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Chancengerechtigkeit – Gymi oder doch Berufslehre?

24. Januar 2019 von

Nicole Barandun-Gross, Präsidentin Gewerbeverband der Stadt Zürich, GVZ
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Nicole Barandun-Gross, Präsidentin Gewerbeverband der Stadt Zürich, GVZ

Von

Online seit
24. Januar 2019

Printausgabe vom
07. Februar 2019
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Die Gymi-Quote im Kanton Zürich beträgt etwa 19 Prozent. Nicht hoch genug, wird immer wieder postuliert. Ein Blick auf unseren nördlichen Nachbarn zeigt schliesslich eine Abiturquote von 50 Prozent, Tendenz steigend. Fragt man, oder auch nicht, die Bildungsökonomen der OECD, empfehlen diese gar eine Quote von 70 Prozent.

Wer bei uns die Forderung nach einer Erhöhung der Gymi-Quote stellt, hat die jungen Leute, die eine Berufsmatur anstreben, nicht auf dem Radar. Sie lernen ihren Beruf von der Pike auf, sammeln Erfahrung in der Praxis und machen entweder berufsbegleitend oder im Anschluss an die Lehre die Berufsmatur. Diese steht der gymnasialen Matur in keiner Weise nach. Im Gegenteil: Berufsmaturanden verbinden auf ideale Weise praktisches und theoretisches Wissen. Etwas mehr als 15 Prozent machen derzeit eine Berufsmatur im Kanton Zürich. Erklärtes Ziel der Bildungsdirektion ist, diese Quote auf eine ähnlich hohe wie die gymnasiale Quote ansteigen zu lassen.

Das überzeugt mich. Die Forderung nach einer Erhöhung der Maturaquote wird in den Hintergrund treten. Wer genau hinschaut, erkennt schon heute: Jugendliche mit einer Lehre, Berufsmatur und einem Fachhochschulabschluss haben auf dem Arbeitsmarkt die besten Karten. Zeit also, die Berufsmatur in die Quote einzubeziehen. Vergessen wir nicht, dass das duale Berufsbildungssystem ein Erfolgsmodell darstellt. Und mit einer Maturaquote von 40 Prozent stehen wir auch im Vergleich mit unseren Nachbarländern gut da. Apropos: Bereits heute warnen Stimmen in Deutschland vor dem herrschenden «Akademisierungswahn».

Zurzeit wird wieder in vielen Familien für die Gymiaufnahmeprüfung gebüffelt. Ja, selten sind es die Kinder alleine, Eltern spornen an und zahlen für Vorbereitungskurse. Wer dann die Aufnahmeprüfung nur knapp schafft, kommt womöglich bereits in der Probezeit ans Limit. Warum nicht einfach auf die Fähigkeiten und Stärken unserer Kinder vertrauen? Nicht alle sind zum Theoretiker geboren. Das duale System taugt auch für Hochqualifizierte – Fachhochschulabschluss und hervorragende Berufsaussichten inklusive.

Nicole Barandun-Gross
Präsidentin Gewerbeverband der Stadt Zürich

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