Horrorfilme sind wieder stark gefragt. Die beiden US-Produktionen «Backrooms» und «Obsession» zeigen, wie erfolgreich das Genre sein kann: Mit kleinen Budgets produziert, spielten sie Millionen ein. In der Schweiz dagegen fristet der Horrorfilm ein Schattendasein. Der letzte nennenswerte Versuch einer grossen Produktion war Michael Steiners «Das Missen-Massaker» von 2012 – ein Film, der bei Kritik und Publikum wenig Anklang fand.
Loris Mazzeo, in Siebnen, Schwyz aufgewachsen und seit rund 15 Jahren in Höngg wohnhaft, will dem Genre hierzulande wieder frisches Blut zuführen. Mit «Il Regalo» legt der Filmemacher seinen ersten Langfilm vor. Der Titel bedeutet «Das Geschenk» – doch für die Hauptfigur wird eben dieses Geschenk zum Albtraum (siehe Box).
Loris Mazzeo, weshalb ausgerechnet ein Horrorfilm?
Loris Mazzeo: Ich schaue solche Filme seit meiner Kindheit. Die ersten waren «Friedhof der Kuscheltiere» und «Poltergeist». Prägend waren später auch andere Filme, die man besser nicht zu früh gesehen hätte, dazu gehören die «Gesichter des Todes». Horror macht etwas mit einem. Bilder können sich festsetzen und das fasziniert mich
Was hat dich am Genre gereizt?
In der Schweiz gibt es praktisch keine Horrorfilm-Szene. Es gibt einzelne Produktionen mit Horrorelementen, aber einen eigentlichen Schweizer Horrorfilm findet man kaum. Für mich war klar: Action ist teuer, Comedy machen viele, Dramen und Krimis gibt es ebenfalls. Horror dagegen erlaubt mir, mit überschaubaren Mitteln starke Geschichten und eine eigene Atmosphäre zu schaffen.
«Il Regalo» ist aber nicht nur ein blutiger Schockfilm.
Nein. Er hat zwar Slasher-Elemente und auch Spezialeffekte drin, aber mir war wichtig, einen Horrorfilm mit verschiedenen Ebenen zu machen. Zu Beginn scheint es eher eine paranormale Geschichte zu sein, später wird der Film psychologisch. Es geht auch um die Frage, wie weit die Technik gehen darf. So auch der Untertitel: «Das Zeitalter der Killermaschine».
Welche Vorbilder hattest du?
Stilistisch hat mich Dario Argento stark beeinflusst, etwa mit «Suspiria» oder «Profondo Rosso». Nicht unbedingt bei der Geschichte, aber bei der Ästhetik mit seinen kräftigen Farben. Mein Filmplakat für «Il Regalo» erinnert etwas an die 1970er-Jahre.
Der Film ist auf Schweizerdeutsch, weshalb?
Ich wollte einen Schweizer Horrorfilm machen – und im Schweizerdeutschen werden die Nuancen anders gespielt als auf Hochdeutsch. Es war aber auch eine Herausforderung. Schweizerdeutsch kann schnell niedlich oder komisch wirken. Im Prozess mussten wir deshalb darauf achten, welche Wörter funktionieren und welche nicht. Aber wir habe auch eine englische Version gedreht.
Wie bringt man eine solche Produktion zustande?
Wir hatten insgesamt zwölf Drehtagen in Horgen und ein Budget von knapp 20’000 Franken. Den grössten Teil habe ich selbst investiert, dazu kamen einige Sponsoren. Rund 20 Personen waren beteiligt. Viele stammen aus meinem Umfeld und arbeiten selbst im Film- oder Videobereich. Die Schauspielerinnen und Schauspieler wurden über Castings gefunden.
Und du hast nicht nur Regie geführt.
Ich sehe mich als Filmautor: Ich schreibe die Geschichten, führe Regie und schneide die Filme auch selbst. Mit Postproduktion habe ich während vieler Jahre mein Geld verdient. Beim Sound erhielt ich Unterstützung vom Komponisten Massimo Sammi und Sam Roche, die in Los Angeles leben. Bei den Spezialeffekten kam Hilfe aus Rom: Der Make-up-Artist Mauro Fabriczky lieferte uns unter anderem einen künstlichen Kopf für eine Szene.
Weshalb läuft «Il Regalo» zunächst nur im Kino Stüssihof?
Ein Verleih hat den Film nicht übernommen. Oft lautet die Frage zuerst: Haben Sie Fördergelder? Ohne Fördergelder gibt es weniger Geld für Werbung, und das macht einen Vertrieb schwieriger. Also mache ich es selbst. Mir ist die Kinoerfahrung wichtig.
Zu guter Letzt: Was erwartet das Publikum?
«Il Regalo» ist wie ein Gruselkabinett. Man weiss, dass etwas kommt, aber nicht was. Der Film lebt von dieser Neugier und von seiner Stimmung. Man setzt sich hinein, lässt sich mitziehen.
Il Regalo – Das Geschenk – im Kino
Il Regalo – Das Geschenk
Die Wissenschaftlerin Olivia Permuzzi steht kurz vor der technologischen, transhumanistischen Revolution, die zum Ziel hat, tote Materie zum Leben zu erwecken. Sie zieht vorübergehend wieder bei ihrem Vater ein und schenkt ihm aus Dankbarkeit ein Bild. Ein Geschenk, das für Olivia zum Alptraum wird, denn das Bild ist besessen und nährt sich von ihren Ängsten und Komplexen. (Visual Turn)
Horror im Stüssihof
«Il Regalo – Das Geschenk» läuft jeweils donnerstags, 1. bis 29. Oktober, um 20.45 Uhr im Kino Stüssihof (Türöffnung: 20.30 Uhr). Ab 18 Jahren. Die englische Version wird am 8. Oktober gezeigt. Karten: Eventfrog
