Quartierleben
Dagmar schreibt: Wie geht es eigentlich Reto Schrank?
Unsere Redaktorin Dagmar Schräder schreibt über die grossen und kleinen Dinge des Lebens. Heute darüber, wie die sozialen Medien uns verbinden – auch wenn wir es gar nicht brauchen.
12. Juni 2026 — Dagmar Schräder
a, auch ich komme um Social Media nicht herum. Ich scrolle Reels auf Instagram, schaue mir Posts auf Facebook an oder vertue meine Zeit damit, WhatsApp-Statusmeldungen anzuschauen. Kuck ich mir gerne an. Ist doch ganz nett zu erfahren, wer gerade Party macht oder eine tolle Ausstellung besucht hat.
Das Lustige daran ist aber, dass sich unter meinen Handykontakten nicht etwa nur Leute befinden, die ich wirklich kenne, sondern auch solche, die ich nur einmal im Leben getroffen habe. Etwa, um einen Schrank auf Tutti zu ersteigern. Oder eine Ente abzuholen. Diese Leute bevölkern mein Telefonbuch unter Bezeichnungen wie «Reto Schrank», «Daniela Ente» oder «Erika Interview Baustelle».
Meistens hab ich überhaupt keine Ahnung mehr, wer diese Personen eigentlich sind. Ich bin nur zu faul, mein Telefonbuch auszumisten. Selbst in der virtuellen Welt ist Aufräumen nicht so mein Ding.
Das hat aber zur Folge, dass deren WhatsApp-Meldungen auch bei mir erscheinen. Und aus unerfindlichen Gründen schaue ich mir ihre Meldungen sogar an. Wenn also Reto Schrank Bilder seiner Familienferien in der Toskana postet, bin ich dabei. Wenn Daniela Ente einen runden Geburtstag feiert, freu ich mich mit ihr. Und Erika Interview Baustelle war gerade auf einer Velotour – stolze 50 Kilometer pro Tag ist sie geradelt!
Keine Ahnung, ob Reto, Daniela und Erika sich freuen, dass ich ihr Leben mitverfolge. Keine Ahnung auch, ob sie noch wissen, wer ich bin. Was ich aber weiss, ist, dass Reto und Co. ebenfalls meine Statusmeldungen anschauen. So kriegt Reto natürlich auch mit, dass die Enten, die ich von Daniela habe, gerade Küken haben. Dank Social Media sind wir alle irgendwie miteinander verbunden. Ist das nicht schön?





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