Quartierleben
Das «Hölzli» wird 60: Eine Badi für Höngg und Oberengstringen
Sie ist ein wichtiger Bestandteil des hiesigen Sommerlebens: die Badi Zwischen den Hölzern. In diesem Jahr feiert sie einen runden Geburtstag. Ein Blick zurück auf die Entstehung einer Badeanstalt zwischen den Grenzen.
8. Mai 2026 — Dagmar Schräder
Was ist das Schönste an Zürich im Sommer? Das Wasser. Die Limmatstadt ist europaweit, gemessen an der Zahl der Einwohnerschaft, die Stadt mit der höchsten Dichte an Badis. Das behauptet zumindest die Autorin Tina Schmid in ihrem «Züribadibuch». Neben den frei zugänglichen Badestellen am See und an der Limmat sind es insgesamt 25 Bäder, die der Stadtbevölkerung zur Verfügung stehen: 7 Hallenbäder und 18 Sommerbäder.
Von Letzteren finden sich vier verschiedene Typen: die Kastenbäder, die Seebäder sowie die Fluss- und Freibäder. Eines dieser Freibäder ist die Badi Zwischen den Hölzern in Oberengstringen und an der Grenze zu Höngg. In diesem Frühjahr jährt sich deren Eröffnung zum 60. Mal.
Eine Kooperation über die Stadtgrenzen hinweg
Ihre Entstehung ist einer Kooperation zwischen der Stadt Zürich und der Gemeinde Oberengstringen zu verdanken: In den 1960er-Jahren, so schildert es die «Limmattaler Zeitung» in einem Artikel aus dem Jahr 2016, wuchs nämlich aufgrund zunehmender Bevölkerungszahlen sowohl im Stadtquartier Höngg als auch in Oberengstringen der Bedarf nach einer eigenen Badeanstalt.
Denn für die Oberengstringer Bevölkerung war die nächste Badi erst in Schlieren zu finden. Auch in Höngg musste man zur Abkühlung eine weite Reise unternehmen, wenn man sich nicht in die Limmat wagen wollte: entweder in Richtung Altstetten zur Badi Letzigraben oder nach Oerlikon ins Allenmoos.
Aus diesem Grund einigten sich die Stadt und die Gemeinde darauf, ein gemeinsames Projekt zu verfolgen. Damit war beiden gedient – denn, wie die «Limmattaler Zeitung» die Situation erklärt, «hatte Oberengstringen genügend Land, aber kein Geld. Die Stadt hatte das Geld, jedoch kein Land».
In der Folge überliess Oberengstringen das Land oberhalb des Frankentals der Stadt Zürich für 99 Jahre im Baurecht und übernahm die Erschliessungskosten in der Höhe von 620 000 Franken. Die Stadt ihrerseits war für den Bau des Schwimmbads zuständig, was mit rund 3 Millionen Franken zu Buche schlug. Für den Betrieb der Badi wiederum war bis zum Jahr 2005 die Gemeinde Oberengstringen zuständig, dann übernahm das Sportamt der Stadt Zürich.
Zur Eröffnung ein grosses Fest
Mit dem Bau der Badi, die Mitte Mai 1966 fertiggestellt wurde, wurde das renommierte Büro Stücheli Architekten beauftragt. Erstellt wurden drei Schwimmbecken: ein 50 Meter langes Schwimmer-, ein 25 Meter langes Nichtschwimmerbecken sowie ein kleineres Lernschwimmbecken. Ein Planschbecken und eine Sprungbucht mit einem Sprungturm ergänzten das Angebot. Am Sonntag, 22. Mai 1966, hatte die lokale Bevölkerung, wie «Der Höngger» in seiner damaligen Ausgabe berichtete, die Gelegenheit, ihre neue Badi erstmals zu besichtigen.
In Betrieb genommen wurde das «Hölzli» schliesslich einen Tag später mit einer feierlichen Zeremonie. Sowohl der Stadtpräsident Emil Landolt als auch sein designierter Nachfolger Sigmund Widmer, waren zugegen. Musik spielte, ein Kinderchor sang, Kanufahrer und Synchronschwimmerinnen traten auf. Und als Highlight, so berichtet die «Limmattaler Zeitung», habe Widmer trotz der kühlen Temperaturen sogar einen Sprung vom Dreimeterbrett gewagt.
Baden im Wald
Die Eintrittspreise waren damals äusserst moderat, zumindest aus heutiger Sicht. Wie «Der Höngger» schrieb, kostete der Einzeleintritt für Erwachsene 60 Rappen, Kinder kamen mit nur 20 Rappen davon – und mussten oft gar nichts bezahlen: Montag, Dienstag und Freitag ab 16 Uhr sowie Mittwoch und Donnerstag ab 14 Uhr war der Eintritt für sie frei.
Heute kommen die Badegäste zwar immer noch günstig, aber nicht mehr ganz so billig davon: Ein Erwachseneneintritt kostet acht Franken, Kinder bezahlen vier. Gratiseintritte gibt es nur noch für Kinder unter sechs Jahren.
Doch beliebt ist die Badi bei der Höngger und der Engstringer Bevölkerung nach wie vor. In den letzten Jahren verzeichnete sie jährlich jeweils mehr als 60 000 Eintritte – an Spitzentagen tummeln sich über 1000 Badegäste auf den Liegewiesen und in den Schwimmbecken. Das liegt sicherlich auch an ihrer besonderen Lage, die auch die NZZ im vergangenen Jahr zu würdigen wusste: «Das Spezielle an dieser unaufgeregten Badi ist, dass sie umgeben ist von Wald, mit Blick auf die ferne Stadt, und von einem hübschen Rebberg. Und sie ist so weitläufig, dass alle, ob jung oder alt, ohne Dichtestress aneinander vorbeikommen.»
Feierlichkeiten zum 60. Geburtstag des «Hölzlis» sind bis anhin allerdings keine geplant. Dafür stand das «Hölzli» aber im vergangenen Jahr bei den dreitägigen Festivitäten zum 1155-Jahr-Jubiläum der Gemeinde Oberengstringen ganz im Mittelpunkt des Geschehens.
Start Badesaison
9. Mai 2026
Täglich und bei jeder Witterung
von 9 bis 14 Uhr, bei schönem Wetter teilweise bis 21 Uhr





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