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Medienkompetenz

Bildschirmmedien und die Schule

27. April 2020 von

Im neuen Lehrplan 21 nimmt die Medienbildung einen wichtigen Teil ein.
Foto: pixabay

Im neuen Lehrplan 21 nimmt die Medienbildung einen wichtigen Teil ein.

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Online seit
27. April 2020

Printausgabe vom
30. April 2020
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Durch die Allgegenwärtigkeit von Mobiltelefonen und anderen Bildschirmmedien werden Jugendliche vor eine grosse Herausforderung gestellt. Erwachsene, darunter Lehrpersonen und Eltern, können oft nur bedingt mitreden, da die Vielfalt der Bildschirmmedien ein neueres Phänomen ist.

Die schnelle Entwicklung der verschiedenen Medien, Plattformen und Apps sowie die Selbstverständlichkeit der Bildschirmmedien im Alltag, stellt die Schule vor einen schwierigen Balanceakt: Wie kann ein sorgfältiger Umgang mit Bildschirmmedien vermittelt werden, ohne allzu rigorose Verbote, aber dennoch mit einer gewissen gesunden Begrenzung der Nutzung?

Im Alltag der Schülerinnen und Schüler sind vor allem Mobiltelefone omnipräsent, sie dienen sowohl als Kommunikations- wie auch als Unterhaltungsmittel, können aber auch als schnelles Nachschlagewerk für schulische Belangen, mit gewissen Apps als Lernhilfe oder als Agenda für wichtige Termine verwendet werden. Unter diesem Blickwinkel ist die Schule bemüht, Medien nicht gänzlich aus dem Schulalltag zu verbannen, sondern konstruktiv einzubauen. Das ist auch ganz klar Auftrag der Schule, im neuen Lehrplan 21 nimmt die Medienbildung einen wichtigen Teil ein.

Hohes Ablenkungspotenzial

Einen verantwortungsbewussten Umgang, um zu lernen, ist aber eine grosse Herausforderung, da Bildschirmmedien eine grosse Anziehungskraft auf die Jugendlichen ausüben und neben den möglichen Hilfestellungen im Schulalltag auch eine grosse Ablenkung darstellen können. Es ist schwer, die Disziplin und Selbstregulation zu erbringen, um das Mobiltelefon nur dann zur Hand zu nehmen, wenn dafür Zeit zur Verfügung steht, und nicht dann, wenn die neueste Nachricht aufpoppt. Und neue Nachrichten kommen bei vielen Jugendlichen im Minuten-, wenn nicht sogar im Sekundentakt in die In-Box. Häufig sind die Nachrichten nur ein Wort oder eine Emoji, dennoch leuchtet der Bildschirm auf und sorgt für Ablenkung. In einer Gruppe von Jugendlichen, wie zum Beispiel in einer Schulklasse, potenziert sich so die Ablenkung natürlich, weshalb gewisse Regeln zum Handy-Gebrauch in der Schule unumgänglich sind. Eine externe Regulation wie klare Handyzeiten oder Verbote im Unterricht kann im optimalen Fall helfen, dass Jugendliche vermehrt Prozesse kennenlernen, um sich selbst zu regulieren. Viel wichtiger erscheint jedoch, den Gebrauch von Bildschirmmedien zu thematisieren, Vor- und Nachteile zu besprechen, Ablenkungspotenzial und mögliche Massnahmen zu diskutieren und Regeln auszuhandeln.

Nulltoleranz bei Cybermobbing

Natürlich spielt neben der Ablenkung auch noch die Thematik von Cybermobbing oder unangebrachten Fotos oder Videos in der Schule eine Rolle. Hier braucht die Schule eine klare Nulltoleranz-Haltung, jegliche Vorfälle müssen angegangen und intensiv bearbeitet werden. Bei klaren Gesetzesverstössen empfiehlt sich, eine Anzeige bei der Polizei zu machen. Gleichzeitig können Vorfälle im Bereich Cybermobbing auch als Lernanlässe gesehen werden und müssen mit den betroffenen Jugendlichen intensiv aufgearbeitet werden.

Das Spannungsfeld zum «richtigen» Umgang mit Mobiltelefonen und anderen Bildschirmmedien zeigt sich in der Schule immer wieder – gerade auch in der aktuellen Situation des Fernunterrichts aufgrund der Corona-Pandemie. Einerseits sind hier Bildschirmmedien unumgänglich und wichtige Arbeits- und Kommunikationsmittel, anderseits kann die Benutzung weder von Seiten der Eltern noch von Seiten der Schule wirklich kontrolliert werden. Es gilt deshalb umso mehr, dass der Mediengebrauch immer wieder zum Thema gemacht wird und daneben auch «echte», direkte Kontakte und bewusst medienfreie Zeiten gepflegt werden sollen.

Eingesandt von Thomas Flückiger, Co-Schulleiter Schule Lachenzelg

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