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Leitartikel

Die beste «Beiz» von Bethlehem

16. Dezember 2014 von

Foto: zvg

Die Erleichterung und Freude über das gelungene Theaterstück ist den jungen Schauspielenden anzusehen.

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Die Erleichterung und Freude über das gelungene Theaterstück ist den jungen Schauspielenden anzusehen.

Von

Online seit
16. Dezember 2014

Printausgabe vom
18. Dezember 2014
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Die Weihnachtsgeschichte rund um eine Imbissbude in Bethlehem war das Thema der diesjährigen Mitsingwienacht der Reformierten Kirchgemeinde am vergangenen Sonntag. Der Publikumsandrang war dabei ebenso gross wie die Freude über das Dargebotene.

«So voll war es hier noch nie», begrüsste Pfarrer Markus Fässler angenehm überrascht die zahlreichen Gäste im reformierten Kirchgemeindehaus in seinen Eingangsworten zur Mitsing-Wienacht. Das wollte etwas heissen, denn auch in den vergangenen Jahren hatte sich der beliebte Anlass nicht über mangelnde Zuschauerzahlen beklagen können. Dieses Mal war der Andrang jedoch noch grösser als sonst, so dass der Sigrist der Kirchgemeinde vor Beginn der Feier kurz entschlossen noch zusätzliche Stühle hatte beschaffen müssen, um allen Besucherinnen und Besuchern eine Sitzgelegenheit bieten zu können. Bis um 17 Uhr, als der Kinderchor angeführt von den Sternenträgern den Saal betrat, hatte sich die ganze Hektik gelegt und  die grossen und kleinen Gäste harrten gleichermassen andächtig der Dinge, die sie nun erwarteten.

Adaption eines Stücks von Andrew Bond

Den Anfang machte der grosse Kinderchor, der sich aus den Kindern von Kiki, Unti 2 + 3, Treff 4, Club 5 und der 6. Klassen zusammensetzte. Begleitet von der eigens für diesen Abend zusammengestellten Band, die aus Kindern und Erwachsenen bestand, stimmte er zum Einstieg den Ohrwurm «S gröschtä Gschänk vo de Wienacht» an –, begeistert unterstützt von vielen grossen und kleinen Zuhörern im Publikum, die dank dem eingeblendeten Text bis zur letzten Strophe mit dem Chor mithalten konnten.
Nach den begrüssenden Worten von Markus Fässler hiess es dann endlich «Bühne frei» für das Theaterstück der Kinder der sechsten Klassen. Sie hatten dieses Jahr das Stück «Beni Ben Baitz» von Andrew Bond adaptiert und in Szene gesetzt. Das Stück handelt von Beni und seiner Tochter Hannah, die gemeinsam ein Restaurant in Bethlehem führen. Beni ist ein fleissiger Mann, immer auf der Suche nach Kundschaft und stets «tipptopp parat» für seine Gäste. Und weil das nicht so einfach ist und er beständig in Sorge ist, seine grosse Familie nicht mehr ernähren zu können, ist er ziemlich fixiert auf seinen Job und mögliche Einkünfte und erkennt manchmal gar nicht, was sonst noch so um ihn herum vorgeht. So will er auch nicht wahrhaben, dass ganz in seiner Nähe ein «besonderes Kind» geboren worden ist und wundert sich über all die Leute, die nun auf der Suche nach dem Neugeborenen sind.

Nichts konsumiert und nichts bezahlt

Soldaten, Hirten und Könige gehen beständig bei Beni Ben Baitz ein und aus – leider meistens, ohne irgendetwas zu konsumieren oder zu bezahlen – und suchen das Kind. Zum Glück ist seine Tochter etwas wacher als er und macht sich auf die Suche nach diesem besonderen Kind. Und auch Beni besucht zu guter Letzt doch noch den Stall in Bethlehem – allerdings nicht ohne einen Picknickkorb mit Essen für alle Anwesenden einzupacken. Angesichts des Wunders vergisst er zu seinem eigenen Erstaunen dann jedoch sein Profitdenken und lädt alle gar noch zum Essen in seine Imbissbude ein.

Eine rundum gelungene Inszenierung

Die von Markus Fässler, Peter Aregger, Rahel Aschwanden und den Katechetinnen gemeinsam mit den Kindern erarbeitete Inszenierung kam beim Publikum sehr gut an. Die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler meisterten ihre teilweise recht anspruchsvolle Aufgabe mit Bravour und vermochten die Gäste blendend zu unterhalten. Sie erzählten diese nicht ganz alltägliche Weihnachtsgeschichte, die das Geschehen rund um den Stall in Bethlehem mal aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet, mit viel Witz und Charme. Doch nicht nur auf der Bühne, auch neben und hinter der Bühne arbeiteten Kinder und Erwachsene gemeinsam und überzeugten durch ihren professionellen Einsatz. So waren sowohl bei der Kostümgestaltung als auch bei der Beleuchtung Kinder und Jugendliche beteiligt.
Auch das Bühnenbild, das aus orientalischen Ständen und der Beiz von Beni bestand und jeweils durch Projektion von Sternen oder Wolken in Tag oder Nacht verwandelt werden konnte, war in gemeinsamer Arbeit entwickelt worden und bot einen stilvollen Rahmen für die Inszenierung.

Kinderchor kam zwischen Szenen zum Einsatz

Abgerundet wurde das rundum gelungene Gesamtkunstwerk letztlich natürlich durch die Musik. Der Kinderchor, bei dem von den Kinderngärtnern bis zu den Sechstklässlern alle Altersstufen bunt gemischt waren, kam jeweils zwischen den Szenen zum Einsatz und gab mit grosser Freude die Lieder von Beni zum Besten, immer unterstützt von der musikalisch einwandfrei aufspielenden Band.

Guetzli und Punsch wie bei Beni Ben Baitz

Mit einem herzlichen Dankeschön an all die zahlreichen Helferinnen und Helfer beschloss Pfarrer Martin Günthardt den Abend und richtete zum Abschluss die Aufmerksamkeit der Zuschauerinnen und Zuschauer auf die Kollekte, die dieses Jahr an Organisationen geht, die sich für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen. Mit einem Gebet entliess er schliesslich das Publikum in die dunkle Winternacht, allerdings nicht ohne alle noch zu einem Guetzli und einem Punsch im Foyer einzuladen – gratis natürlich, ganz im Stil vom geläuterten Beni Ben Baitz.

Martin Zahnd hat die ganze Mitsingweihnacht gefilmt. Hier kann sie auf Youtube angeschaut werden.

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