist nicht einfach, sie über politische Themen zu informieren und für eine Teilnahme am demokratischen Prozess zu gewinnen. Auch die Kirchen stellt die Krise vor grosse Herausforderungen – just als ihre Gemeindemitglieder besonders auf sie angewiesen waren, mussten sie ihre Pforten schliessen. Besonders anspruchsvoll sei die Zeit vor Weihnachten gewesen, als die Pfarrpersonen sehr viele Beerdigungen durchführen mussten. Eine grosse Belastung für alle Beteiligten. Glücklicherweise konnten auch die Kirchen sehr schnell auf virtuelle Angebote wie Liveübertragung von Gottesdiensten umstellen.

Trotz allem viele positive Erfahrungen gemacht

Obwohl alle Anwesenden davon berichteten, wie sie teilweise mitten in der Planung alles abbrechen, wirtschaftliche Einbussen einstecken und eine grosse Flexibilität an den Tag legen mussten, überwogen dennoch die positiven Wortmeldungen. Es scheint, dass die Krise die Kreativität aller gefordert und gefördert hat – sei es im Umgang mit digitalen Kommunikationsmitteln – manche versuchten zum Beispiel über Zoom zu tanzen und zu singen – oder im Entdecken von neuen Formaten wie Videobeiträgen. Die ETH Hönggerberg musste aufgrund ihrer sehr restriktiven Massnahmen, die über die Weisungen des Bundes hinausgehen, alle Anlässe ins Internet verlegen. Sie stellte erfreut fest, wie schnell die Menschen sich adaptieren und die neuen Medien zu eigen machen konnten, um die Veranstaltungen dennoch besuchen zu können. Auch wenn der aktuelle Zustand nicht für immer andauern darf, so liegt darin eine Chance, Interessierte, die aus persönlichen Gründen zu Hause bleiben möchten, dennoch teilhaben zu lassen. Solche Erkenntnisse werden wohl alle Vereine mit in die Zukunft nehmen.

Sorge um die Jugend

Ganz sorgenfrei schauten die Anwesenden dennoch nicht in die Zukunft. Die Herausforderung bei einer Öffnung wird sein, ob sich die Bevölkerung überhaupt schon wieder an Anlässe mit vielen Menschen getraut. Grossen Handlungsbedarf sehen insbesondere die politischen Vertreter*innen und das GZ im Bereich Kinder und Jugend. Die Zahl der Anfragen bei der Jugendarbeit hätten stark zugenommen. Die Jugendlichen scheinen besonders unter den Einschränkungen zu leiden und suchen in der Folge nach einem Ventil – so habe der Vandalismus am Hönggerberg merklich zugenommen. Es brauche dringend Ausnahmeregelungen für diese Altersgruppe, damit sich die belastende Situation nicht noch verschärft. Das GZ ist zusammen mit der Quartierwache, den Schulen und Siedlungen daran, Lösungen zu entwickeln, wie der öffentliche Raum von den Jugendlichen genutzt werden kann. Dort besteht Handlungsbedarf, der «Höngger» wird das Thema in den kommenden Wochen ebenfalls aufnehmen.

Noch etwas Geduld

Nach zwei Stunden intensiven Austauschs verabschiedete man sich herzlich und wünschte sich gegenseitig viel Durchhaltevermögen. Erste Anlässe sind in den Köpfen der Veranstalter*innen bereits in Planung, noch ist aber alles in der Schwebe. Nur so viel ist sicher: Sobald eine Veranstaltung definitiv ist, wird der «Höngger» darüber berichten.

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