Auszeit für die «13»

Am 15. Juli fährt für lange Zeit das letzte Tram in Höngg. Zeit für eine Würdigung. Der Schriftsteller und ehemalige ETH-Professor Gerd Folkers findet die richtigen Worte.

Ab dem 15. Juli muss Höngg auf den Tramanschluss verzichten. (Foto:dad)

Was werden wir den Enkeln erzählen? Dass es früher einmal eine direkte Tramlinie mit dem gelben «13er» über den Fluss zum «Escher-Wyss» gegeben hat? So weit wird es hoffentlich nicht kommen. Die Tramlinie 13 macht Pause. Sie nimmt eine Auszeit. Die Wagen werden immer grösser (und breiter), wie die Jungen halt, aber ihr Bett ist alt. Und das muss neu gemacht werden. Die Passagiere brauchen sich dafür zu Hause nur eine neue «blablabla» Matratze zu kaufen, wenn man der Werbung glauben darf. Die Trams haben es schwerer. Ihr Bett sitzt auf einem metertiefen Untergrund, durchzogen von Kanälen, Rohren und Kabelsträngen. Darüber das Gleisbett. Und das, wenn im Untergrund mal alles neu verlegt ist, ist ein kleines Kunstwerk. Höhere Gewichte und schnellere Antriebe kennzeichnen die neuen Züge. Wir reisen klimatisiert, leise und mit tiefen Einstiegen. Das erfordert neue Techniken und neue Materialien, auch für die Schienen und ihre Unterlage. Und Zeit. Wir müssen lange 13 Monate ohne «unser» Tram auskommen.  Wie ist das auszuhalten, wenn vor dem Schaufenster vom «Kapitel 10» der 13er nicht mehr vorsichtig die Enge zum Meierhofplatz ansteuert? Wenn im Frankental am Morgen und am frühen Abend nicht mehr zwei 13er eine kleine Zwiesprache zu halten scheinen? Am alten Tramdepot werden keine neuen Zugsgenerationen mehr vorbeifahren und das Schwert wird keine Umsteigestation mehr sein. In unseren Köpfen werden sich Anschlüsse und Linien neu sortieren müssen. Die ZVV-App wird es früh genug merken und uns zur Seite stehen. Die Heimat des 13er kann sie allerdings nicht ersetzen. Da fehlt ein Stück Höngg. Also los VBZ, ihr habt doch schon ganz andere Spässe gemacht: Wo bleiben die 13er Tuk-Tuks, die in Höngg kreisen und den Passagieren ein Lächeln ins Gesicht zaubern?
Die 13er-Tramzüge gehen in die Auszeit. Sie werden sich vermutlich nicht im Depot ausruhen können. Über die Enge vor dem Meierhofplatz reden und über die Freude auf die Rückkehr über die Limmat den Anstieg ins Weindorf zu unternehmen. Man wird sie neu nummerieren und in der Fremde einsetzen. Aber wir warten auf euch, Freunde, es sind nur noch 13 Monate.

Gerd Folkers ist Autor des Buches «Linie 13 – ein Skizzenbuch von Gerd Folkers».

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