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Dossier Kunst

Ada Ravaioli: Kunst in der Garage

17. Juni 2010 von

Foto: Fredy Haffner

Ada Ravaioli in ihrem Atelier.

Von

Online seit
17. Juni 2010

Printausgabe vom
17. Juni 2010
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Als Kind war Ada Ravaioli oft im Haus ihrer Grosseltern in Höngg zu Besuch. Seit fünf Jahren ist es nun das Zuhause der Malerin und Illustratorin, ihr Atelier und der Ausgangspunkt vieler Reisen – und am 20. Juni wird es für einen Nachmittag zur Galerie.

Der Raum, in dem sich der «Höngger» mit Ada Ravaioli trifft, ist sauber und aufgeräumt, Farben und Pinsel sind in einem kleinen Container-Rolli verstaut, als gälte es, möglichst schnell wieder aufzubrechen, zurück auf eine der vielen Reisen – nach Vietnam, Südafrika, Südindien und in die USA –, welche die Künstlerin unternommen hat und von denen ihre Bilder erzählen. «The Wave» auf der Staffelei fesselt den Blick sofort. Eine formale und farbliche Komposition, die Klima schafft, gebannt in Öl auf Leinwand. Das Wechselspiel zwischen scharf und unscharf, Bewegung und Statik erzeugt Tiefe: Eine Bulldogge, zwei russische Touristinnen, ein altes Ölfass, das südchinesische Meer, im Zentrum eine Welle. «Es hätte auch ‹die Unverbundenheit› heissen können», sagt die Künstlerin, die in Vietnam einem innerhalb des eigenen Landes entwurzelten und zerrissenen Volk begegnete, das die Verbindung zu den eigenen kulturellen Werten in grossem Masse eingebüsst hat. Doch eigentlich ist so viel intellektuelle Interpretation nicht Ravaiolis Ding, denn sie selbst bekundet Mühe, wenn sie über Kunst zuerst viel lesen muss, bloss um zu verstehen, was diese ihr sagen soll. «Für mich ist Kunst eine gefühlsmässige Angelegenheit», sagt sie, «ich spüre etwas, versuche das auf die Leinwand zu bringen und wenn bei den Betrachtern etwas ankommt, dann ist das gut – selbst dann, wenn es nicht dasselbe ist.» Ada Ravaioli, 1967 in Zürich geboren, steht nicht nur mit solchen Aussagen abseits der Kunstszene, sie hält auch sonst einen kritischen Abstand zu ihr. Seit bald 20 Jahren versucht sie, sich als selbständige Künstlerin zu etablieren. Vorstellungen bei Galerien hätten ihr immer wieder harte Kritiken eingebracht, erzählt sie, doch man lerne dabei, zu seiner Arbeit zu stehen, und: «Das ist ja schlussendlich der Witz am Künstlerdasein, dass man macht, was man selber für richtig hält.»

Malerei als Ventil nach den Reisen

«Richtig» bedeutet für Ada Ravaioli, in ihren Bildern die Vielfalt der Eindrücke ihrer Reisen zu verarbeiten. Reisen, auf denen sie «dort ist», sich treiben lässt, beobachtet, Menschen, Natur, Stimmungen – einfach aufnimmt, was passiert. Ein ruhiges Reisen – aber wahnsinnig intensiv. Zurück in Höngg wird die Malerei zum Ventil der Eindrücke. Auch Musik war für sie immer eine Ausdrucksform, neuerdings auch Texte. Wenn sie wählen müsste? Was ist ihr am wichtigsten? Die Antwort braucht etwas Zeit, als müsste sie selbst erst nach Höngg reisen: «Schwierige Frage . . . Malen kann ich am besten, aber ist es das Wichtigste? Wichtig ist der kreative Akt, das Medium ist sekundär.» Was zählt, ist das Ergebnis, und das wird derzeit Bild für Bild, vom Kleinformatigen bis zu wandfüllenden Gemälden, im Haus aufgehängt. Vom Treppenhaus hinunter in die Garage, die, nachdem das Wohnzimmer dafür zu unpraktisch geworden ist, nun ihr Atelier ist. Es ist nicht Ravaiolis erste Ausstellung, aber es wird eine besondere werden: Sie wollte alle Menschen, die sie kennt, zu sich einladen – dorthin, wo die Erinnerungen an ihre Reisen zu Ölbildern werden. Nun steht das Haus einen Tag lang gar allen Kunstinteressierten offen. Ob dies eine einmalige Sache bleibt, weiss sie noch nicht. Es ist wie damals, als sie nach Guarda ins Unterengadin zog: Ada Ravaioli beginnt etwas «aus dem Bauch heraus», wie sie sagt, und lässt offen, wie lange es dauert und was daraus wird – Reisen zu neuen Bildern, Bilder zu neuen Reisen. Eigene oder einfach eine in den Augen der Betrachtenden.

Ada Ravaioli, Vorhaldenstrasse 23, 8049 Zürich. www.adaravaioli.com

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17. Juni 2010
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