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Die Kunst der Verdrängung

25. Februar 2020 von

Béla Brenn, Praktikant beim "Höngger"
Foto: Bernhard Gravenkamp

Béla Brenn, Praktikant beim "Höngger"

Von

Online seit
25. Februar 2020

Printausgabe vom
27. Februar 2020
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Die menschliche Fähigkeit der Verdrängung ist beeindruckend. Noch selten zuvor stand die Menschheit vor solch grossen, scheinbar unlösbaren und sich gegenseitig verstärkenden Problemen wie heute. Schritt für Schritt zerstören wir mit unserem Verhalten unsere Lebensgrundlage. Alle Warnsignale blinken rot. Doch nichts ändert sich.

Unser Leben geht Tag für Tag den gewohnten Gang. Und alle sind damit beschäftigt, etwas Sinnvolles aus ihrem Dasein zu machen. Umwelt- und Klimaschutz gehört in der Regel nicht dazu. Doch ist das verwerflich? Auch ich fliege hin und wieder in die Ferien, versuche aber, wenn möglich den Zug zu benutzen. Kann man von jedem erwarten, nie mehr in ein Auto oder Flugzeug einzusteigen, die komplette Ernährung umzustellen und vollkommen CO2-neutral und «unschuldig» zu leben? Wohl kaum. Oder härter ausgedrückt: Es ist eine Utopie. Solange nicht Verbote und gesetzliche Massnahmen das «richtige» Verhalten erzwingen und unseren Lebensstandard einschränken, wird alles so bleiben wie es ist. Bis der Tag kommt, an dem es nicht mehr weitergeht.
Die Widersprüchlichkeit und Irrationalität unseres Handelns sind allgegenwärtig. Jede*r weiss, wie kritisch die Lage ist. Die Klimajugend ist engagiert und geht auf die Strasse. Das Bewusstsein für die Probleme scheint zumindest hier geschärft. Das mag ein gutes Zeichen sein. Und doch braucht es mehr.
Doch was braucht es mehr? Wie nicht in Resignation verfallen, bei all den Warnungen und Hiobsbotschaften, die jeden Tag in den Medien und übers Netz verbreitet werden? Wo soll man beginnen? Was kann ich als einzelne Person überhaupt machen?
Die beruhigende Antwort liegt vielleicht darin, dass kein einzelner Mensch die globalen Probleme lösen kann und muss. Ein bisschen weniger verdrängen reicht vielleicht schon. Ein bisschen bewusster leben. Im Rahmen unserer winzigen, begrenzten Möglichkeiten unseren Teil dazu beitragen und so vorbildlich wie möglich zu leben. Unsere «winzigen, begrenzten Möglichkeiten» schreibe ich, weil es nicht der einzelne Bürger ist, der den Unterschied herbeiführen kann. Meiner Meinung nach liegt die Verantwortung ganz klar in den Händen von grossen Konzernen, welche das Konsumverhalten kontrollieren, und der Politik, die dieses Verhalten regulieren und beschränken könnte. Schlussendlich bleibt zu hoffen, dass meine eigene Generation und alle kommenden Generationen nicht mehr verdrängen, sondern nach und nach zu handeln beginnen, bevor es definitiv zu spät ist.

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25. Februar 2020

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27. Februar 2020
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