In den vergangenen Jahren war beim Förderverein Tierpark Waidberg und seinen Damhirschen einiges in Bewegung: Die unsichere Finanzierung und eine fehlende Nachfolge bei der Tierpflege liessen noch 2024 die Schliessung des 1974 eröffneten Tierparks befürchten. Das Unheil liess sich jedoch abwenden: Letztes Jahr konnte der Vorstand an der Generalversammlung nicht nur einen Nachfolger für die Tierpflege ankündigen, sondern auch über die bereits fortgeschrittenen Pläne einer möglichen Fusion mit dem Verschönerungsverein Zürich (VVZ) berichten. Ein Verein, der mit ähnlichen Problemen kämpfte und sich seit 1873 für die Erhaltung und Nutzbarmachung der «landschaftlichen Schönheiten» in und um den Wald der Stadt Zürich einsetzt.

Das Vorhaben ist geglückt: Die Fusion wurde an beiden Generalversammlungen einstimmig beschlossen. Der Tierpark Waidberg gehört nun zum Verein Naturerlebnis und Hirschpark Zürich (VNHZ), die Fusion trat rückwirkend auf den 1. Januar 2026 in Kraft.

Im Interview erklären die Präsidenten der beiden ehemaligen Vereine, Ernst Tschannen vom Förderverein und Mario Mariani vom VVZ, wie es zur Fusion kam und was dies für die Zukunft bedeutet. Die beiden Co-Präsidenten des VNHZ werden ihr Amt an der nächsten Generalversammlung an andere Personen weitergeben.

Herr Tschannen und Herr Mariani, warum haben Sie sich für eine Fusion entschieden?

Ernst Tschannen: Wir wollten, dass beide ehemaligen Vereine gleichwertige Partner in der neuen Organisation sind. Dabei hielten wir uns an die Vorgaben des Fusionsgesetzes, was etwas länger dauert, als wenn sich ein Verein aufgelöst und dem anderen angeschlossen hätte.

Mario Mariani: Wir waren schon seit Längerem an der Suche nach einem Verein, der unsere Zielsetzungen teilt und frischen Wind die überalterte Mitgliederstruktur bringt. Mit dem Tierpark Waidberg haben wir den idealen Partner gefunden.

War der Name «Naturerlebnis und Hirschpark Zürich» von Beginn an klar?

Ernst Tschannen: Das war nicht ganz einfach. Wir wollten die Geschichten der Vereine mitnehmen und sichtbar halten. Wie so oft kommt dann ein Kompromiss heraus, der auch die Absichten für die Zukunft symbolisiert. Uns war auch wichtig, einen kurzen und einprägsamen Namen zu finden, was uns mit der Abkürzung VNHZ sicher gelungen ist.

Gab es auch Kritik an den Plänen?

Mario Mariani: Nach den intensiven Vorbereitungen während der letzten Jahre gab es an den Generalversammlungen keine Opposition, die Zustimmung fiel in beiden Gremien sogar einstimmig aus. Es war auch besonders, dass beide Vereine gemeinsam und gleichzeitig tagten, um auch die Doppelmitgliedschaften gut abzuholen.

Ernst Tschannen: Auch wir hatten unsere Mitglieder schon länger auf eine solche Veränderung vorbereitet. Ein Zusammengehen mit einem finanzstarken Partnerverein war unbestritten.

Wird sich nun etwas für den Tierpark, die Hirsche und den Tierpfleger ändern?

Ernst Tschannen: Der Tierpark soll in der bisherigen Form weiterbetrieben werden. Dafür hat ein jüngerer Tierpfleger die vorgeschriebene Ausbildung absolviert und ist teilweise bereits aktiv. Durch eine neue Schutzverordnung von Grün Stadt Zürich kann es neue Auflagen geben, über welche der neue Vorstand dann entscheiden wird.

Mit der Fusion beginnt eine neue Ära. In diesem Jahr werden noch vertraute Gesichter die Geschicke leiten, ab 2027 sollen neue Personen die Zukunft gestalten. Stehen Sie den Veränderungen auch mit Wehmut gegenüber?

Mario Mariani: Ich bin überzeugt, dass mit dieser Fusion die Werte und Anliegen des VVZ in etwas anderer Form, aber mindestens so nachhaltig und naturverbunden weitergeführt werden. Es wäre schade gewesen, unseren Verein mit einer 153-jährigen Vergangenheit und Tradition so ohne Weiteres aufzulösen. Wehmut hat für mich definitiv keinen Platz, eine umfassende Änderung des Vereinszwecks wäre aufgrund der neuesten Entwicklung ohnehin nötig gewesen.

Ernst Tschannen: Wehmut habe ich nicht. Die jüngeren Vorstandsmitglieder sind heute schon gut eingebunden und übernehmen Verantwortung. Ich bin überzeugt, dass sie den neuen Verein in Anlehnung an die prägenden Traditionen pflegen, aber auch neu ausrichten werden, wo es Sinn ergibt. Insbesondere finde ich gut, dass verstärkt auch Familien mitwirken sollen.

Sie beide haben volles Vertrauen in die Zukunft des VNHZ?

Mario Mariani: Wir hoffen natürlich, dass der überwiegende Teil der ehemaligen VVZ-Mitglieder und Sympathisanten dem neuen Verein ebenfalls die Treue hält.

Ernst Tschannen: Ich freue mich, wenn die bisherigen Mitglieder auch der neuen Organisation und den verantwortlichen Personen das Vertrauen schenken. Freiwilligenarbeit ist leider nicht mehr selbstverständlich und braucht breite Anerkennung und Unterstützung.

Tierpark Waidberg: Tag der offenen Tür

Der neue Verein Naturerlebnis und Hirschpark Zürich lädt am Samstag, 3. Oktober, zum Besuch der Damhirsche am Waidberg ein. Treffpunkt ist um 10.30 Uhr beim Hirschpark neben dem Restaurant Waid. Auf dem Programm stehen Informationen der Tierbetreuenden sowie die Fütterung der Damhirsche unter Anleitung. Im Anschluss wartet ein Besuch bei der Metzgete des Männerchors Höngg im Turnerhaus auf dem Hönggerberg (Kappenbühlstrasse 60).