Seit Oktober 1967 gaben Erich und Louis Egli mit ihrer Buchdruckerei AG Höngg den «Höngger» heraus (wir berichteten im Teil 5 dieser Reihe) und sie erfanden die Zeitung quasi neu. Wie die beiden im Interview erklären, machte die Arbeit für die Quartierzeitung rund 45 Prozent der Firmentätigkeit aus.

Der «Höngger» erschien wöchentlich für «Höngg und Umgebung», auch Berichte über Wipkingen und Oberengstringen kamen vor. Meist umfasste er acht bis zehn Seiten, der Abonnementspreis betrug jährlich 16 Franken. Gedruckt wurde der «Höngger» an der Pfingstweidstrasse in der Bananenreiferei, wo sich die Brüder Egli eingemietet hatten.

Kamen die Artikel zunächst noch grösstenteils ohne Bilder aus, sorgten die zahlreichen Inserate für Abwechslung. Und während in der Ära Anton Moos sehr wohlwollend berichtet wurde, erschienen nun zeitweise durchaus freche, manchmal provokante und fast boulevardeske Texte. Anfang der 1980er-Jahre wurde etwa die Schlagzeile «Sex-Schoppen» gedruckt, wobei es um das Sexualstrafrecht ging. Auch auf einem Inserat war viel nackte Haut zu sehen – wenn auch gezeichnet.

«Ich habe die redaktionellen Inhalte so organisiert, dass ich viele eingesandte Texte verwendete», sagt Louis Egli im Interview mit dem «Höngger». «Weil ich konnte nicht für alle schreiben, die einen Artikel wollten.»

Die Inhalte

Fasnacht in Höngg war ein grosses Thema.

Zwischen 1976 und 1986 entwickelte sich Höngg zunehmend zu einem modernen Zürcher Quartier. Die Inhalte im «Höngger» boten einen guten Überblick über das Quartierleben mit Texten von Vereinen, Kirchen, politischen Parteien und Institutionen.

Regelmässig wurde beispielsweise über das Wümmetfäscht berichtet, bei dem im Oktober 1976 offenbar rund 500 Ballons aus Höngg in die Luft stiegen. Auch eine in der Zeitung abgedruckte Ehrentafel für alle Freiwilligen, die das Quartierfest ermöglichten, gehörte dazu.

Populär war das «Salzkorn der Woche»: «Musik heisst es, sei die Sprache des Herzens. Man könnte es nicht immer meinen, wenn man hört, was heute manchmal unter dem Titel Musik läuft», schrieb etwa C. G. Salis. Ähnlich beliebt war der Kommentar «Vo Höngg us gsee» vom «Kari vo Höngg». Er schaute über den Tellerrand hinaus und bot Ironie, Witz und treffende Beobachtungen.

Auf der Frontseite gehörte der Leitartikel meist einem mehr oder weniger grossen Thema. Es ging um gesellschaftliche Fragen, Politik, Projekte und um Gott und die Welt. So etwa im April 1977 mit dem Beitrag «Total fraulich». Darin wurde festgehalten, dass eine Frau sowohl als Berufstätige wie auch als Hausfrau Erfüllung finden könne. Die Ansicht, eine Hausfrau sei deshalb nicht emanzipiert, sei «Bockmist».

Angst vor Hochhäusern

Die klassische Bildnachricht als Aufreger der Woche.

Ein grosses Thema war der Verkehr. Auch die Schaffung eines Quartierzentrums beschäftigte Bevölkerung und Politik immer wieder – Themen, die bis heute aktuell sind. Berichtet wurde zudem gerne über Bauprojekte: über die Renovation des reformierten Pfarrhauses etwa, die «Angst» vor den Hochhäusern im Rütihof, die Grundsteinlegung der Altersresidenz Riedhof im Jahr 1979 sowie die damals geplante Kunsteisbahn auf dem Hönggerberg. Im August 1980 die Schlagzeile: «Hurra, Hurra, das neue Hallenbad Bläsi ist eröffnet.»

Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl vom 26. April 1986 war auch im «Höngger» das Leitthema am 7. Mai. Im Zentrum stand jedoch weniger der Unfall selbst als die Zukunft der Kernenergie. «Der Vorfall dürfte konsequenzträchtiger und viel gefährlicher sein, und diese Katastrophe beschäftigt und trifft ja auch uns», hiess es.

Weiter schrieb die Redaktion: «Es gibt Leute, die lehnen jeden Ausbau von Energiegewinnung ab, was ihr gutes Recht ist. Aber es gibt kaum welche, die auch nur am Rande auf die Annehmlichkeiten der Elektrizität verzichten und weitere Konsequenzen in Kauf nehmen möchten.»

Höngg im Bild

Auch der Martin Cup wurde fleissig dokumentiert.

Ab 1978 tauchten schliesslich vermehrt Schwarzweissbilder und Illustrationen auf. Ab Anfang der 1980er-Jahre erschien mit «Höngg im Bild» die klassische Bildnachricht. Gezeigt wurden unter anderem Abbruchhäuser, Verkehrssituationen oder Schadensereignisse.

Viel Aufmerksamkeit erhielt der Dachstockbrand an der Ackersteinstrasse 207/209 vom 31. Juli 1985, da zufällig ein Fotograf anwesend war. Der «Höngger» machte im Jahr 1986 einen wirtschaftlich erfolgreichen Eindruck. Besonders fällt die umfangreiche Werbung auf.

Im Oktober jenes Jahres erschien die Zeitung weiterhin wöchentlich, der Abonnementspreis betrug mittlerweile jährlich 24 Franken.

Das digitale Archiv

Die Zentralbibliothek Zürich hat im Auftrag der «Höngger Zeitung» sämtliche Ausgaben ab dem 1. Oktober 1926 eingescannt und stellt das digitale Archiv nun kostenfrei auf ihrer Website zur Verfügung. Ein Vorhaben, das dank der Schmid-Wörner-Stiftung in Höngg realisierbar war, welche die Kosten übernommen hat. Die Stiftung unterstützt Kultur und Soziales, gemeinnützige Projekte und Institutionen sowie Bedürftige im Quartier Zürich-Höngg.
Zur Website: zop.zb.uzh.ch