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Die Armbrust ist ein Sportgerät und keine Waffe

24. September 2019 von

Der Vize-Weltmeister Marco Vetsch instruiert einen neugierigen Jungen, der mit seinem Vater (rechts) gekommen ist.
Foto: Dean Geisseler

Der Vize-Weltmeister Marco Vetsch instruiert einen neugierigen Jungen, der mit seinem Vater (rechts) gekommen ist.

Foto: zcg

Ein ehrgeiziger Besucher zielt mit voller Konzentration Richtung Zielscheibe.

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Online seit
24. September 2019

Printausgabe vom
26. September 2019
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Mitte September findet jeweils das Volksschiessen auf dem Hönggerberg statt. Von weit herkommend trafen vom 12. bis 14. September Jung und Alt im Armbrustschützenstand Höngg ein, um ihre Fähigkeiten zu testen.

Der Armbrustverein Höngg lädt jedes Jahr Interessierte – gerade auch unerfahrene Schütz*innen – ein, mithilfe eines Betreuers das «ruhige Schiessen» auszuprobieren. Gefragt ist hier nur die Freude am Sport und keinerlei Vorwissen. Bruno Winzeler, selber Armbrustschütze und international renommierter Höngger Armbrustbauer, gehört zu den langjährigen «Coaches», die den Grünschnäbeln den Umgang mit der Armbrust beibringt. Und er weiss nebenbei viel über das Sportgerät zu erzählen.
Der Legende nach werde das Armbrustschiessen hierzulande gerne Wilhelm Tell zugeordnet, was jedoch nicht wahr sei, sagt Winzeler, denn die ersten Armbrüste wurden unabhängig von einander in Griechenland im 5. Jahrhundert und in China im 3. Jahrhundert, beides vor Christus, entwickelt. «Die Armbrust ist die Weiterentwicklung des Pfeilbogens und wurde vor allem für die Jagd verwendet und später natürlich im Krieg», erzählt Winzeler. Im Jahr 1139 verbot Papst Innozenz II. den Einsatz der Armbrust gegen Christen, weil keine damalige Rüstung den Bolzen standhielt – allerdings sei, kaum verwunderlich, das Verbot auf den Schlachtfeldern schwerlich beachtet worden. Deshalb entwickelte man parallel zur Weiterentwicklung der Armbrust auch laufend bessere Rüstungen.

Die Kunst des Sportes

Armbrustschiessen verbinden Laien fast automatisch mit Pfeilen, doch korrekt ausgedrückt wird mit zylinderförmigen Bolzen mit einem Durchmesser von sechs Millimetern geschossen. Den gleichen Abstand weisen die Ringe auf dem Scheibenbild aus, was die Bewertung der Treffer vereinfacht. «Eine komplette Armbrust, gepresst aus Buchenschichtholz, einem Bogen aus Kohlenfasern, mit elektrischem Abzug und beleuchteter Wasserwaage kostet bis zu 6000 Franken», sagt Winzeler. Das Schiessen selbst erfordert eine ausserordentliche Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer, denn das Sportgerät ist gute acht Kilogramm schwer. Was denn das wettkampfmässige Armbrustschiessen von anderen Sportarten unterscheide? «Der nicht vorhandene Gegner», bringt es Winzeler auf den Punkt: Man kämpfe sozusagen gegen sich selbst, um sein Potenzial auch unter Nervosität und Zeitdruck trotzdem auszuschöpfen. Autogenes Training, mentale Stärke und das Erkennen der eigenen Schwächen gehören zu den Voraussetzungen, um erfolgreich an Wettkämpfen teilzunehmen. «Es ist das explizite Gegenteil des Trainings! Man sieht unmittelbar, wer den Wettkämpfen gewachsen ist und wer nicht». Ein Profi könne seine erfolgreichen Schüsse im Nachhinein nicht erklären. Es hänge alles mit dem Gefühl und der Spannung im Körper zusammen. Wie in Trance müsse sich der Schütze von der Realität abschotten und nur Augen für das Ziel haben, nichts kann ihn aus der Fassung bringen. «Genau darin steckt die Kunst des Sportes», fügt Winzeler stolz hinzu. Hinter dem Sport verbirgt sich definitiv viel mehr als nur das Schiessen. Schade sei nur, sinniert Winzeler, während er den Bogen erneut spannt, dass viele Eltern und Lehrpersonen dies nicht verstünden und die Armbrust nicht als Sportgerät, sondern als Waffe sähen. 

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