Die Standschützen Höngg haben eine neue Präsidentin

Erstmals in der Geschichte der Standschützen Höngg steht eine Frau an der Spitze: Violaine Stehli will den Verein in die Zukunft führen, ohne dabei die Tradition aus den Augen zu ver­lieren.

Stabübergabe auf dem Hönggerberg: Violaine Stehli und Martin Schnidrig von den Standschützen Höngg. (Foto: dad)

Sie haben eine lange Geschichte: Die Standschützen Höngg wurden 1933 gegründet, ein Jahr vor der Eingemeindung. Der Verein entstand aus dem Zusammenschluss der Feldschützen Höngg (gegründet 1864) und der Militärschützen Höngg (gegründet 1876). Er besteht bis heute, zählt aktuell rund 90 Mitglieder und trainiert jeweils am Dienstag- und Mittwochabend im Schützenhaus Höngg.

Dem Ort sind die Standschützen sehr verbunden, wie der ehemalige Präsident Martin Schnidrig beim Treffen mit dem «Höngger» erzählt. «Die Feld- und Militärschützen gründeten zusammen mit dem Schiessverein Höngg im Jahr 1930 die Schiessplatz-Genossenschaft Höngg, die den Platz bis heute betreibt», sagt er.

Schnidrig ist seit 1979 Mitglied bei den Standschützen und war auch als Schützenmeister aktiv. 1992 wurde er Vizepräsident, schliesslich übernahm er 2022 das Präsidium. Doch ihm war klar, dass er dieses Amt in absehbarer Zeit an eine jüngere Nachfolge übergeben will. «Wir hatten jedoch Schwierigkeiten, Personen zu finden, die den Verein führen wollen», erzählt er.

Eine Begegnung mit Folgen

Schnidrig dachte auch schon an Übergangslösungen, bis er an einem Anlass auf jemanden traf, der sich für dieses Amt anbot: Violaine Stehli. Beim besagten Anlass handelte es sich um das letztjährige Vernetzungstreffen vom Quartierverein Höngg (QVH).

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Dieses hat Tradition und wird stets gut besucht. Zudem bietet es mit dem «Speed-Dating» einen unkomplizierten Weg, neue Gesichter kennenzulernen. Stehli – auch Vorstandsmitglied im QVH und neu verantwortlich für «De schnällscht Zürihegel» – sass dabei Präsident Schnidrig gegenüber.

«Wir haben uns ausgetauscht und er erzählte mir, dass sie auf der Suche nach einem neuen Präsidenten seien. Kurz darauf las ich im Höngger einen Artikel und dachte, die Standschützen seien fündig geworden, doch ich habe das mit dem Amt bei der Schiessplatzgenossenschaft verwechselt», erinnert sich Stehli.

In der Tat übergab Roland Spitzbarth sein Amt als deren Präsident im Sommer 2025 an Dominik Seeli. «Also kamen Martin und ich nochmals ins Gespräch, denn das Amt hat mich sehr interessiert», so Stehli, die eine besondere Verbindung zum Schiesssport hat, wie sie dem «Höngger» erzählt.

«Ich war 14 Jahre alt, lebte in Oberlunkhofen und war in einem Jugendtreff, als ein junger Mann vor mir stand und mit einer Waffe auf mich zielte. Ich war wie erstarrt», sagt sie. Der Mann konnte an weiteren Taten gehindert werden, doch diese Schockstarre prägte Stehli.

«Ich wollte mich davon nicht einschüchtern lassen, sondern die Situation beherrschen, den Schiesssport als Sport verstanden wissen, nicht als Einschüchterung.» Also wandte sie sich an den Jungschützenverein im benachbarten Jonen, um das Erlebnis zu verarbeiten. «Mit 15 Jahren bin ich dort beigetreten und habe diesen Sport sehr schätzen gelernt.» Es benötige viel Körperbeherrschung und Konzentration, so Stehli. «Disziplin, Ruhe und Präzision gehören ebenfalls dazu.»

Aufgrund ihrer Lehre und des Berufslebens – Stehli arbeitete im Dienstleistungssektor, absolvierte als Zweitausbildung die Handelsschule mit anschliessendem KV und ist heute HR-Generalistin – gab sie den Schiesssport nach einigen Jahren wieder auf. Doch ganz los liess er sie nie.

Zwischen Tradition und Aufbruch

Für Stehli war klar: Wenn sie Präsidentin der Standschützen Höngg werden sollte, wolle sie dem Amt gerecht werden. Schnidrig berief eine ausserordentliche Vorstandssitzung ein. «Ich fand es gut, dass wir mit Violaine eine junge Person gefunden haben. Wir führten an dieser Sitzung ein sehr positives Gespräch», erinnert sich Schnidrig. Zu diesem Zeitpunkt gab es zwar einen weiteren Mitbewerber, jedoch nur, falls sich niemand anderes finden würde.

Am 4. März 2026 fand die Generalversammlung statt. Und möglicherweise einzigartig in der Geschichte des Vereins wurde ein neues Mitglied zugleich auch zur Präsidentin gewählt. Stehli ist weiter die erste Frau an der Spitze der Standschützen Höngg – gewissermassen aus dem Stand. «Ich wurde einstimmig gewählt, das ist sehr schön», sagt sie. Sie fühle sich gut aufgenommen und wisse, dass sie erfahrene Vereinsmitglieder an ihrer Seite habe, an die sie sich jederzeit wenden könne.

Fit für die Zukunft

Nun stehen für die neue Präsidentin erste Aufgaben an. Ganz vorne: Sie will wieder fit im Schiessen werden. «Ich werde nun von unseren Schützenmeistern trainiert.» Gemeinsam mit ihrem Mann wird sie auch Vereinskurse auf dem Hönggerberg besuchen, etwa das gut besuchte Pistolenschiessen.

Gleichzeitig will sie die Standschützen Höngg in die Zukunft führen – insbesondere im digitalen Bereich. So möchte Stehli die Website erneuern und die Präsenz in den sozialen Medien ausbauen. Ziel sei es, die Vorteile des Schiesssports sichtbarer zu machen und neue Mitglieder zu gewinnen. «Die öffentliche Wahrnehmung der Standschützen Höngg soll wachsen», sagt sie.

Fotos, Videos und weitere Informationen sollen Interessierten einen einfachen Zugang ermöglichen. Stehli, die nebenberuflich auch als Filmemacherin tätig war, bringt also Erfahrung mit. «Vom Drehbuch bis zur Auswertung haben wir damals alles selbst gemacht, das Wissen ist vorhanden.» Und die Möglichkeiten heutzutage seien noch vielfältiger geworden.

Die Gemeinschaft innerhalb der Standschützen Höngg bleibt dabei zentral. «Martin hat immer betont, wie wichtig unsere Gemeinschaft ist, dass es nicht nur um das Schiessen allein geht, sondern auch um Zusammenhalt und Kameradschaft.» Das wolle sie weiterführen, verspricht Stehli.

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