Poetisch begann der Abend: Mit einem Zitat aus Goethes Gedicht «Zum neuen Jahr» begrüsste der Präsident des Verwaltungsrates bei Zweifel 1898, Walter Zweifel, seine Gäste am Neujahrsapéro in der Zweifel Weinbeiz in Höngg. Der Start des Jahres sei tragisch verlaufen, erklärte er. Und auch das vorgetragene Gedicht von Goethe thematisierte Schönes und Tragisches zum Jahreswechsel: «Zwischen dem Alten und dem Neuen hier uns zu freuen schenkt uns das Glück», schreibt der Dichter. Und dennoch gibt es bei ihm auch «Stunden der Plage, die Treue von Leiden und Liebe von Lust scheiden. Doch bessere Tage sammeln uns wieder, heitere Lieder stärken die Brust», fährt er fort. Das gibt doch Hoffnung für das neue Jahr.

Ein herausforderndes Jahr

Heitere und schwierige Stunden waren auch in den Ausführungen von Urs Zweifel zu erkennen, der das vergangene Weinjahr im Anschluss an die begrüssenden Worte seines Bruders aus Sicht des Önologen zusammenfasste. Wettertechnisch hatte 2025 nämlich durchaus einige Tücken, wenn auch die ganz grossen Kapriolen ausblieben. So war der Anfang des Jahres relativ warm, bereits Mitte April fingen die Reben an zu treiben, sodass der Weinbauer schon befürchtete, diese könnten, wie bereits 2017, einem späten Frost zum Opfer fallen. Doch das Glück war dem Winzer in diesem Jahr hold.

Der Frühsommer habe sich dann, so Zweifel, eher warm und trocken gezeigt. Der Juli war zu nass, der August dagegen wieder heiss und warm. Und dann habe Anfang September der Regen begonnen – es regnete so viel, dass viele Trauben frühreifer Sorten bereits im September komplett geerntet werden mussten, weil sie bereits anfingen aufzuplatzen.

Und dann waren da auch noch die Schädlinge – wie etwa die Kirschessigfliege oder der Japankäfer: Dieser wurde in der Schweiz 2017 das erste Mal beobachtet, im Tessin, und konnte 2023 auch erstmals im Kanton Zürich festgestellt werden. Der Käfer richtet in der Landwirtschaft und auf Grünflächen grosse Schäden an und macht auch vor den Reben nicht halt. Zudem sei er äusserst schwierig zu bekämpfen, weil er bei seiner Nahrungsbeschaffung nicht wählerisch sei: Er könne aus über 400 verschiedenen Wirtspflanzen aussuchen. Sport- und Golfplätze seien als Brutstätten besonders kritisch. Hohes Gras habe er dagegen nicht gerne.

Insgesamt, so schloss Zweifel seine Ausführungen, sei der Gesamtertrag vernünftig – nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass Zweifel bereits eine grosse Anzahl an pilzresistenten Sorten, sogenannte PIWIS, pflanzt. Das schütze seine Reben vor dem Mehltau, dem gefürchteten Pilzbefall der Reben. Er könne aber aus den späten Lagen mit einem schönen Merlot und einem angenehmen Malbec aufwarten, auch der Pinot Noir könne sich sehen lassen, auch wenn es sich nicht um einen Spitzenjahrgang handle. Der Primeur sei in diesem Jahr ein Weisswein und bestehe zu hundert Prozent aus Trauben der PIWI-Sorte Muscatin-Trauben.

Update zu den «Heiligen Drei Königen»

Anschliessend war es wieder Zeit für Walter Zweifel – und sein alljährliches humorvolles Update zu «seinen» 3 König*innen: Stadtpräsidentin Corine Mauch, FIFA-Präsident Gianni Infantino und natürlich der Zunftmeister der Zunft zu den Drei Königen, Rolf Bühler. In diesem Jahr, so Zweifel, müsse die Stadt den Verlust ihrer Stadtkönigin bewältigen. Corine Mauch stellt sich nach 18 Jahren nicht mehr zur Wiederwahl und wird das Stadtpräsidium im März abgeben. Im nächsten Jahr wird sich Zweifel in seiner Neujahrsrede wohl also mit der Nachfolge auseinandersetzen müssen.

Für das Verhalten des zweiten Königs, FIFA-Präsident Gianni Infantino, fand Zweifel harsche Worte. Dieser habe sich nicht nur am Geld und am saudischen Königshaus orientiert, sondern sich auch beim amerikanischen Präsidenten eingeschleimt, indem er kurzerhand für ihn einen neuen Friedenspreis erfunden habe: den FIFA-Friedenspreis.

Der Baum bleibt Thema

Weitaus freundlicher rechnete er mit dem Zunftmeister der Zunft zu den Drei Königen, Rolf Bühler, ab. Er habe mal bei ChatGPT nachgefragt, was dieser zu Bühler sage. Dessen Antwort: Bühler regiere seine Zunft mit Humor, kenne jede Zunftregel und jede Anekdote. Antworten, die Zweifel eigentlich nur bestätigen könne. Und eine dieser Anekdoten, welche die beiden Zunftmeister gemeinsam erzählen können, ist die Fortsetzungsgeschichte zu Bühlers Weihnachtsbaum. Bereits seit einigen Jahren ist dieser Inhalt der verbalen Gefechte zwischen Bühler und Zweifel. Im vergangenen Jahr mündete das Geplänkel darin, dass Zweifel Bühler einen kleinen Weihnachtsbaum im Topf schenkte. Passend dazu gab er ihm in diesem Jahr die Christbaumkugeln zurück, die er 2025 von ihm erhalten hatte.

Das konnte Bühler nicht auf sich sitzen lassen. Als Erwiderung zückte er einen kleinen, dürren Ast eines Weihnachtsbaums. Es handle sich nicht um den von Walter Zweifel geschenkten Baum, beruhigte er sein Publikum. Das Geschenk des Baums habe ihn tief berührt, aber auch vor neue Probleme gestellt. Denn der Baum wachse zwar jedes Jahr, sei aber dennoch sehr klein. Und wohin mit dem nun überzähligen Weihnachtsschmuck? Richtig, der hänge nun an dem kleinen Ast, den er Zweifel mitgebracht habe.

Nach diesem Wortgeplänkel wurde es ernst: Der Wein musste gesegnet werden. Kraft seines Amtes sprach ihm der Zunftmeister der Zunft zu den Drei Königen seinen Segen aus. Damit war der Rebensaft freigegeben zum Anstossen, ergänzt durch eine schmackhafte Treberwurst. Das liessen sich die Gäste nicht zweimal sagen.

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