Höngger.ch

19°C15°C am 31. Juli 2021
Frank Frei

Das Geschenk mit der Post

5. Dezember 2018 von

Von

Online seit
5. Dezember 2018

Printausgabe vom
06. Dezember 2018
Beitrag bewerten

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading...

Mit der Schweizerischen Post hat man das Geschenk. Nicht nur an Weihnachten – und auch dann nicht sicher.
Wer mag sich erinnern, als Postbeamte noch die Zuverlässigkeit in Person waren? Ja, waren. Tempi passati, das «Zuver» kam ihnen längst – wahrscheinlich genetisch – abhanden. Übrig blieb die Lässigkeit. Eine Lässigkeit, deren spöttisches Lächeln leider gut zu den bereits horrenden Paketpreisen in der Schweiz und den bald ansteigenden Briefpostpreisen passt.
Nur drei von diversen persönlich erlebten Beispielen (ja, selbst Pseudonyme brauchen manchmal die Post): Neulich sandte ich meinem Patenkind einen Geburtstagsbrief. So einen mit bunten, zahlenbedruckten Papierchen drinnen, Sie wissen schon. Leider geschah mir der unverzeihliche, katastrophale Fehler, dass ich die Hausnummer falsch schrieb. Oh Gott: Eine 2 anstatt eine 3! Worauf der Brief – trotz gut ersichtlichem Absender – erst eine Woche später an mich zurückkam und mein Patenkind danach nicht mehr rechtzeitig erreichte. Gar nicht «lässig». Und wohlverstanden: Das Kind heisst weder Müller noch Meier zum Nachnamen, sondern Havelka. Und in der ganzen Strasse, sogar unter der ganzen Postleitzahl gibt es keine zweite Familie Havelka, das habe ich nachgeprüft. Dafür, und auch das habe ich mehrfach erlebt, landen an komplett andere Empfänger in total anderen Strassen wohnende Menschen in meinem Briefkasten. Da fragt man sich doch, ob der Pöstler vor lauter Lässigkeit nicht lesen kann.
Oder die Sache mit der Paketzustellung. Mehrfach ist es nun schon vorgekommen, dass ich eine Abholungseinladung im Briefkasten vorfand. Das ist ja nett, bloss: Hätte sich der Pöstler die unglaubliche Mühe gemacht und wäre mit dem 500 Gramm schweren Paket die zehn Treppenstufen bis zu meiner Haustüre hochgegangen, um zu klingeln, dann hätte er keine Abholungseinladung auszustellen brauchen, denn ich war garantiert zu Hause. Was ich dann am nächsten Tag nicht mehr war, weil ich am Postschalter für mein Paket anstand. Wie bitte? Eine Zweitzustellung verlangen? Nein danke, ich glaube kaum, dass der Pöstler im zweiten Anlauf die Treppe hochgekommen wäre. Mein Paket hätte sich bloss um zwei weitere Tage verspätet.
Das Weihnachtspaket an mein Patenkind habe ich letzte Woche abgesandt. Ich hoffe, es kommt nicht wieder zurück.

Mit korrekt frankierten Grüssen
Frank Frei

Von

Online seit
5. Dezember 2018

Printausgabe vom
06. Dezember 2018
Beitrag bewerten

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading...

Kommentare

Hinterlassen Sie einen Kommentar.


500