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Böhmische Klänge aus der Neuen Welt

4. Februar 2020 von

Die Winterthurer Cellistin Julia Pfenninger glänzte in Dvořáks Cello-Konzert mit der Sinfonietta Höngg.
Foto: zvg

Die Winterthurer Cellistin Julia Pfenninger glänzte in Dvořáks Cello-Konzert mit der Sinfonietta Höngg.

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4. Februar 2020

Printausgabe vom
06. Februar 2020
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Das Winterkonzert der Sinfonietta Höngg bot eine höchst erfreuliche Mischung aus wohlbekannten und unbekannten Werken böhmischer Komponisten.

Für die wachsende Beliebt- und Bekanntheit der Konzerte der Sinfonietta Höngg spricht die Tatsache, dass die Darbietung am 26. Januar im Saal des Reformierten Kirchgemeindehauses ausverkauft war. Wer die Konzertreihe dieses Orchesters seit einer Weile verfolgt, weiss die intelligent zusammengestellten Programme, die neben Repertoirestücken stets auch Neues und Überraschendes bieten, sehr zu schätzen. Der Dirigent Emanuel Rütsche führte das Orchester in einem wohl dosierten Spannungsbogen sowohl chronologisch als auch dynamisch von der Klarheit der Klassik bis zur Klangfülle der Spätromantik.

Am Beginn des Programms stand eine Sinfonie in g-moll von Johann Baptist Vanhal, einem hochbegabten Zeitgenossen Joseph Haydns. Nur wenige Sinfonien wurden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Molltonarten komponiert, und daher verwundert es nicht, dass Vanhals dramatisches Stück besonders in den schnellen Ecksätzen an Haydns «Abschieds-Symphonie» oder Mozarts kleine g-moll-Sinfonie denken liess. Im Menuett gelang es Rütsche, den Orchesterklang auch in den Trios zusammenzuhalten, die sonst oft recht trocken geraten können.

Nach Vanhals Sinfonie folgte ein Sprung ins späte 19. Jahrhundert: Für das berühmte Largo aus der Neunten Symphonie von Antonín Dvořák füllte das Orchester nun in Grossbesetzung die ganze Bühne. Kräftige Wagner-Bläser und weiche Samt-Streicher setzten die stellenweise ungewöhnliche Harmonik des Stücks ruhig und unaufdringlich in Szene. Im zweiten Abschnitt des Satzes erschienen die Bläser über den gedämpften Streichern in neuer Frische, die Hörner stets perfekt intoniert. Der «Slawische Tanz» Op. 46, Nr. 1 war dann das heitere Intermezzo des Konzerts, in dem die Sinfonietta Höngg wirklich aus sich herausging. Die schwierigen Taktwechsel waren gut phrasiert, die einzelnen Stimmgruppen schön voneinander abgesetzt. Das Schluss-Accelerando liess keinen Spieler zurück.

Im zweiten Teil des Konzerts nach der Pause durfte die junge Winterthurer Cellistin Julia Pfenninger glänzen. Sie trug den hochvirtuosen Solopart in Dvořáks Cello-Konzert Op. 104 auswendig vor und überzeugte durch transparentes Spiel und kraftvolle Artikulation. Die Sinfonietta schöpfte dazu ihre ganze Klangfülle aus und man hätte sich nur gewünscht, dass ein noch grösserer Saal vorhanden gewesen wäre, um dies auch akustisch angemessen aufzufangen. In Julia Pfenningers Interpretation des ersten Satzes waren die kammermusikalisch angelegten Abschnitte besonders gut gelungen. Die Kantilene des Soloinstruments im Adagio spielte sie souverän und setzte erfreulicherweise auch nur sehr massvoll Vibrato ein. Im Finale konnte sich die Cellistin während ihrer raumfüllenden und intonationssicheren Solopassagen auf eine völlige Kohäsion des Orchesters stützen, wobei Rütsche auf eine ausgewogene Dynamik achtete, um keinen Part zu überschatten. Nach einem langen und wohlverdienten Schluss-Applaus spielte Julia Pfenninger als Zugabe die Gigue aus Bachs Dritter Suite für Solo-Cello und bewies auch hier wieder ihren ausgeprägten Sinn für Klanglichkeit und Präsenz.

Eingesandt von Nicola Florian Schneider.

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