«Authentisch sein ist wichtig»

Sascha Buchegger, Personalvermittler aus Höngg, erläutert den akuten Fachkräftemangel. Zudem hat er Tipps für junge Stellensuchende.

Symbolbild: Freepik

Herr Buchegger, die Medien berichten häufig über den Fachkräftemangel. Wie beurteilen Sie die Situation?

Sascha Buchegger: Seit rund 25 Jahren bin ich in der Stellenvermittlung tätig und der Fachkräftemangel ist keine Überraschung. Ich sah diesen schon vor geraumer Zeit kommen, die Medien haben nur sehr spät reagiert, weil die Situation heute besorgniserregend ist. Denken Sie nur an die Pflege- und Handwerkerbranche.

Welche Ursachen hat der Fachkräftemangel?

Einen Grund sehe ich in der Zuwanderung, denn immer mehr Menschen benötigen auch immer mehr Dienstleistungen und haben Bedürfnisse. Weiter sind junge Menschen heute sehr wissbegierig, sie bilden sich fortlaufend weiter, was natürlich lobenswert ist. Aber die jungen Studierenden fehlen bei den Handwerker*innen.

Kann sich die Situation wieder ändern?

Ich bin optimistisch und denke, dass der Fachkräftemangel in Zukunft nachlassen wird. Der Arbeitsmarkt wandelt sich immer wieder, das haben wir in der Vergangenheit gelernt. Nur ein Beispiel: Ein Logistiker benötigte früher keine EDV-Kenntnisse, heute sind diese zwingend.

Dann liegt der Ball bei der jungen Generation, was gilt es zu beachten?  

Meine Erfahrung ist, dass in der Schule im Fach Berufswahl zu wenig Fokus auf handwerkliche Berufe oder die Pflege gelegt wird. Auch diese Branchen sind wichtig. Zudem ist es oftmals schwierig, sich in diesen jungen Jahren schon für einen Beruf zu entscheiden. Ich empfehle daher oft ein Weiterbildungsjahr bzw. das zehnte Schuljahr. In dieser Zeit entwickeln sich die jungen Leute enorm, sie bilden ihre Meinung und vertreten sie auch.

Und wie verschaffen sich junge Stellensuchende praktische Erfahrung?

Dafür sind Praktika ideal. Der Einblick in den beruflichen Alltag ist sehr wertvoll. Klar, es wird immer Arbeitgebende geben, welche die Praktikant*innen ausnutzen, aber davon sollte man sich nicht beirren lassen.

Wo werden vielversprechende Stellen ausgeschrieben?

Heutzutage nur noch auf digitalen Stellenportalen, viele Branchen haben zudem eigene Vermittlungsplattformen. Ebenso ist das Bewerben heute eine digitale Angelegenheit, es sei denn, es handelt sich beispielsweise um eine künstlerische Aufgabe, die ein physisches Dossier voraussetzt.

Was gilt es bei der Bewerbung generell zu beachten?

Neben den gängigen Richtlinien achte ich auf Authentizität. Oft wird nur geschrieben, was erwartet wird. Spätestens beim Interview wird deutlich, ob das Motivationsschreiben selbst verfasst wurde oder nicht. Auch soll man sich informieren, welche Erwartungen in eine Bewerbung gesetzt werden. Dazu gibt es hilfreiche Informationen im Internet. Und sehr wichtig ist ein gutes Porträtfoto, hier sollte man das Geld für ein professionelles Shooting in die Hand nehmen.

Zu guter Letzt: Wie wird das Thema Gehalt geschickt thematisiert?

Generell sind Stellensuchende gut darin beraten, die Lohnvorstellungen beim ersten Interview zu erwähnen. Das hat sich etabliert, denn es ist frustrierend, wenn nach zwei, drei gut funktionierenden Gesprächen die Lohnvorstellungen auseinandergehen und es schliesslich zu keinem Vertragsabschluss kommt.

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