Dagmar unterwegs: Mit den Bäumen kuscheln

Um die aktuelle Hitzeperiode besser zu überstehen, entwickeln Mensch und Tier unterschiedliche Strategien. Eines der Tiere, das die Wärmeanpassung perfektioniert hat, ist der Koala. An einer Medienführung im Zoo Zürich erklärte Direktor Severin Dressen, wie er das schafft.

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Eigentlich geht es bei der Zooführung für die Medien, die an diesem ersten Tag der Sommerferien stattfindet, darum, zu zeigen, welche Strategien der Koala zur Bewältigung der grossen Hitze entwickelt hat. Dazu zählt unter anderem: Chillen. Bis zu 20 Stunden pro Tag, so erklärt der Zoodirektor Severin Dressen der versammelten Lokalpresse, schlafe oder ruhe so ein Koala in der heissen Jahreszeit, um Energie zu sparen. Aktivitäten verlagere er auf die Abendstunden, wenn es kühler sei. Und deswegen findet man den Koala tagsüber meistens nur schlafend in einer Astgabel vor.

Doch wie um diese Erwartungen Lügen zu strafen, zeigt sich Tarni, das Koalamännchen, heute von seiner ausserordentlich aktiven Seite. Vor den Kameras und Mikrofonen der Presse klettert er von Baum zu Baum, auf und ab, regt und streckt sich und läuft quer durch sein ganzes Gehege. Das gibt super Bildmaterial für die Medien. Der Zoodirektor zeigt sich denn auch hocherfreut von der Mobilität seines Beuteltiers: «Wir haben ihm vor der Führung eingetrichtert, dass er sich viel bewegen solle», scherzt er.

Ein Gourmet im Eukalyptuswald

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Tatsächlich aber sind es die frischen Eukalyptusblätter, welche die Tierpflegenden in die Bäume gehängt haben, die wohl die Aktivität von Tani provoziert haben. Es scheint ihm zu schmecken – genüsslich stopft er sich Blatt um Blatt in den Mund. Das sei allerdings keineswegs selbstverständlich, erklärt Dressen: «Koalas sind sehr wählerische Esser. Sie bevorzugen die frischen und jungen Spitzen der Blätter, älteres Grünzeug lassen sie einfach liegen», so Dressen. Auch die Sorte des Eukalyptus ist entscheidend: «Von allen über 100 Eukalyptussorten fressen die Koalas nur einige wenige – und auch da ändert sich ihr Geschmack regelmässig.»

Der Eukalyptus dient ihnen dabei nicht nur als Futter, mit der Nahrung decken die Beuteltiere in den trockenen Gebieten Australiens zugleich auch fast ihren kompletten Wasserbedarf: Die Eukalyptusblätter weisen einen Wasseranteil von 60 bis 80 Prozent auf, welches die Koalas während des Verdauungsvorgangs der Nahrung entziehen. Zusammen mit dem morgendlichen Tau, den die Koalas mit den Blättern aufnehmen, reicht ihnen das in der Regel aus, um ihren Flüssigkeitsbedarf zu stillen. Das sagt übrigens auch schon ihr Name aus: Der Begriff «Koala» stammt vom indigenen Volk «Darug» und bedeutet «trinkt nicht».

Gut haushalten mit Energie und Wasser

Kein Wunder, dass der Koala daher eine wasser- und energiesparende Lebensweise verfolgt. Dafür hätten die Tiere, so Dressen, neben dem bereits erwähnten «chillen» noch einige weitere ausgeklügelte Strategien entwickelt. Da sei zunächst der im Vergleich zu anderen Säugetieren niedrige Stoffwechsel, der dafür sorgt, dass sie nur wenig körpereigene Wärme produzieren. Zudem suchten sie innerhalb ihres Mikrohabitats der Eukalyptuswäldern stets diejenigen Stellen auf, die am kühlsten sind. Um sich besser an die Aussentemperatur anpassen zu können, hätten Koalas, so Dressen weiter, zudem die Fähigkeit, ihre Körpertemperatur der Umgebung anzupassen: Normalerweise weisen sie eine Körpertemperatur von rund 36 Grad auf.

Wenn heisse Tage bevorstehen, können sie diese aber nachts, wenn es kühler ist, auf bis zu 32 Grad absenken, um sie dann im Verlauf des Tages mit der Hitze auf bis zu 40 Grad aufzuheizen. Diese «adaptive Hypothermie» ist eine weitere Möglichkeit, Energie und Wasser zu sparen. 

Und last but not least haben die Tiere eine weitere effiziente Kühlmethode entwickelt: Sie umarmen ganz einfach die Bäume, auf denen sie sitzen. Eine kostengünstige und effiziente Strategie, die sich durchaus auch der eine oder die andere hitzegeplagte Person in Höngg zunutze machen könnte: Wer braucht schon Klimaanlagen und Badeanstalten? Ab in den Wald zum «tree hugging»!

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