Die Stadt Zürich bleibt nach den Wahlen am vergangenen Sonntag links-grün, wenn auch nur hauchdünn (63 von 125 Sitzen). Bei einer Stimmbeteiligung von 50,37 % werden die Sitze wie folgt verteilt: Die SP erreicht 41, die FDP 24, die SVP 16, die GLP 15, die Grünen 14, die AL 8 und Die Mitte 7 Sitze; diese Parteien schafften die 5-%-Hürde.

Nicht geschafft hat dies etwa die EVP: Sie verliert nun alle Sitze im Stadtparlament. Laut einer Medienmitteilung der Partei fehlten im Kreis 12 nicht einmal drei Wahlzettel. Das rufe nach einer Nachzählung, wie die EVP mitteilt. Möglich, dass sich darum die Kräfteverhältnisse ändern können.

Hohe Wahlbeteiligung

Mit Blick auf den Wahlkreis 10 – Höngg und Wipkingen – darf behauptet werden, dass sich der Kreis 10 politisch sehr interessiert zeigt: Beide Quartiere zählen gemeinsam eine Wahlbeteiligung von 58,28 %, was der zweithöchste Wert in der Stadt ist. Nur der Wahlkreis 6 hat mit 60,2 % einen höheren Anteil. Zum Vergleich: Schlusslicht ist der Kreis 12 (Schwamendingen) mit 34,98 %.

Hier blicken wir konkret auf die Resultate im Kreis 10 und auf die relevanten Kreisparteien. 12 Sitze gab es für Höngg und Wipkingen zu holen. Der Schlüssel: Jeder Wahlkreis erhält so viele Sitze, wie es seiner Wohnbevölkerung entspricht. Grundlage ist die zivilrechtliche Wohnbevölkerung. Schliesslich werden die Sitze nach Proporz auf die Parteien verteilt.

SP Zürich 10

Im Vergleich zu den Wahlen von 2022 konnte die SP im Gemeinderat vier Sitze dazugewinnen. Wie sie in ihrer Medienmitteilung erklärt, bestätige die Stimmbevölkerung «damit die Politik der SP klar und macht deutlich, dass sie mehr bezahlbaren Wohnraum, eine Entlastung des Mittelstandes, konkrete Fortschritte beim Klimaschutz und bei der Gleichstellung will.» Im Kreis 10 entschieden sich 33,94 % der Wählenden für die SP.

Neu stellt sie hier vier Gemeinderäte: Lisa Diggelmann mit 5689 Stimmen, Florian Utz mit 5491 sowie Mathias Egloff mit 5197 Stimmen. Neu dazu kommt Stefania Koller (5201). Ebenfalls zwischen 4500 und 5000 Stimmen erhielten jeweils Jascha Harke, Gabi Brönnimann, Sara Steiner und Michel Makhlouf, die damit aber den Einzug in den Gemeinderat verpassten.

FDP Kreis 10

Der FDP der Stadt Zürich ist es gelungen, den Wähleranteil um 1 auf 18,46 % zu steigern und mit zwei Sitzen gegenüber den Wahlen 2022 zuzulegen. Im Kreis 10 erreicht die FDP 17,36 %, und die bisherigen Gemeinderatsmitglieder Martina Zürcher-Böni mit 2952 und Andreas Egli mit 2989 Stimmen halten ihre Sitze. Nicht gewählt wurden Caroline Hobi mit 2629 und Martin Widmer, Präsident der Kreispartei, mit 2538 Stimmen. Den 5. Platz erreichte Michael Greff (2534). Alle drei Kandidierenden haben sich neu auf die Liste setzen lassen.

In ihrer Medienmitteilung schreibt die FDP Stadt Zürich: «Dieses Resultat verdeutlicht, dass zahlreiche Zürcherinnen und Zürcher die sachliche Politik der FDP unterstützen und sich mehr freisinnige Ansätze in der Wohn-, Sicherheits-, Verkehrs- und Verwaltungspolitik wünschen. Gefordert sind Effizienz und konkrete Lösungen.»

SVP Kreis 10

Die SVP der Stadt Zürich zeigt sich laut Medienmitteilung «hocherfreut über das starke Abschneiden» bei den Gemeinderatswahlen. Zum ersten Mal seit 2010 hat die SVP im Gemeinderat wieder zugelegt. Die Partei sieht das als klaren Auftrag der Bevölkerung für mehr bürgerliche Politik. Für Höngg und Wipkingen (Anteil: 11,40 %) nimmt Johann Widmer als Bisheriger den Auftrag wahr: Mit 1963 Stimmen wurde er gewählt. Nicht gewählt wurden Mischa Schlup (1725, neu), Willi Korrodi (1675, neu), Tom Hostettler (1648, neu) und Christoph Marty (1606, neu), um die ersten fünf Listenplätze zu erwähnen.

Weiter heisst es: «Die SVP-Fraktion wird sich – verstärkt um zwei Sitze – in der kommenden Legislatur einsetzen für eine vernünftige Verkehrspolitik, mehr Sicherheit und eine gedeihliche Entwicklung der Stadt Zürich.»

