In diesem Sommer, so erklärte der Vizepräsident für Infrastruktur und Nachhaltigkeit, Ulrich Weidmann, dem zur Infoveranstaltung geladenen Publikum, starte die ETH auf der Wolfgang-Pauli-Strasse ihre rund zweijährige Reise zu einer «grünen Allee des 21. Jahrhunderts».
Baubeginn für die umfangreichen Arbeiten an der Strasse soll der 10. August sein, der Abschluss der Bauarbeiten ist für 2029 geplant. Ab Anfang August wird ein Infocontainer vor Ort über das Bauvorhaben informieren.
Strasse als klimafreundlicher Begegnungsraum
In Zukunft solle die Strasse, so die ETH in ihrer Mitteilung zum anstehenden Bauprojekt, «als Begegnungs- und Bewegungsraum» wahrgenommen werden und auch «zum Verweilen» einladen.
In diesem Zusammenhang sollen die Fahrspur begradig, der mittige Grünstreifen aufgehoben sowie die Fahrstreifen der Busse zusammengefasst werden. Dadurch wird sowohl Platz für neue Fussgängerwege, als auch für eine von den Fussgängern durch eine Kante getrennte Velospur entstehen. Entlang der Allee sollen art- und standortgerechte Bäume gepflanzt und Sitzmöglichkeiten angebracht werden.
Die Begrünung diene dabei, so Weidmann in seinen Ausführungen, nicht nur der Hitzeminderung, sondern auch der Retention von Regenwasser: Dem Prinzip der «Schwammstadt» entsprechend werden entlang der Strasse sogenannte «Raingardens» angelegt.
Dies sind mit Bäumen und Sträuchern bepflanzte Beete, welche Regenwasser auffangen und zurückhalten können.
Eine klimafreundliche Modernisierung ist auch in punkto öV geplant: Wie der «Höngger» bereits berichtete, sollen sowohl die Buslinie 69 als auch die Linie 80 auf Trolleybus umgestellt werden.
Back to the roots
Mit der Umgestaltung der Strasse, so führte Weidmann aus, trage die Hochschule auch dem ursprünglichen städtebaulichen Konzept von Albert Steiner Rechnung. Steiner, Professor für Architektur und Städtebau, war ab 1957 für die bauliche Gesamtplanung der ETH auf dem Hönggerberg zuständig gewesen. Verkehrstechnisch hatte er die Erschliessung des Campus durch zwei Hauptachsen, die Wolfgang-Pauli Strasse als Nord-Süd- Verbindung, sowie eine zusätzliche Ost-West-Achse geplant.
Seine Pläne seien jedoch, so Weidmann, nach Abschluss der ersten Bauetappe und mehrfachen Wechseln der Architektenteams in Vergessenheit geraten. So sei heute die angedachte Ost-West-Achse nicht mehr erkennbar. Auch die geplante «Prachtsstrasse» sei zur Sackgasse und Wendestelle degradiert worden. Diese «Fehlentscheidungen», wie Weidmann sie bezeichnete, sollten nun mit der Erstellung der neuen Allee zumindest teilweise rückgängig gemacht werden.
Warum jetzt?
Der Zeitpunkt für die Bauarbeiten sei dabei nicht zufällig gewählt: Auslöser der Sanierung sei zunächst eine technisch notwendige Sanierung der Strasse gewesen: «Viele der Leitungen unterhalb der Oberfläche haben ihre Lebensdauer erreicht und müssen erneuert werden, der Energiekanal erfordert Bauarbeiten in punkto Erdbebentüchtigkeit.»
Zudem müsse die Strassensanierung natürlich mit den weiteren Arbeiten auf dem Campus koordiniert werden: «Terminlich haben wir mit den Strassenbauarbeiten ein enges Zeitfenster. Hier sind wir eingepfercht zwischen der Fertigstellung des HPQ-Gebäudes und dem Baubeginn für das Informatikgebäudes HWS sowie der notwendigen Sanierung des HIL-Gebäudes», erläuterte Weidmann die komplexe Planung.
Baulich stehen dem Campus damit zehn intensive Jahre bevor – kein Wunder, wenn man berücksichtigt, dass, wie Weidmann erklärt, der Standort Hönggerberg immer weiter an Bedeutung gewinnt und sich der Schwerpunkt der ETH Zürich zunehmend nach Höngg verlagert: «Schon bald werden sich 60 Prozent des Betriebs der ETH auf dem Hönggerberg befinden.»
