Wir haben bereits im ersten Teil berichtet: Die Brüder Anton und Franz Moos gründeten diese Zeitung, damals noch unter dem Titel «Korrespondenzblatt». Nach dem Tod von Franz Moos übernahm Anton Moos im März 1932 die alleinige Verantwortung. Er produzierte und verlegte den «Höngger» an der Ackersteinstrasse 159 im Buchdruckverfahren. An dieser Adresse lebt bis heute seine Tochter Marie-Antoinette Lauer. Für diesen Rückblick erinnert sie sich an jene Zeit, als «Der Höngger» mehr für sie war als eine Quartierzeitung – er war eine Familienangelegenheit.
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Anton Moos wurde 1901 in Zug geboren. Er hätte sich gerne dem Studium der Geschichte und der Kunst gewidmet, doch die Umstände liessen es nicht zu: Sein Vater starb früh, und die Mutter musste ihre drei Söhne allein durchbringen. Anton Moos erhielt die Möglichkeit, bei Joseph Speck in Zug das Buchdruckerhandwerk zu erlernen. Zum Abschluss der Lehre erhielt er den sogenannten Gautschbrief von Gutenbergs Gnaden. In Leipzig erwarb er anschliessend das Maschinenmeister-Diplom.
Das Glück in Höngg
Anton Moos war von Abenteuerlust und der Sehnsucht nach fremden Ländern geprägt. Er zog nach Barcelona, doch der Ruf der Familie war stärker: «Mit seinem Bruder sollte er auf Geheiss der Mutter die Buchdruckerei Nötzli in Höngg übernehmen», erzählt Marie-Antoinette Lauer. «Aber er wollte eigentlich kein eigenes Geschäft. In Spanien arbeitete er in einer Druckerei, was ihm sehr gut gefiel. Er wäre gerne dortgeblieben.»
So entstand die Buchdruckerei Moos und 1926 das «Korrespondenzblatt». Anton Moos hatte zunächst vor, nach dem Aufbau der Druckerei wieder nach Spanien zurückzukehren. Doch als sein Bruder starb, zerschlugen sich diese Pläne. Rückblickend erwies sich die Rückkehr als glückliche Fügung: In Spanien brach der Bürgerkrieg aus, und in Höngg lernte er Gertrude Kusche kennen, die er 1933 heiratete.
Leicht war diese Verbindung zunächst nicht: Anton Moos war Katholik, seine spätere Frau Protestantin – eine sogenannte Mischehe. «Meine Mutter hat immer erzählt, dass sie aus diesem Grund nicht vor den Altar treten durfte», so Marie-Antoinette Lauer. Das Paar hatte aber vieles gemeinsam: Beide liebten die Natur, unternahmen viele Wanderungen und reisten – sofern es die Zeit erlaubte – auch ins Ausland. Und sie wurden Eltern von Marie-Antoinette. «Ich kam mit einer Missbildung am Bein zur Welt und bereitete meinen Eltern mit all den Operationen einige Schwierigkeiten. Aber ich war ein geliebtes Kind, meine Eltern haben alles für mich gemacht.»
Engagement im Quartier
Anton Moos war beim Erscheinen der Zeitung «der Neue» in Höngg. Es war ihm ein Anliegen, hier heimisch zu werden, sich zu beweisen und dazuzugehören. Dabei half es ihm, sich in den lokalen Vereinen zu engagieren. Er wirkte 1934 an der Gründung der Zunft Höngg mit und war auch Gründungs- und Vorstandsmitglied des Quartiervereins Höngg. In der Kirche engagierte er sich ebenfalls. Nicht zu vergessen ist sein Einsatz in der Propagandakommission zur Höngger 1100-Jahrfeier (siehe Artikel rechts). Er habe die Menschen rasch überzeugt: «Er war ein lebensfroher Mensch, sehr interessiert an Geschichte und Kultur, und er war wie ein Lexikon – er wusste alles», erinnert sich Lauer.
Das Singen war seine grosse Leidenschaft. Anton Moos war Mitglied im Männerchor Höngg und seit 1952 dessen Ehrenmitglied. Zudem engagierte er sich im Sängerverein Harmonie Zürich. «Mein Vater wäre auch gerne Schauspieler geworden», erzählt Lauer lächelnd. Er wirkte in Theatergruppen mit und spielte einmal sogar Wilhelm Tell. Die Tochter teilte diese Leidenschaft – auch sie wäre gerne Schauspielerin geworden, was ihr der Vater jedoch untersagte. «Das ist kein guter Beruf für eine Frau», waren seine Worte. Sie wandte sich stattdessen dem Musikstudium zu, lernte Klavier und ist bis heute als Sängerin aktiv. «Meine Eltern nahmen mich schon früh mit in die Oper, so kam ich zur Musik.»
