Jupiterhaus in Höngg: 18 Menschen und sechs Jahre  

Das Jupiterhaus im Frankental feiert Jubiläum. Aus einem Experiment des ­gemeinschaftlichen Wohnens ist eine Lebensgemeinschaft mit festen Strukturen, gemeinsamen Ritualen und viel Raum für Veränderung geworden.

Muriel Mollet posiert vor ihrem Zuhause: Seit rund eineinhalb Jahren wohnt sie im Jupiterhaus. (Foto: jao)
Offene Türen beim Jupiterhaus. (Foto: jao)
Der «JupiterSpace» ist ein Seminarraum mit zwei Therapieräumen und einem Bewegungsraum. (Foto: jao)
Der Gemeinschaftsraum fungiert auch als Sitzungszimmer. (Foto: jao)
Die riesige Gemeinschaftsküche. (Foto: zvg)
Die Aussicht vom Jupiterhaus. (Foto: jao)
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Hoch über dem Frankental lebt Hönggs wohl bekannteste Wohngemeinschaft im sogenannten Jupiterhaus, einer denkmalgeschützten Villa der Stadt, die einst als Drogenentzugsstation diente. Seit 2020 aber wohnen dort nach eigenen Angaben 18 «Herz-Menschen» zusammen. Eine von ihnen ist Muriel Mollet. Sie lebt seit rund eineinhalb Jahren dort und empfängt den «Höngger» zu Besuch.

Die Kontakt-Improvisations-Pädagogin suchte nach dem Ende ihrer früheren WG bewusst nach einer anderen Form des Zusammenlebens. «Ich wollte keine Zweckgemeinschaft, sondern ein Miteinander. Das habe ich hier gefunden», sagt sie. Dabei bedeutet Gemeinschaft nicht, ständig zusammen zu sein. Das Haus bietet neben den privaten Zimmern zahlreiche Möglichkeiten zum Rückzug, etwa auf der Terrasse, in den Malateliers, in der Werkstatt oder draussen im Grünen. Gleichzeitig entstehen im Alltag immer wieder spontane Begegnungen.

Vom Experiment zu festen Strukturen

«Vor sechs Jahren war die Gemeinschaft ein riesiges Experimentierfeld. Es wurde viel ausprobiert», erzählt Mollet. Mittlerweile haben sich verschiedene Strukturen etabliert. Am Sonntag findet der «Orga-Kreis» statt, in dem organisatorische Fragen besprochen werden.

Der Gemeinschaftsraum fungiert auch als Sitzungszimmer. (Foto: jao)

Entscheidungen, etwa bei der Wahl eines neuen Jupiter-Gspänlis, werden nach dem System der Soziokratie gefällt: Am Schluss gilt die einstimmige Befürwortung oder Ablehnung. Im «Herz-Kreis» am Donnerstag geht es dagegen um persönliche Themen und darum, was die einzelnen Bewohnerinnen und Bewohner aktuell beschäftigt. Dazu kommen die morgendliche Meditation und das gemeinsame Abendessen von Montag bis Freitag.

Auch der monatliche Gemeinschaftstag ist fester Bestandteil: Gemeinsam wird am Haus und im Garten gearbeitet und anschliessend gegessen. Interessierte von ausserhalb sind eingeladen und können dabei die Gemeinschaft kennenlernen. Diese Strukturen sind dennoch nicht in Stein gemeisselt. Projekte verschwinden, wenn das Interesse nachlässt, und neue entstehen. Auch die Gemeinschaft selbst verändert sich durch Ein- und Auszüge.

Konflikte gehören dazu

Wo viele unterschiedliche Menschen zusammenleben, entstehen auch Konflikte, wie Mollet weiss. Grenzen können überschritten werden oder unterschiedliche Vorstellungen aufeinanderprallen. Im Jupiterhaus gibt es deshalb klare Kommunikationsregeln für den Umgang mit solchen Situationen. «Ich finde es toll, dass sich die Leute, die hier wohnen, den Konflikten stellen und ihnen nicht aus dem Weg gehen», sagt Mollet. Sie selbst habe gelernt, Konflikte zuerst persönlich anzusprechen, aber auch einmal abzuwarten und nicht immer sofort zu reagieren.

Zur Gemeinschaft gehört auch praktische Arbeit. Im Garten werden Gemüse und andere Pflanzen angebaut. Zudem kümmern sich alle gemeinsam um den Naturteich, den Rasen, die Böschungen und die Bäume. Auch Reparatur- und Hausarbeiten werden gemeinsam erledigt. Die Bewohnerinnen und Bewohner bringen zudem unterschiedliche Fähigkeiten und Interessen ein. Diese können sie in verschiedenen Arbeitsgruppen einfliessen lassen. Mollet engagiert sich unter anderem im Garten- und im Schwitzhüttenteam.

Die riesige Gemeinschaftsküche. (Foto: zvg)

Das Jupiterhaus versteht sich auch als Ort für Begegnungen über die eigene Gemeinschaft hinaus. Veranstaltungen und Workshops können dort besucht werden. Das Angebot hängt dabei von den Kenntnissen und Interessen der Bewohnenden ab und reicht von Bewegung und Tanz über gemeinsames Singen bis zu weiteren Workshops. Der Seminarraum, der «Jupiter Space», beinhaltet zudem zwei Therapieräume und einen Bewegungsraum.

Sechs Jahre Gemeinschaft

Nach sechs Jahren ist das Jupiterhaus noch immer in Bewegung. Was funktioniert, wird weitergeführt, anderes verändert oder aufgegeben. Genau darin liegt ein Teil des ursprünglichen Experiments: Gemeinschaft ist kein fertiges Konzept, sondern muss immer wieder gemeinsam gestaltet werden.

Für die «Herz-Menschen» stehen auf dem «Jupiter Hill», wie sie den Hügel nennen, mindestens noch vier Jahre bevor: So lange läuft der Mietvertrag mit der Stadt Zürich. Eine Verlängerung um weitere Jahre sei möglich.

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