Letzten Samstag hatte ich wieder einen dieser Tage, die man getrost in die Tonne kloppen könnte. Einen, an dem nichts aufgeht und man sich sicher ist, dass sich die Welt gegen einen verschworen hat. Er fing schon doof an: Es gab viel zu viel zu tun, um alles unter einen Hut zu bringen. Hier rennen, dort rennen und trotzdem das Gefühl haben, auf der Stelle zu treten.
Am späten Nachmittag erreichte die Moral dann endgültig ihren Tiefpunkt: Mein Kater wurde angefahren und musste notfallmässig ins Tierspital eingeliefert werden. Die Nerven lagen blank. Zu der nervlichen und emotionalen Belastung kam nun auch noch ein organisatorisches Problem. Denn wie kann man in einen vollen Tag noch einen Tierarztbesuch mit voraussichtlich mehreren Stunden Wartezeit reinpressen?
Genau, das klappt nicht. Also musste ein anderer Termin dran glauben. Und das war ausgerechnet mein Lieblingstermin für diesen Abend, die Betreuung des Begegnungsraums beim Bundesasylzentrum. Samstagsabends steht der Raum allen Bewohnenden des BAZ und der Quartierbevölkerung offen, alle können vorbeikommen, Spiele spielen, Kaffee trinken und auf den kleinen Herdplatten kochen.
Wegen meiner Absage musste der Raum nun an diesem Abend geschlossen bleiben. Sehr schade. Für mich, vor allem aber für die Bewohnenden des Asylzentrums, die den Raum am Samstagabend gerne nutzen. Denn es ist für sie fast die einzige Möglichkeit, ihre eigenen Speisen zuzubereiten, während sie im Zentrum normalerweise vorgefertigte Mahlzeiten aus der Kantine erhalten. Umso grösser war denn auch die Enttäuschung bei den Gästen, als sie sahen, dass sich an diesem Abend die Türen nicht öffneten, sondern meine Kollegin lediglich kurz vorbeikam, um einen Zettel an die Glastüre zu kleben: «Heute geschlossen», stand da nun in allen möglichen Sprachen.
Besonders traurig war eine Gruppe von Jugendlichen, sechs 14-jährige Jungs, die aus dem Asylzentrum rübergekommen waren, um sich eine leckere Mahlzeit zuzubereiten. Sie hatten extra ihr ganzes Geld zusammengeworfen, um sich die Zutaten zu besorgen und es war klar, dass all diese Einkäufe verderben würden, bis sich ihnen die nächste Kochgelegenheit bieten würde.
Diese Enttäuschung wiederum konnte meine Kollegin nicht mit ansehen. Und kam auf eine geniale Idee. Der Raum musste zwar geschlossen bleiben, aber bei ihr zu Hause gab es ja schliesslich auch eine Küche! Spontan lud sie die sechs Jungs zum Kochen ein. Und während ich die Zeit im Tierspital totschlug und auf einen positiven Befund hoffte, schickte sie mir Fotos von ihrem spontanen Happening.
Nicht nur die Jungs waren glücklich, sondern auch sie. Was für starke, verbindende Bilder: Wildfremde, die sich trotz oder gerade aufgrund misslicher Umstände zusammentun, um gemeinsam einen unbeschwerten Abend zu verbringen. Mein Groll auf den Tag und die gesamte Menschheit war schlagartig verflogen.
Zum kleinen Glück braucht es doch gar nicht so viel: gutes Essen, ein paar Freunde und Mitmenschen, die das Herz auf dem rechten Fleck haben. Und der ganze Rest lässt sich schon viel einfacher ertragen.