Ein Leben mit der Zeitung
«Der Höngger» wurde im Haus gedruckt, wo die Familie lebte, ebenso andere Druckerzeugnisse wie Visitenkarten oder ortsgeschichtliche Mitteilungen. «Unser Haus an der Ackersteinstrasse wurde 1933 erbaut, und mein Vater plante die Druckerei von Anfang an im Untergeschoss ein.» Die Mutter kümmerte sich um die Buchhaltung. So war die kleine Familie immer eingespannt und avancierte zu einer lokalen Grösse in Höngg. «Die Zeitung war immer präsent, und es gab auch Kritik von Menschen, die mit den Inhalten nicht einverstanden waren», erinnert sich Marie-Antoinette Lauer.
Und auch an die Arbeit: «Ich habe viel mitgeholfen, etwa bei den grossen Ausgaben im Dezember. Wir hatten keine Falzmaschine, also machte ich das zusammen mit meiner Mutter.» Wie Lauer sagt, habe sie es geliebt, unten in der Druckerei zu sein, auf den Papierstapeln zu sitzen und ihrem Vater zuzusehen. «Wenn meine Mutter unzufrieden mit mir war, flüchtete ich ebenfalls nach unten zu meinem Vater – es war ein Paradies. ‹So, hast du wieder etwas angestellt?›, pflegte er zu sagen.»
Der Abschied
Anton Moos starb im November 1965 nach kurzer, schwerer Krankheit. «Er wurde nur 64 Jahre alt. Es war für uns eine schlimme Zeit.» Seine Zeitung widmete ihm als Nachruf das Titelblatt vom 3. Dezember 1965. Max Samuel schrieb: «Das Bild eines lieben Menschen, der das Zeitliche zu einem Zeitpunkt gesegnet hat, da man ihm noch einen geruhsamen Lebensabend gewünscht hätte, zu schildern, ist keine leichte Aufgabe.» Seine Abdankung in der Kirche Höngg gestaltete sich laut Samuel als «innige und würdige Feier». Der Männerchor Höngg gab dem Verstorbenen einen «letzten musikalischen Gruss», das Leidmahl fand in der Mühlehalde statt. Seine letzte Ruhestätte fand Anton Moos im Familiengrab auf dem Friedhof Hönggerberg.
Damit endete für unsere Zeitung eine Ära. Für eine Übergangszeit übernahm Gertrude Moos die Leitung der Buchdruckerei, bis zwei heute in Höngg sehr bekannte Brüder auf den Plan traten und ein neues Kapitel für den «Höngger» einläuteten. Mehr dazu im nächsten Teil (1966 bis 1976).
Die Inhalte – ein Überblick
Ab Oktober 1956 erschien «Der Höngger» wie gewohnt in Affoltern, Ober- und Unterengstringen, Weiningen, Regensdorf und Watt, seit 1951 auch in Wipkingen. Der Abonnementspreis betrug 5 Franken, die Zeitung erschien wöchentlich.
Im Nachruf auf Anton Moos ist zu lesen, dass es nie seine Absicht war, seinem Quartierblatt das Gesicht einer grossen Tageszeitung zu geben, noch mit einer solchen zu konkurrenzieren. Das bejaht auch seine Tochter Marie-Antoinette Lauer: «Mein Vater wollte die Stimmung im Dorf vermitteln, denn wir nannten Höngg ein Dorf – und tun es heute noch». Auf diese Weise produzierte Anton Moos den «Höngger» weiterhin.
In der Regel bestand die Zeitung aus zwei Seiten, sie erschien wöchentlich und war dicht gefüllt. Fotografien wurden mit der Zeit häufiger eingesetzt. Anton Moos veröffentlichte wie gewohnt Quartier- und Vereinsnachrichten, kirchliche Mitteilungen, politische Meldungen sowie Informationen zu Bauarbeiten und Verkehrsregelungen. Gedruckt wurden auch Eheverkündungen, Geburten und Todesfälle, ebenso Meldungen zu goldenen Hochzeiten. Jahresberichte – etwa des Quartiervereins Höngg oder des Ortsmuseums – hatten ihren festen Platz, ebenso die Reden zum 1. August.
Wiederkehrend waren Hinweise auf Maskenbälle, die offenbar auf grosses Interesse stiessen. «Die Fröhlichen sollen leben, denn die Fröhlichkeit ist die Würze des Lebens», hiess es.
