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Energie und Klima

Alternative Mobilitätsformen denken

10. August 2021 von

Das Mobilitätsmodell der Stadt soll schnell, sicher, leistungsfähig, zuverlässig, pünktlich, sauber, freundlich und bequem sein.
Foto: VBZ

Das Mobilitätsmodell der Stadt soll schnell, sicher, leistungsfähig, zuverlässig, pünktlich, sauber, freundlich und bequem sein.

Mehr Fahrräder statt Autos: bis 2040 soll der motorisierte Individualverkehr um 15 Prozent sinken

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10. August 2021

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15. Juli 2021
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Der Verkehr verursacht in der Stadt rund 23 Prozent des CO2-Ausstosses. Die Stadt hat einige Ideen, wie sie diese Emissionen reduzieren will.

Die Bürgerlichen sagen es schon lange, nun ist es offiziell: Will die Stadt das Klimaziel Netto-Null erreichen, müssten die Fahrleistungen des motorisierten Individualverkehrs (MIV) bis 2040 auf dem ganzen Stadtgebiet um 15 Prozent abnehmen. So steht es in der entsprechenden Weisung des Stadtrates. Die Mobilität verursacht rund 23 Prozent des stadtweiten CO2-Ausstosses. Um diese Emissionen von heute 0,66 auf 0,16 Tonnen pro Person und Jahr zu senken, muss der Verkehr «gezielt reduziert, verlagert und rasch elektrifiziert werden», schreibt der Stadtrat. Erreicht werden soll dies durch eine Zunahme der Verkehrsleistung des öffentlichen Verkehrs um rund 40 Prozent, bei gleichzeitiger Elektrifizierung mit Erneuerbaren Energien. Auch der Velo- und Fussverkehrs soll massiv gesteigert werden, ein Wunsch, den auch die Stimmbevölkerung am letzten Urnengang vom 13. Juni eindeutig bestärkte. Daneben setzt der Stadtrat für das Erreichen des Zieles Netto-Null bis 2040 auf neue Mobilitätsangebote, die Fahrzeuge gemeinsam nutzen und Fahrten bündeln. So testet die Stadt seit vergangenem Herbst das «On Demand»-Angebot «Pikmi»: Zwischen Altstetten und Albisrieden können Kleinbusse jeden Abend von 20 bis 1 Uhr über ein Smartphone gebucht werden. Die Fahrtwünsche mit ähnlichen Reisezielen werden vom System automatisch gebündelt («pooling») und im gleichen Fahrzeug zusammengefasst. Das System berechnet laufend die beste Linienführung für einen effizienten Fahrzeugeinsatz, um mit möglichst wenig Fahrzeugen möglichst viele Personen an ihr Ziel zu bringen. Gemeinsam mit dem Tiefbauamt (TAZ) und der Dienstabteilung Verkehr (DAV) haben die Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich (VBZ) mehrere Pilotversuche lanciert, darunter die Mobilitätsplattform «ZüriMobil». Ausserdem setzen sie auf neue Technologien wie künstliche Intelligenz oder automatisiertes Fahren, die dazu beitragen sollen, dass der Verkehrsfluss verbessert wird.
Den grössten CO2-Ausstoss verursachen die Stadtzürcher*innen jedoch auch was die Mobilität betrifft ausserhalb der Stadtgrenzen. Diese indirekten Emissionen inklusive Flugverkehr machen 2,9 Tonnen CO2-eq pro Einwohner*in aus, also mehr als viermal so viel wie innerhalb der Stadt. Der Einfluss der Politik auf das Reiseverhalten der einzelnen Personen ist beschränkt. Mit der Sensibilisierungskampagne «Wir haben ein Klimaziel. Mehr Zürich – weniger CO2» möchte die Stadt die Menschen dazu animieren, im alltäglichen Leben ihren Beitrag für das gesetzte Klimaziel zu leisten. Zumindest die Stadtzürcher Bevölkerung, die das CO2-Gesetz mit 72 Prozent angenommen hat, sollte dafür bereit sein.
Innerhalb ihres Handlungsspielraums als Arbeitgeberin hat die Stadt bereits erste Massnahmen getroffen. So schreibt das Personalreglement der Stadt Zürich vor, dass Flugreisen auf Kurz- und Mittelstrecken zu vermeiden sind. «Bis zu einer Reisezeit von sechs Stunden ist, wenn möglich, die Bahn zu benutzen. Für alle Flüge sind zudem die CO2-Emissionen mittels eines Klimatickets einer anerkannten Organisation zu kompensieren».

Elektrifizierung 80er- und 69er-Bus bis 2025

Bereits heute sind 80 Prozent der Trams und Trolleybusse in der Stadt Zürich elektrisch betrieben. Bis 2030 sollen gemäss Elektrobus-Strategie der VBZ 100 Prozent der Fahrzeugflotte mit erneuerbaren Energien fahren. Ein wesentlicher Bestandteil der VBZ-Strategie ist die Umstellung der Linien 69 und 80 auf Trolleybusbetrieb. Diese beiden frequenzstarken und topographisch anspruchsvollen Linien sollen auf Teilstrecken Fahrleitungsinfrastrukturen erhalten und zukünftig mit modernen Batterietrolleybussen betrieben werden. Während der Zürcher Regierungsrat seinen Kredit schon gesprochen hat, wird der Kantonsrat voraussichtlich 2022 über den kantonalen Staatsbeitrag für die Realisierung der beiden Vorhaben befinden. Der Bund hat im Herbst 2019 beschlossen, einen Anteil von 40 Prozent der Kosten zu übernehmen. Läuft alles nach Plan, könnten die Linie 69 Anfang 2024 und die Linie 80 Mitte 2025 auf Trolleybusbetrieb umgestellt werden. Mit den neuen Doppelgelenktrolleybussen können rund ein Drittel mehr Passagiere befördert werden. Voraussetzung dafür sind leistungsfähige Stromversorgungs- und Lade-Infrastrukturen, welche durch ein intelligentes Lade-Managementsystem und gegebenenfalls den Einsatz von Alt-Batterien als Pufferspeicher unterstützt werden.

Energiegesetz kommt höchstwahrscheinlich vor das Volk

Wie im Gebäudebereich, ist die Stadt auch im Verkehrsbereich in ihren Bemühungen stark von der Gesetzgebung auf bundes- und kantonaler Ebene abhängig. Am 13. Juni wurde allerdings das revidierte CO2-Gesetz abgelehnt. Ausserdem hat der Hauseigentümerverband 8000 Unterschriften für ein Referendum gegen das kantonale Energiegesetz eingereicht. Zwar läuft die Prüfung noch, es ist jedoch davon auszugehen, dass das Referendum zustande kommt. Dennoch bleibt auf städtischem Boden Handlungsspielraum, zum Beispiel durch verschiedene Strategien und insbesondere den kürzlich vom Gemeinderat angenommenen revidierten kommunalen Richtplan Verkehr. Doch auch hier gibt es Gegenwind: Die FDP hat ihre Parole für die voraussichtliche Abstimmung am 28. November bereits gefasst, sie sagt Nein zum Verkehrsrichtplan. Ähnliches dürfte von Seiten der SVP zu erwarten sein.

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