Vor vier Jahren haben die Gemeinden Schlieren, Ober- und Unterengstringen sowie das Kloster Fahr und Stadt und Kanton Zürich gemeinsam die Charta für das Projekt «Lebendige Limmat» unterzeichnet. Damit sollte ein Projekt realisiert werden, dass einerseits die Artenvielfalt im Lebensraum Fluss erhöht, andererseits den Limmatraum als Naherholungsgebiet aufwertet und zudem grösseren Schutz vor Hochwasserereignissen bietet.
Während vier Jahren wurde das Projekt im Detail geplant – das fertige Dossier liegt nun in den betreffenden Gemeinden Oberengstringen, Schlieren, Unterengstringen sowie im Tiefbauamt der Stadt Zürich bis zum 28. September öffentlich zur Ansicht auf.
Erholung und Rückzug für die Natur
Die «lebendige Limmat» umfasst nach den Projektinformationen eine Renaturierung und Revitalisierung auf einer Gesamtlänge von 3,2 Kilometer. Der Auftrag zur Revitalisierung komme vom Bund, so das Dossier, und schlage mit ungefähren Gesamtkosten von rund 95 Millionen Franken zu Buche, wovon der Bund rund 48 Millionen übernehmen wird.
Das renaturierte Gebiet soll sich in Zukunft in verschiedene Zonen aufteilen. Die sogenannten «Naturzonen» sollen vornehmlich der Natur zur Verfügung stehen und als Rückzugsräume für Pflanzen und Tiere dienen.
In den «Erholungszonen» sollen Spazierwege, Sitzplätze, Grillstellen, Spielbereiche und Badezonen die Menschen zum Verweilen auffordern. An acht «Naturfenstern» soll zudem verteilt auf den Flusslauf Gelegenheit geschaffen werden, besonders sehenswerte Aussichten geniessen zu können.
Eine Auenlandschaft soll entstehen
Das Herzstück des Projekts stellt derweil die Aufweitung Betschenrohr dar: An dieser Stelle in Schlieren soll der Limmat in Zukunft eine Breite von rund 250 Metern zugestanden werden – verglichen mit der aktuellen Breite des Kanals von 80 Metern also eine Verdreifachung.
Die Verbreiterung, so der Bericht, sei nur noch genau an dieser Stelle möglich, da das Limmatufer ansonsten an vielen Bereichen dicht besiedelt und mit Kraftwerken verbaut sei. Im Bereich Betschenrohr soll jedoch in Zukunft wieder eine Auenlandschaft entstehen, in der der Fluss Kiesbänke aufstauen und abbauen, neue Wasserläufe graben und Kies und Sand deponieren kann.
Dies sei nicht nur für die Biodiversität ein grosser Gewinn, sondern könne auch bei Hochwassersituationen helfen, Wassermengen aufzunehmen und abfliessen zu lassen. Zudem sorgten Auenwälder durch Schatten und Verdunstung für eine kühlere Umgebung.
Familiengärten Betschenrohr in Schlieren betroffen
Für die Gärtnerinnen und Gärtner des Familiengartenareals Betschenrohr ist das Projekt allerdings mit einem Wehmutstropfen verbunden: Wie der Projektbericht erläutert, befänden sich auf einem Teil der für die Auenlandschaft benötigten Parzellen momentan Gärten des Familiengartenvereins. Die Stadt Schlieren suche hier in «enger Zusammenareit mit dem Familiengartenverein und externen Fachpersonen» nach Lösungen.
Eine zusätzliche Herausforderung stelle die hohe Schadstoffbelastung dar, die in den Böden des Familiengartenareals festgestellt wurde. Diese müssten abgetragen und gesondert entsorgt werden, was zusätzliche Kosten von rund 10 Millionen verursache. Getragen würden diese vom Kanton.
Fertigstellung ungefähr 2033
In den ersten Jahren nach Fertigstellung der Revitalisierung, so der Bericht ferner, würden dann auf dem gesamten Arela Parkrangerinnen und -ranger zum Einsatz kommen, die die Besucher*innen informieren und dafür sorgen sollen, dass «sensible Bereiche» geschützt werden.
Doch bis dahin wird noch einige Zeit vergehen: Nach der Auflage des Bauprojekts wird der Kanton eingegangene Einsprachen prüfen und das Projektdossier fertigstellen. Anschliessend, so der Bericht, setze «der Regierungsrat das Projekt fest und der Kantonsrat entscheidet über die Finanzierung.» Der Baubeginn solle frühestens Mitte 2029 starten und rund vier Jahre dauern.
Wer sich genauer über das Projekt informieren möchte, hat dazu neben der Einsicht in das Projekt an den offiziellen Stellen an Projektsprechstunden in den einzelnen Gemeinden sowie an zwei Projekt-Spaziergängen mit dem Fachteam Gelegenheit.
Quelle: Lebendige Limmat, Kanton Zürich
Auflage Projektunterlagen
Bis 28. September während der ordentlichen Schalterstunden:
Gemeinde Oberengstringen, Gemeinderatskanzlei, Zürcherstrasse 125
Stadt Schlieren, Bausekretariat, Freiestrasse 6
Gemeinde Unterengstringen, Abteilung Hochbau, Dorfstrasse 13
Stadt Zürich, Tiefbauamt, Beatenplatz 2, Haus der industriellen Betriebe (HIB)
Einsprachen gegen das Projekt sind via die Gemeindeverwaltung zuhanden der Baudirektion, Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) Abteilung Wasserbau, Walcheplatz 2, 8090 Zürich einzureichen.
Projekt-Sprechstunden
Montag, 31. August, 17 – 19 Uhr Unterengstringen (Im alten Schulhaus, Alte Schulstrasse 9)
Dienstag, 1. September, 16.30–18.30 Uhr Schlieren (Stadthaus Sitzungsraum 303, Freiestrasse 6)
Montag, 14. September, 17–19 Uhr Oberengstringen (Saal Kirchgemeindehaus, Goldschmiedstrasse 8)
Projekt-Spaziergänge mit dem Fachteam
Donnerstag, 3. September, 18.30 Uhr
Dienstag, 15. September, 18.30 Uhr
