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5. Dezember 2018 von

Foto: Patricia Senn

Nach 29 Jahren übergibt Ehepaar Föhr-Peyer ihr Familiengeschäft in die treuen Hände ihrer ehemaligen Lehrtochter Sabrina Steiger.

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Online seit
5. Dezember 2018

Printausgabe vom
06. Dezember 2018
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Seit 1951 gehört Foto Video Peyer zu Höngg. Nun nimmt das Ehepaar Föhr-Peyer Abschied und übergibt das Zepter ihrer ehemaligen Lehrtochter und Jungunternehmerin Sabrina Steiger.

Erst befand sich der Laden ein Stück weiter vorne, wo heute die Polizei ist. Labor und Atelier waren in anderen Gebäuden untergebracht. 1980 konnte die Familie Peyer alles an ihrem heutigen Standort unter ein Dach bringen. Schon der Grossvater von Edith Föhr-Peyer, die seit 1990 gemeinsam mit ihrem Mann Elmar Föhr den Foto-Video-Betrieb führt, hatte im Comestibles-Geschäft an der Habsburgerstrasse in Wipkingen erste Fotodienste angeboten. Der Vater hatte seine Affinität übernommen und sich zum eidgenössisch diplomierten Fotografen ausbilden lassen. Nach Arbeiten in Bern bei der Firma Zumstein, wagte er schliesslich 1951 den Schritt nach Höngg und in die Selbstständigkeit. Wenig später kam Edith Peyer zur Welt. Sie wuchs quasi im Laden ihrer Eltern auf und absolvierte dort schliesslich eine Lehre als Fotoverkäuferin, eignete sich aber neben dem Verkauf auch die Fotografie und die Laborarbeit an. «Eigentlich wollte ich Krankenschwester werden. Um die Zeit zu überbrücken, bis ich das Mindestalter für die Ausbildung erreicht hatte, ging ich in die zweijährige Lehre», erzählt sie in den Büroräumlichkeiten des Geschäfts. Sie blieb dann bei der Fotografie.

Seit das Ehepaar den Elternbetrieb übernommen hat, hat sich vieles verändert. Die Ausbildung dauert heute drei Jahre und weist die Spezialisierungen Fotografie, Verkauf und Finishing, also Laborarbeit, aus. Um selber Lernende ausbilden zu dürfen, drückten beide selber nochmals die Schulbank, wobei Elmar Föhr, damals 45 Jahre alt, seinen Abschluss bereits nach einem halben Jahr im Sack hatte, seine Erfahrung war der der jüngeren Auszubildenden weit voraus.

Ein Geschäft «wie anno dazumal»

41 Jahre verheiratet, 29 Jahre gemeinsam arbeiten – wie schafft man das? «Wir ergänzen uns gut», meint die temperamentvolle Frau. Sie sei für das Kreative zuständig, gehe an alle Anlässe, macht die Studiofotografie, coloriert, retouchiert, das ganze Programm, während Elmar sich um alles Technische und Administrative kümmere. Föhr ist ursprünglich Kleinapparatemonteur und ein begnadeter Mechaniker: «Er kann alles reparieren. Ausserdem hat er viel Geduld und bleibt schon mal bis Mitternacht im Geschäft, um ein Problem zu lösen». So haben sich die beiden in den Jahren gut eingespielt und auch die grossen technischen Entwicklungen mitgemacht. Mit der Digitalisierung hat sich die Fotografie komplett verändert. Die goldenen Zeiten des Negativfilms waren vorbei, plötzlich fotografierten die Leute mit Handys oder Digicams, bestellten Ausdrucke online, wenn überhaupt. «Photoshop hat viele Vorteile», meint Elmar Peyer-Föhr, «aber es führt dazu, dass die Leute sich weniger Zeit nehmen, um zu überlegen, was sie fotografieren, weil sie denken, dass man es im Nachhinein ja wegretouchieren kann. Und so besteht unser Handwerk heute zu 50 Prozent aus Arbeiten am Computer». Während vielerorts Fachgeschäfte schliessen müssen, hat sich Foto Peyer in Höngg bis heute gut behaupten können. «Wir sind ein Fotogeschäft wie anno dazumal: Wir versuchen alles möglich zu machen und unsere Kunden wirklich individuell zu betreuen. Dadurch, dass wir Allrounder sind, verfügen wir über ein breites Wissen». Aussergewöhnlich ist, dass so gut wie alles Inhouse produziert wird: «Die Kunden schätzen es zum Beispiel, dass die Filme zum Entwickeln nicht verschickt werden, sondern immer hier bei uns bleiben». Vom Poster auf Papier und Leinwand aufziehen, über Expressaufträge bis hin zu Rissprotokolle für das Stadtammannamt, bieten sie alles an.

