Mittlerweile dürfte die Geschichte des Musicals «Mamma Mia!» fast allen bekannt sein. Die originale Bühnenfassung mit den Abba-Hits sprengte Rekorde, und die Hollywood-Verfilmung mit Meryl Streep wurde zum Millionenseller. Dennoch eine kurze Erinnerung: Auf einer griechischen Insel betreibt Donna eine kleine Pension, während sich ihre Tochter auf die Hochzeit vorbereitet. Diese will unbedingt ihren bis anhin unbekannten Vater einladen – doch genau das wird zum «Problem». In einem Tagebuch ihrer Mutter findet Sophie Hinweise auf gleich drei mögliche Kandidaten. Kurzerhand lädt sie alle drei Männer ein. Das sorgt für reichlich Tumult – und für viel Musik und Tanz auf der sonst so friedlichen Insel.
«Mamma Mia!» funktioniert weltweit: Das Musical wurde bereits in 16 Sprachen aufgeführt, darunter Deutsch, Schwedisch, Spanisch, Koreanisch, Französisch und Niederländisch. Warum also nicht auf Schweizerdeutsch? Eric Hättenschwiler und Dominik Flaschka (Dialoge) sowie Roman Riklin (Songtexte) gaben der Geschichte einen Mundartanstrich. Ab dem 7. Mai erobern nun Donna (Sandra Studer) und Sophie (Judith von Orelli) bis am 14. Juni die Maag-Halle – im gewohnten Setting und in vertrauter Sprache.
Heimkehr auf die Musicalinsel
Mit auf der Insel: die Hönggerin Maja Xhemaili-Luthiger. Für die diplomierte Bühnentänzerin und Musicaldarstellerin ist die Produktion so etwas wie ein Heimkommen, wie sie dem «Höngger» erzählt. Bereits vor acht Jahren stand sie bei den Thunerseespielen in «Mamma Mia!» auf der Bühne; ebenfalls unter der Regie von Dominik Flaschka.
«Es ist ein grossartiges Stück, und das Ensemble ist besonders im ersten Teil gefordert», sagt Xhemaili-Luthiger. Ironischerweise hielt die Hönggerin früher nicht besonders viel von Abba-Songs. Mit dem Engagement änderte sich das jedoch. Im Hinblick auf die kommenden Shows sagt sie: «Ich nahm an, ich müsste die für meine Rolle erforderlichen Choreografien und Noten neu lernen. Doch mein Körper schien sich noch sehr gut an die Shows in Thun zu erinnern.»
Einen besonderen Bezug hat sie inzwischen auch zu einem der Lieder: «Slipping Through My Fingers» erklingt im Musical, wenn Donna realisiert, wie schnell ihre Tochter erwachsen wurde. «Seit drei Jahren bin ich selbst Mutter eines Kindes. Deshalb kann ich mich in diesen Song sehr gut einfühlen», sagt Xhemaili-Luthiger.
Plan B im Hinterkopf
Ursprünglich wollte Xhemaili-Luthiger eine Ballerina werden und absolvierte die Grundausbildung u.a. an der Schule des Opernhaus Zürich. «Doch ich war zu klein für eine klassische Ballettkarriere», sagt sie. Deshalb entschied sie sich für eine Musicalausbildung an der Hamburg School of Entertainment und bildete sich später in New York und Zürich weiter.
Mit Erfolg: Seither steht Xhemaili-Luthiger regelmässig auf der Bühne. 2017 war sie beispielsweise in der Operette «Das Land des Lächelns» am Opernhaus Zürich zu sehen sowie in «Tanz der Vampire» in Wien. In Emmen spielte sie in «Sister Act», und 2019 war sie Choreografin für «Jesus Christ Superstar». Zuletzt, im Jahr 2025, gehörte sie zum Cast von «Der Glöckner von Notre Dame» in Thun.
«Ich hatte zunächst einen Plan B und bin ausgebildete Primarlehrerin. Das gab mir etwas Gelassenheit. Unterrichtet habe ich bislang jedoch wenig, da es mit dem Bühnenberuf vorwärts ging.» Ein Beruf, der die junge Mutter auch privat fordert. Da ihr Mann, Lavdrim Xhemaili, ebenfalls Darsteller ist (wir berichteten), sind die Arbeitszeiten der jungen Eltern unregelmässig – die Unterstützung der Familie sei daher unentbehrlich. «Bislang funktioniert das sehr gut. Wie es in ein paar Jahren aussieht, werden wir sehen», sagt Xhemaili-Luthiger. Sie hofft, dass Höngg auch künftig ihr Lebensmittelpunkt bleibt: «Wir leben enorm gerne hier im Quartier.»