1100 Jahre Höngg
Über viele Ausgaben hinweg berichtete die Zeitung ab 1957 über «1100 Jahre Höngg». Anlass war eine Urkunde des Grossmünsterstifts aus dem Jahr 858, in der Höngg erstmals als Siedlung erwähnt wird. 1958 wurde dies mit einer Festwoche vom 4. bis 12. Oktober begangen.
Geplant waren unter anderem eine Festhütte für 1500 Personen auf dem Schulhausplatz Bläsi, Veranstaltungen in Turnhallen, Kunstausstellungen, Schülertreffen, Tanz und Unterhaltung, Gottesdienste und Vorträge. In der Vorberichterstattung hiess es: «Das Organisationskomitee hat mit der Durchführung dieser 1100-Jahrfeier keine leichte Aufgabe übernommen, ist aber gewillt, sein Bestes zu leisten.» Den Berichten zufolge waren die Festtage ein Erfolg, auch wenn das Wetter nicht immer mitspielte.
Neubauten waren nicht erwünscht
Ein weiteres Thema waren Neubauten. Im Dezember 1957 berichtete «Der Höngger» über die Überbauung am Meierhofplatz – den «neuen» Rebstock, mit Visualisierung. Die Zeitung sprach von «einer wohl gelungenen Lösung für die Schaffung eines Quartierzentrums». Neben dem Restaurant wurde auch auf das Kino mit 350 Plätzen hingewiesen. Das «Kino Zentrum» und sein Programm wurden danach regelmässig erwähnt, ebenso die Gründung einer «Kulturfilm-Gemeinde».
1959 berichtete «Der Höngger» ausführlich über die Einweihung des reformierten Kirchgemeindehauses: «Die Zeiten sind längst vorbei, als neben der Kirche das Pfarrhaus für das kirchliche Leben genügte.» Nicht alle Projekte stiessen auf Zustimmung. Kritik gab es etwa an der Alterssiedlung Bombach, insbesondere am geplanten Hochhaus: «Ob man es wahrhaben will oder nicht: Ein Hochhaus in einem Gebiet, das zu 90 Prozent überbaut ist, bedeutet eine Anmassung für seine nähere Umgebung.» Auch der «Abschied vom Idyll Hönggerberg» war Thema, ausgelöst durch geplante Überbauungen: «Häuserblöcke werden entstehen, vielleicht auch Hochhäuser für die ETH.»
Im März 1960 wurde der Abbruch der «Rose» vermeldet: «Wiederum schliesst eine alte Höngger Wirtschaft ihre Pforten.» Kurz darauf folgte der Artikel «Dorfkern im Umbruch». Darin war zu lesen, dass es den Zeugen vergangener Zeiten «an den Kragen gehe». Genannt wurden der Kempfhof und die Alte Trotte. Und: Nach dem Rebstock standen auch die «Linde» und die «Rose» vor Veränderungen.
Begrüsst wurde dagegen die geplante Badeanlage. 1962 schrieb der «Höngger», es sei an der Zeit, dass das Quartier Höngg mit seinen 14’000 Einwohnern berücksichtigt werde. Dies war der Auftakt für das spätere Bad «Zwischen den Hölzern», das in ein «landschaftlich reizvolles, windgeschütztes Wald- und Wiesentälchen» zu liegen kommen sollte.
«Der Höngger» erschien auch 1966 weiterhin regelmässig, Gertrude Moos nahm das Zepter in die Hand und der Abonnementspreis war inzwischen auf 8 Franken angestiegen.
Das digitale Archiv: Dank an die Schmid-Wörner-Stiftung
Stöbern, Recherchieren, Entdecken, Wiederfinden oder Suchen: 100 Jahre «Höngger Zeitung» bedeuten eine Menge Lesestoff – und gleichzeitig sind diese Informationen auch zeitgeschichtliche Dokumente. Die Zentralbibliothek Zürich hat im Auftrag der «Höngger Zeitung» sämtliche Ausgaben ab dem 1. Oktober 1926 eingescannt und stellt das digitale Archiv nun laufend kostenfrei auf ihrer Website zur Verfügung.
Ein Vorhaben, das dank der Schmid-Wörner-Stiftung in Höngg realisierbar war, welche die Kosten übernommen hat. Die Stiftung unterstützt Kultur und Soziales, gemeinnützige Projekte und Institutionen sowie Bedürftige im Quartier Zürich-Höngg. Herzlichen Dank an den Stiftungsrat der Schmid-Wörner-Stiftung, der damit das digitale Archiv ermöglicht hat.