Nun ist der Zeitpunkt gekommen, um aufzuhören. «Ich werde im Februar 64, mein Mann ist schon lange im Pensionsalter», sagt Edith. «Wir möchten das Leben im Alter noch geniessen». In Höngg sind sie stark verwurzelt, dennoch möchten sie im kommenden Jahr nach Thailand auswandern, vorläufig für ein Jahr, wenn es gut läuft, vielleicht für immer. «Und wenn einem von uns einmal die Decke auf den Kopf fällt, können wir jederzeit zurückkommen, das ist so arrangiert». Sicher ist jedenfalls schon jetzt, dass Edith Peyer-Föhr, leidenschaftliche Sopransaxofonistin in der Guggenmusik, die Fasnachtszeit jeweils in Zürich verbringen wird. Natürlich schwingt immer Respekt mit vor einer so grossen Entscheidung. Die Freude auf den neuen Lebensabschnitt mit einer ganz anderen Ausrichtung, überwiegt aber. Und die gute Nachricht: Foto Peyer wird Höngg auch ohne das Ehepaar Föhr weiterhin erhalten bleiben.

Junge Nachfolgerin mit grosser Erfahrung

Sabrina Steiger war die letzte Lehrtochter, die im Fotogeschäft Peyer zur Fachfrau Verkauf ausgebildet wurde. Zuvor hatte sie bereits eine Lehre als Malerin abgeschlossen. Die Föhrs seien strenge Lehrmeister gewesen, ein «ich kann das nicht» gab es nicht. Sie habe enorm davon profitiert, und speziell davon, dass sie Einblick in alle Fachbereiche erhielt. «Ohne ihren Drill, und gleichzeitig ihre familiäre Unterstützung, stünde ich heute wohl nicht hier und hätte den Mut, das Geschäft zu übernehmen», ist die junge Unternehmerin überzeugt. Nach ihrem Abschluss vor sieben Jahren ging sie erst zu FotoPro Ganz, wo sie Filialleiterin war, später wechselte sie in eine Werbeagentur. Dort sammelte sie viel Erfahrung in interner Planung, Kommunikation, Administration und in Betriebswirtschaft. So verfügt sie heute über den richtigen Rucksack, um ein Geschäft selbstständig zu führen. Da die Stadt das Ladenlokal nicht auf sie umschreiben konnte und zudem eine Renovation finanziell nicht tragbar gewesen wäre, hat sie sich für einen Umzug an die Limmattalstrasse 126, wo zuvor Bang&Olufsen eine Filiale betrieben hatte, entschlossen. Mitte Januar soll Eröffnung sein. «Mir liegt Foto Video Peyer sehr am Herzen», sagt Steiger, «ich will deshalb nichts grundlegend verändern, sondern eher dem Motto <aus Alt mach Neu> folgen, das mir selber sehr entspricht». Natürlich sei eine Modernisierung nötig und sie wolle dem Geschäft durchaus ihren persönlichen Touch verleihen. Ihr gefällt der Charme restaurierter oder antiker Möbel und alter Fotos, weshalb sie sicherlich mit der vorhandenen Infrastruktur arbeiten könne. Was die Qualität und Dienstleistungen angeht, will sie diese unbedingt weiterführen und auch den Allrounder-Gedanken weiterleben. «Fotografie und Film sind meine Leidenschaften. Es ist mir sehr wichtig, dass diese Branche nicht ausstirbt», meint sie, «vielleicht kann ich mit der Übernahme sogar andere junge Menschen dazu ermutigen, sich in diesem Gebiet selbstständig zu machen». Die pflichtbewusste Frau hat sich gründlich überlegt, ob sie diesen Schritt wagen soll und sich mit Familie und Freunden beraten. «Mittlerweile bin ich überzeugt davon, dass das die richtige Entscheidung ist. Ich freue mich auf die neue Erfahrung, alle Entscheidungen selber treffen zu können, mitzubestimmen», sagt sie. Klar, könne man nie wissen, was dabei rauskomme, aber das hätten andere vor ihr auch nicht gewusst, die dann richtig erfolgreich geworden seien. Und nicht genau zu wissen, was komme, das gefalle ihr persönlich sehr. «Wer nicht wagt, der nicht gewinnt», meint sie und lächelt. Und jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür. Föhrs ihrerseits scheinen zufrieden mit dieser Lösung. Sie vertrauen ihrem ehemaligen Schützling und wissen ihr Familiengeschäft in guten Händen. Und sollte einmal eine Maschine kaputtgehen, sei Elmar Föhr bestimmt in der Lage, Steiger via Smartphone von Thailand aus bei der Reparatur anzuleiten, meint Steiger lachend. Alles schon vorgekommen.

Foto Video Peyer Wieder-Eröffnung am 12. Januar 2019, 12 Uhr
Neue Adresse: Limmattalstrasse 126. Öffnungszeiten: Montag bis Samstag, durchgehend 9 bis 19 Uhr. Telefon 044 341 87 77

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6. Dezember 2018 um 23:44 Uhr von Hans Reding

Der Umzug ist bestimmt ein guter Entscheid. Hier habe ich mich immer wohl gefühlt und einfühlsame Kundengespräche erleben dürfen. Es ist Feng Shui – mässig ein guter Ort, auch als Arbeitsplatz. Und ein wichtiger Vorteil: es hat immer kostenlose Parkplätze vor dem Haus… Ich wünsche Ihnen viele inspirierende Ideen und entsprechenden Erfolg! Hans Reding, Gründer von BANG & OLUFSEN HÖNGG