Erst vor zwei Wochen wurde an dieser Stelle über die Entwicklungen auf dem Vuebelle und die Tatsache, dass die Stadt die Verantwortung über das Gelände vom Verein Bee’n’Bee übernommen hat, berichtet. Seither ist viel passiert. Noch bevor die Zeitung gedruckt war, rückten auf dem Gelände die Bagger an und bauten die Stege und Wege, die das Bellevue symbolisiert hatten, wieder ab.

Auch zahlreiche nicht einheimische Bäume wie die Maulbeere sowie alle Säulenobstbäume wurden ausgehoben und entfernt, ebenso wie die Wildhecke, die angepflanzt worden war. Sie sollen, wie ein Schild vor Ort informiert, an einem anderen Ort wieder eingesetzt werden.

Kurz zur Erinnerung: Das Vuebelle war als Biodiversitätsprojekt angelegt worden und hatte für diesen Zweck im Jahr 2021 die Summe von 250 000 Franken als eines der Siegerprojekte der ZKB-Jubiläumsdividende erhalten. Definiert wurde es als Wegbereiter für die Entwicklung von nachhaltigen Plätzen in der Stadt Zürich, so erklärte es zumindest der «Tages-Anzeiger» im Frühjahr 2024: «Das Vuebelle will nach Angaben des Vereins vor allem auch ein Zeichen für eine neue Art der Flächennutzung setzen. Es versteht sich als Pionierprojekt für Artenvielfalt im urbanen Raum. Nach Zürich ist Ähnliches auch für weitere Städte geplant. Entstehen soll ein Lebensraum für Pflanzen und Tiere, aber auch ein neuer Naturort für Zürcherinnen und Zürcher.»

«Pionierprojekt» nicht nachhaltig genug?

Nun aber ist von dem «Pionierprojekt» nicht mehr viel übrig. Nicht nur bei der Pächterschaft der Gärten, auch bei zahlreichen Passantinnen und Passanten sorgte dieses abrupte Ende des Vuebelles für Verunsicherung – und warf gleichzeitig Fragen auf: Warum konnten die Stege und Wege, welche die Fläche begehbar machten, nicht einfach stehenbleiben? Und aus welchem Grund mussten die Obstbäume und die Hecke, die extra zur Förderung der Biodiversität gepflanzt wurden, entfernt werden?

Schön ist anders: Im Moment ist das ehemalige Vuebelle kein Vorzeigeobjekt mehr. (Foto: zvg)

Grün Stadt Zürich antwortet auf die Anfrage dieser Zeitung dazu folgendermassen: «Der Holzsteg wurde im Rahmen der Aufwertungsmassnahmen zwecks Erhöhung der Biodiversität entfernt. So erhalten Flora und Fauna auf der Fläche Zeit und Ruhe, sich zu entwickeln.» In Bezug auf die Entfernung der Bäume erklärt Carina Schulze, Fachbereichsleiterin Kommunikation bei Grün Stadt Zürich, dass diese wie auch die Hecken in bestimmten Mustern und Formen – dem Bellevue entsprechend – gepflanzt worden seien, was «eine effiziente Bewirtschaftung stark erschwere». Das sei der Grund dafür, dass sie entfernt werden mussten.

Zudem, so Schulze weiter, «handelte es sich bei den Bäumen um eine fruchtlose Zuchtform mit sehr geringem ökologischem Nutzen.» Die Ersatzbäume, die nun zwischen Februar und März gepflanzt würden, bestünden dagegen «aussschliesslich aus einheimischen Obst- und anderen Nutzgehölzen (Edelkastanie, Nuss, Apfel).» Damit würden die Bäume in Zukunft «sowohl Nektar und Schatten spenden, als auch einen Beitrag an die lokale Nahrungsmittelproduktion leisten.» Ausserdem werde in den kommenden Wochen die Neuansaat einer Wildblumenwiese vorbereitet und Stein- und Asthaufen für die Förderung von Wildbienen und Zauneidechsen ergänzt.

Visionen aus dem Quartier

Warum im Rahmen dieses Vorzeigeprojekts Bäume gepflanzt wurden, die der Biodiversität gar nicht wirklich zuträglich sind, bleibt auch nach der Antwort durch die Stadt offen. Ganz generell lässt sich die Nachhaltigkeit des Projekts – sowohl in finanzieller als auch ökologischer Hinsicht – hinterfragen, wenn nach der kurzen Zeitspanne von knapp zwei Jahren ein Grossteil der Pflanzungen wieder rückgängig gemacht werden muss.

Daneben bleibt eine weitere grosse Frage, die insbesondere die Mieterschaft der Gartenparzellen umtreibt: Wie geht es weiter? Wie bereits in der vergangenen Ausgabe erläutert, werden sie ihre Beete per Ende dieses Jahres aufgeben müssen – und inwiefern sie in Zukunft noch Partizipationsmöglichkeiten auf der Fläche haben werden, bleibt nach wie vor unklar.

Dabei gäbe es von ihrer Seite bereits einige Ideen: Chris Szaday, einer der Gartenpächter, hat sich – mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz – intensive Gedanken über die Zukunft des Vuebelles gemacht – in Anlehnung an bereits bestehende Projekte und Kooperationen zwischen der Stadt und der engagierten Quartierbevölkerung

Seinen Visionen zufolge soll das Gelände demnach, grob gesagt, neben der Biodiversität auch «den sozialen Zusammenhalt, die lokale Identität und das historische Bewusstsein – zum Beispiel für die Schlachten in Zürich um das Jahr 1799, die auch im Gebiet des Hönggerbergs stattgefunden haben», im Quartier stärken. Für den Einbezug der Quartierbevölkerung schwebt Szaday etwa die Möglichkeit eines runden Tisches vor.

Der Erhalt von Spazierwegen auf dem Gelände sowie der Gartenparzellen wäre für ihn ebenso wünschenswert wie die Fortführung von Baumpatenschaften und die Durchführung von kulturellen Veranstaltungen vor Ort – als Beispiel für eine «durchdachte, integrative Gestaltung städtischer Grünflächen».
Inwiefern die Stadt allerdings auf solche Vorschläge eingehen wird, ist noch unklar. Szaday ist auf jeden Fall gerne bereit, weitere Ideen aus dem Quartier entgegenzunehmen und diese mit den Verantwortlichen zu diskutieren.

Mitdenken

Wer Interesse hat, sich mit Szaday und weiteren Interessierten über eine mögliche Zukunft des Platzes auszutauschen, kann über vuebelle.zukunft@gmail.com Kontakt aufnehmen.