Der Fuchs ist los im Rütihof!

In Höngg mehren sich die Fuchsbegegnungen – auch tagsüber. Offensichtlich haben einige der Wildtiere ihre natürliche Scheu vor den Menschen abgelegt. Wie sich das Verhalten erklären lässt und wie den Tieren im Quartier begegnet werden soll, erklärt Jonas Müller von der Wildhut der Stadt Zürich.

Dieser Fuchs hat es sich im Rütihof in einem Garten gemütlich gemacht. (Leserbild)

Sommerferienzeit, alles ist verreist. Das Quartier ist leerer – und ruhiger. Das scheint auch eine im Rütihof ansässige Fuchsfamilie bemerkt zu haben, eine Fähe mit mehreren Jungtieren. Diese konnte von mehreren Leuten in den vergangenen Wochen zunehmend auch tagsüber und mitten im Quartier beobachtet werden. Ohne Hast schlendern die Tiere durch die Siedlung, verweilen in Gärten und suchen nach Nahrung. In einem Fall folgte einer der Füchse sogar Hauskatzen durch die Klappe in eine Wohnung – und richteten einigen Schaden an, bevor er wieder herauskam.

Das Verhalten der Wildtiere wird immer dreister: Mittlerweile geht es bei der betroffenen Familie sogar schon so weit, dass sie ihre Terrassentüre nicht mehr unbeaufsichtigt offen lassen kann, weil der Fuchs sonst die Wohnung betritt. Der «Höngger» hat bei Jonas Müller von der Wildhut der Stadt Zürich nachgefragt, was es mit diesen ungewöhnlichen Begegnungen auf sich hat.

Herr Müller, in Höngg sind vermehrt Füchse am helllichten Tag zu beobachten. Liegt das daran, dass der Fuchsbestand in der Stadt gewachsen ist? Oder verlieren sie einfach die Scheu vor den Menschen?

Jonas Müller: Eine genaue Aussage zur Grösse des Fuchsbestands in der Stadt Zürich ist nicht möglich. Füchse lassen sich im städtischen Raum nur schwer vollständig erfassen, weshalb keine verlässlichen Bestandszahlen vorliegen. Eine generelle Zunahme des Fuchsbestands lässt sich so nicht feststellen. Fuchsbestände unterliegen natürlichen jährlichen Schwankungen. Ebenso kann nicht grundsätzlich davon gesprochen werden, dass Füchse zunehmend die Nähe des Menschen suchen. Lokal kann jedoch der Eindruck entstehen, dass Tiere weniger Scheu zeigen.

Was ist der Grund für diese Annäherung an den Menschen?

Dazu kann insbesondere das Füttern von Füchsen beitragen. Vom Füttern von Füchsen ist deshalb klar abzuraten; zudem ist es gesetzlich untersagt. Gleichzeitig finden Füchse im Siedlungsraum ein vielfältiges und oftmals leicht zugängliches Nahrungsangebot. Als anpassungsfähige Wildtiere nutzen sie solche Nahrungsquellen entsprechend. Hinzu kommt, dass viele Jungfüchse bereits im städtischen Raum geboren werden und die Anwesenheit von Menschen von klein auf kennen. Eine gewisse Gewöhnung an das urbane Umfeld ist daher grundsätzlich nicht ungewöhnlich.

Bald werden die Jungfüchse der oben erwähnten Fuchsfamilie erwachsen sein und nicht mehr mit ihrer Mutter durchs Quartier streifen. Was wird dann mit ihnen geschehen – bleiben sie im Rütihof oder suchen sie sich ein eigenes Revier?

Füchse leben grundsätzlich in Familienverbänden. Wenn die Jungtiere heranwachsen, verändert sich die Zusammensetzung dieser Verbände. Junge Rüden verlassen in der Regel im Herbst das elterliche Revier und suchen sich ein eigenes Gebiet. Junge Fähen können hingegen noch ein bis zwei Jahre länger im Familienverband beziehungsweise im angestammten Revier verbleiben. Wie weit die einzelnen Tiere dabei abwandern, kann unterschiedlich sein und hängt unter anderem von den örtlichen Gegebenheiten und verfügbaren Revieren ab.

Die Füchse im Rütihof machen wie erwähnt auch vor menschlichen Behausungen nicht Halt. In diesem Zusammenhang war auch die Rede davon, diese Tiere erlegen zu müssen. Was ist der Grund für diese Massnahme?

Wenn Füchse wiederholt in bewohnte Räume eindringen, deutet dies auf ein für Wildtiere problematisches und unerwünschtes Verhalten sowie auf eine stark verminderte Scheu gegenüber Menschen hin. In solchen Fällen kann es notwendig sein, die betreffenden Tiere gezielt aus dem Bestand zu entnehmen. Damit soll verhindert werden, dass sich dieses Verhalten weiter festigt oder innerhalb des Familienverbands weitergegeben wird. Gleichzeitig dient eine solche Massnahme dazu, mögliche Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren zu vermeiden und die Sicherheit im Siedlungsraum zu gewährleisten.

Anfüttern ist also nicht nur verboten, sondern sorgt für Konfliktpotenzial und gefährdet explizit auch das Leben des betroffenen Tieres. Wie soll man sich denn verhalten, wenn man einem Fuchs begegnet?

Bei einer Begegnung mit einem Fuchs empfiehlt es sich, ausreichend Abstand zu halten und sich dem Tier nicht aktiv anzunähern. Der Fuchs kann aus sicherer Distanz beobachtet werden. Wichtig ist, dem Wildtier genügend Raum zu lassen, damit es sich ungestört zurückziehen und seines Weges gehen kann. In der Regel besteht kein Grund, in eine solche Begegnung einzugreifen.

Können Füchse auch für Menschen gefährlich werden – Stichwort Übertragung von Krankheiten?

Grundsätzlich können Füchse Träger verschiedener Krankheiten sein, die unter bestimmten Umständen auch auf Menschen oder andere Tiere übertragen werden können. Das Übertragungsrisiko ist im normalen Alltag jedoch als gering einzuschätzen. Wer den nötigen Abstand zu Wildtieren einhält und den direkten Kontakt vermeidet, hat in der Regel keinen Anlass zur Sorge.

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