Grüne 6/10

Die Grünen erreichten im Kreis 10 einen Wähleranteil von 11,27 % – etwas mehr als auf Stadtgebiet, wo sie auf 10,72 % kamen. Im Kreis 10 werden sie in der kommenden Legislaturperiode daher mit den zwei Sitzen von Martin Busekros (2226) sowie Leonora Seiler (2509) vertreten sein. Busekros hatte bereits die letzten vier Jahre einen Sitz im Gemeinderat inne, Seiler stösst neu hinzu. Cristiana Grossenbacher, Hüseyin Mamakli und Martina Erb, alles neue Kandidierende, folgten mit 1848, 1617 sowie 1600 Stimmen direkt dahinter, erhielten aber keinen Sitz.

Insgesamt verloren die Grünen im Gemeinderat vier Sitze, was sie gemäss ihrer Medienmitteilung bedauern – und für sich selber als Handlungsaufforderung verstehen: «Dass Klimaschutz in der aktuellen Weltlage kaum präsent ist, hat uns nicht geholfen. Entscheidend ist aber: Die linke Mehrheit bleibt erhalten. Das ermöglicht uns, progressive Politik in Zürich weiter voranzutreiben.»

GLP 6 & 10

Auf Stadtgebiet kommt die GLP bei den jüngsten Wahlen auf 11,62 % der Wählerstimmen, im Kreis 10 liegt ihr Anteil bei 12,54 %. Damit verliert sie im Stadtparlament zwei Sitze: einen davon in Höngg. Hier wird in Zukunft Selina Rahel Frey, die mit 2420 Stimmen wiedergewählt wurde, das Quartier im Gemeinderat vertreten. Ronny Siev, der ebenfalls als Bisheriger kandidierte, muss seinen Sitz im Gemeinderat abgeben. Er konnte in der Endauszählung 2135 Stimmen auf sich vereinen. Ebenfalls nicht gewählt wurden Neitah Noemi Müller (1896), Simon Riniker (1847), Olivia Kolbe-Reimann (1822) und Daniela Sun-Güller (1659), um die folgenden fünf Kandidierenden zu nennen.

Das Resultat der Wahlen, so die GLP in ihrer Medienmitteilung, zeige, «dass sich das politische Umfeld weiter polarisiert hat. Sachliche, lösungsorientierte Politik hat es in einem zunehmend zugespitzten Klima nicht einfacher.»

Die Mitte 6 & 10

«Die Mitte wird die nächsten vier Jahre die gestärkte Stimme der Vernunft im wohl immer schriller werdenden Gemeinderat sein», schreibt die Partei in ihrer Medienmitteilung. Und weiter: Sie habe wie schon vor vier Jahren die 5-%-Hürde geknackt. Für Höngg und Wipkingen (Anteil 4,21 %) am Start ist Loïc Hurni (bisher), der 1351 Stimmen erreichte.

Etwas weniger Stimmen erhielt Wolfgang Kweitel mit 1238 Stimmen, der aber nicht gewählt ist. Ihm folgen Andreas Widmer (649), Aïcha Janine Fatam (630) und Benjamin Walliser (622). «Die Stimmberechtigten wünschen sich Die Mitte weiterhin als Brückenbauerin im Parlament für gute Lösungen und Kompromisse», heisst es weiter.

AL

Die AL bleibt im Gemeinderat stabil und kann ihre 8 Sitze bei einem Stimmenanteil von 6,32 % verteidigen. Wie sie in ihrer Medienmitteilung erklärt, habe sie «gegenüber den Wahlen von 2022 gegen tausend Wählerinnen und Wähler zusätzlich mobilisiert», was jedoch aufgrund der höheren Stimmbeteiligung nicht zu einem Sitzgewinn geführt habe. In Höngg waren es 6,72 % der Wählenden, welche die AL auf ihrem Zettel hatten.

Moritz Bögli wird die Partei daher wie bereits in den vergangenen vier Jahren im Gemeinderat vertreten. Zoe Lehmann (1276), Corina Fistarol (1008), Melinda Naj Abonji (894) sowie Martin Schiller (885) befanden sich auf den dahinter folgenden Plätzen, erhielten damit aber keinen Sitz.

Im Stadtrat

Mit dem Gemeinderat wurde auch der Stadtrat neu zusammengesetzt, der nun von Rot-grün dominiert wird. Gewählt sind: Raphael Golta (SP, 70’478, bisher), Daniel Leupi (Grüne, 63’961, bisher), Céline Widmer (SP, 61’814, neu), Simone Brander (SP, 61’512, bisher), Karin Rykart (Grüne, 58’450 Stimmen, bisher), Tobias Langenegger (SP, 55’352, neu), Balthasar Glättli (Grüne, 54’889, neu), Michael Baumer (FDP, 52’644, bisher) und Andreas Hauri (GLP, 51’487, bisher). Für das Stadtpräsidium mit Raphael Golta braucht es voraussichtlich einen zweiten Wahlgang (10. Mai).