Es ist in der Stadt Zürich ein altvertrautes Bild: eine grosse Baustelle. Ein Haus wird abgerissen und neu wieder aufgebaut. Oder umfassend saniert. So gewohnt wie der Anblick, so üblich auch die Diskussionen, welche die Baustellen auslösen: Der Wohnungsmarkt ist ausgetrocknet, neuer Wohnraum muss geschaffen werden, so viel ist klar. Doch wie wird sinnvoll verdichtet?

Für die Mietenden der betroffenen Häuser stellt sich zudem oft nicht nur die Frage nach Sinn oder Unsinn der baulichen Massnahmen, sondern auch nach ihrem zukünftigen Zuhause. Denn in vielen Fällen heisst es nicht nur bei Ersatzneubauten, sondern auch bei Umbauten: Leerkündigung. Alle müssen raus.

Wie viele Häuser und Mietende in der Stadt Zürich davon betroffen sind, dazu lieferte der «Tages-Anzeiger» Ende Mai umfassende Daten. Diese wurden auf Anfrage der Tageszeitung durch Statistik Stadt Zürich ausgewertet. Ermittelt wurden die Daten folgendermassen: Bei Umbauten wurde die Aufenthaltsdauer der Bewohnenden im Gebäude ein Jahr nach Umbauende betrachtet. Wohnten zu diesem Zeitpunkt alle Bewohnenden weniger als ein Jahr im Gebäude, wurde von einer Leerkündigung ausgegangen. Bei einem Ersatzneubau erklärt sich die Leerkündigung von selbst.

Statistik Stadt Zürich zufolge wurden demnach im Jahr 2024 auf Stadtgebiet insgesamt 1149 Wohnungen in 130 Häusern leergekündigt. Davon wurden rund zwei Drittel abgebrochen, ein Drittel totalsaniert. Das, so die Tageszeitung mit Verweis etwa auf eine Studie des Bundesamtes für Wohnungswesen und der ETH Zürich weiter, sei im Vergleich zu anderen Schweizer Städten ein Rekordwert. Ein Wert, der auch die Stadtbevölkerung verändert: So verliessen gemäss «Tages-Anzeiger» in den Jahren 2023 und 2024 rund 30 Prozent der Leergekündigten die Stadt.

Acht Häuser in Höngg, vier in Wipkingen

Und wie sieht es in Höngg aus? Auch hier im Quartier kommen Leerkündigungen vor. Aktuell bekannt sind etwa mehrere Gebäude an der Ackersteinstrasse, die in jüngster Zeit bereits leergekündigt wurden oder bei denen grössere Bauarbeiten in naher Zukunft geplant sind.

Auf Anfrage dieser Zeitung hat Statistik Stadt Zürich den Datensatz zur Stadt auf Quartierebene für Höngg und Wipkingen runtergebrochen. Für Höngg präsentieren sich folgende Zahlen: Im Jahr 2024 wurden hier insgesamt acht Gebäude mit 58 Wohnungen leergekündigt. Zwei Häuser davon wurden umgebaut, sechs abgerissen. Die Hälfte der Häuser gehörten Baugenossenschaften, vier «anderen Eigentümern». Das ist insofern von Bedeutung, als die Baugenossenschaften ihren Mietenden in der Regel Ersatzwohnungen zur Verfügung stellen.

In Wipkingen waren es im gleichen Zeitraum vier Häuser, die leergekündigt wurden, mit insgesamt 48 Wohnungen. Alle Häuser gehörten «anderen Eigentümern».

Wer kann Auskunft geben?

Aus den Zahlen der letzten Jahre einen Trend abzulesen, ist jedoch schwierig, da die Anzahl der Leerkündigungen stark schwankt. Während der «Tages-Anzeiger» für die Stadt eine leicht steigende Tendenz an Leerkündigungen ausmacht, ist das Bild für Höngg und Wipkingen uneinheitlich. So wurden 2023 in Höngg insgesamt 13 Wohnungen leergekündigt, 2022 47 und 2021 gar keine. In Wipkingen dagegen war die Zahl der leergekündigten Wohnungen 2021 mit 77 deutlich höher als 2022 mit 39 oder 2023 mit 16 Wohnungen.

Was aus den Daten ebenfalls nicht hervorgeht, ist, was mit den Betroffenen der Leerkündigungen in Höngg und Wipkingen geschieht. Finden sie im Quartier eine neue Wohnung? Zu welchem Preis? Oder suchen sie ausserhalb vom Kreis 10, gar ausserhalb der Stadt? Der «Höngger» würde das Thema gerne detailliert weiterverfolgen. Wer also selbst von einer Leerkündigung betroffen ist oder um eine konkrete Leerkündigung weiss, ist herzlich eingeladen, sich bei der Redaktion zu melden.