In der Aula der Schule Lachenzelg herrscht an diesem Dienstagnachmittag ein munteres Kommen und Gehen. Hier, wo sonst Musikunterricht und Elternabende stattfinden oder Abschlussarbeiten präsentiert werden, ist eine kleine Messe aufgebaut – an 14 verschiedenen Ständen informieren Gewerbetreibende und lokale Unternehmen über ihre Berufe. Klassenweise treffen die Schülerinnen und Schüler hier ein, schlendern von Stand zu Stand und informieren sich über Vorzüge und Nachteile der jeweiligen Berufe.
Bereits seit mehr als 16 Jahren organisiert der Elternverein der Schule jeweils im Frühling diesen Anlass für die Klassen der zweiten Sekundarschule, um eine kleine Hilfestellung bei der Suche nach dem Job oder auch «nur» einer Schnupperlehre zu leisten. An manchen der Stände stehen alte Bekannte – für einige Betriebe ist die Teilnahme am Anlass so etwas wie Tradition.
Der Malerbetrieb Kneubühler, das Architekturbüro Knörr, der Steiner Flughafebeck, Koller Metallbau oder auch die Apotheke im Brühl – sie alle sind schon seit Jahren mit von der Partie. Andere sind noch nicht so lange dabei – oder gar das erste Mal vertreten – wie zum Beispiel die Stadtpolizei Zürich.
Polizist als Zweitausbildung
Ihr Stand scheint bei den Jugendlichen beliebt zu sein – ein Eindruck, den Andreas Gallmann von der Polizei bestätigt. Das Interesse an ihrem Job sei gross gewesen, berichtet er – und das, obwohl eine Ausbildung bei der Polizei direkt nach Abschluss der Sekundarschulzeit gar nicht möglich ist. Um für die Stadtpolizei arbeiten zu können, müsse man entweder eine bereits abgeschlossene Lehre oder eine Matur vorweisen.
Doch viele Interessierte seien vorbeigekommen, um zu schauen, was für die Ausbildung nötig ist und welche Möglichkeiten der Beruf bietet. Neben der Information über das Berufsbild schätzten es die Standbetreiber aber auch, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen – «vor allem in einem solch entspannten Rahmen wie der Berufsmesse», erklärt Gallmann. Stehe man sich auf der Strasse gegenüber, sei die Stimmung dagegen ja oft ein wenig angespannt.
Sich selber treu sein
Auch die Firma Strabag ist in diesem Jahr das erste Mal vor Ort und vertritt die Baubranche. Im Innenhof des Schulhauses können die Jugendlichen bei den Maurern direkt selber Hand anlegen und versuchen, Backsteine ohne grosse Zwischenräume aufeinander zu schichten – das ist gar nicht so einfach.
Fikri Kosumi, Ausbildungskoordinator bei der Firma, ist vom Interesse der Jugendlichen angetan. Positiv bewertet er auch die Möglichkeit, im Rahmen der Berufsmesse Vorstellungsgespräche üben zu können. Insgesamt haben rund 40 Jugendliche das neue Angebot wahrgenommen und sich mit Vertretern von Firmen zu einem Bewerbungsgespräch getroffen.
«Ich finde es toll, wenn die Jugendlichen sich trauen und auf das Experiment einlassen», so Kosumi. Denn die Situation ist nicht ganz einfach für sie – vor fremden Leuten eine Bewerbungssituation zu simulieren, erfordert schon ein wenig Mut. Und was rät er in solch einem Gespräch? In seinem Beruf, so erklärt er, seien in puncto Zeugnisnoten insbesondere die Mathematiknoten wichtig.
Auf die anderen Fächer achte er weniger – dafür aber umso mehr auf die Kreuze auf der Rückseite, die das Verhalten abbilden. Ein entscheidender Punkt, um im Gespräch zu überzeugen, sei auch, möglichst authentisch rüberzukommen und sich so zu geben, wie man wirklich ist.
Wachsendes Interesse
Positive Worte findet in diesem Jahr auch der Höngger Malermeister Andreas Kneubühler. Nachdem er vor drei Jahren in dieser Zeitung berichtet hatte, wie schwierig es sei, Auszubildende für seinen Beruf zu finden, zeigt er sich nun zufrieden. «Wir hatten dieses Jahr sehr viele Interessenten. Jill, unsere Lernende, die den Stand betreute, war sehr beschäftigt», schmunzelt er. Das Angebot mit den Bewerbungsgesprächen habe er in diesem Jahr leider noch nicht durchführen können – «aber im nächsten Jahr mache ich da sicher mit», versichert er.
Zufrieden mit der Berufsmesse sind auch Zoe, Tabea und Keyla. Die drei Schülerinnen haben sich unterschiedliche Berufe angeschaut – von Automobilfachfrau über die Polizei und den Detailhandel bis zur Fachfrau Apotheke. Der Traumjob war für die drei bis anhin zwar noch nicht dabei, momentan tendieren sie eher zu einer kaufmännischen Ausbildung.
Doch die Berufsmesse beurteilen sie dennoch positiv – und sind dankbar für das Angebot, im eigenen Schulhaus einen Einblick in die verschiedenen Berufe zu erhalten.
Die Aussteller an der Berufsmesse
Apotheke im Brühl AG
Coop Berufsbildung
Stadtpolizei
Koller Metallbautechnik GmbH
Kenny’s Autocenter AG
Kneubühler AG Malergeschäft
Knörr Architekten AG
Willi & Landolt Elektro AG
Stadt Zürich Sozialdepartement – Young Talents
Stadt Zürich, Brückenangebot JOB PLUS
Steiner Flughafebeck AG
STRABAG AG
Zweifel Chips und Snacks AG
