Ein Jahr lang dauerte der Umbau, nun sind die Bauarbeiten abgeschlossen: Nach den Sommerferien können sich die Schülerinnen und Schüler der Schule Waidhalde über zusätzlichen Platz freuen: Die ehemalige Kirche Wipkingen, oberhalb der Rosengartenstrasse und direkt neben dem Schulhaus Waidhalde gelegen, wird dann zur Schule.

In den altehrwürdigen Gemäuern stehen den Kindern und Jugendlichen ab August ein Mehrzwecksaal, die Bibliothek, verschiedene Räume für Verpflegung und Betreuung sowie, in der oberen Ebene, ein Sommersaal zur freien Nutzung zur Verfügung.

Eine bestechende Idee

Vorzone mit Blick in den Mehrzwecksaal. (Foto: das)

Doch zuerst war die Presse an der Reihe: An einer Medieninformation präsentierten die Stadträte Balthasar Glättli vom Schul- und Sportdepartement sowie Tobias Langenegger vom Hochbaudepartement gemeinsam mit der Präsidentin der Kreisschulpflege Waidhalde, Gabriela Rothenfluh und Michael Hauser, Kirchenpfleger der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Zürich, das Pilotprojekt direkt vor Ort.

Sie veranschaulichten, welche baulichen Massnahmen unternommen wurden, um einerseits die Kirchenräume nutzbar machen zu können, andererseits aber auch die bestehenden Strukturen erhalten und die Einbauten gegebenenfalls auch wieder rückgängig machen zu können.

Dabei setzte das mit der Umsetzung des Projekts betraute Architekturbüro Vécsey Schmid Architekt*innen aus Basel auf eine bestechend einfache Idee: Rund um das Kirchenschiff, entlang des Chors, wurde eine Holzwand eingezogen, die nicht nur mittig gelegen einen grossen Saal entstehen lässt, sondern rundherum lauter kleinere, verbundene Räume generiert.

Der Sommersaal mit Seitenempore. (Foto: das)

Der mittig gelegene Saal wird als Mehrzwecksaal genutzt werden, rundherum kommen Räume für die Betreuung sowie die Bibliothek zu liegen. Dank der Durchlässigkeit der Räumlichkeiten und die zahlreichen Türen bleibt der Kirchenraum trotz Unterteilung so dennoch erfahrbar.

Und durch die neu eingezogene Decke für den Saal entsteht ein zweites Stockwerk, das zumindest im Sommer als Multifunktionssaal genutzt werden kann. Im Winter wird dieser Raum weniger zur Verfügung stehen, da dieser nicht geheizt werden wird.

9,3 Millionen kam der Umbau die Steuerzahlenden zu stehen und bewegte sich damit im Rahmen des Ausführungskredits.

Notwendig trotz stagnierender Zahlen

Der Umbau, so schwärmte Glättli, stelle nicht nur ein Pilotprojekt dar, sondern sei auch der Inbegriff einer Win-Win-Situation für Stadt und Kirchgemeinde: Die Stadt könne so dem Platzproblem begegnen, die Kirche ihren Gemäuern wieder Leben einhauchen.  

Und den Kritikern der Schulraumplanung, die neue Schulbauten angesichts sinkender Schülerzahlen für unnötig hielten, entgegnete er, dass diese Zahlen in der Stadt Zürich entgegen vieler anderslautender Aussagen in der Presse nicht einbrechen, sondern sich vielmehr auf hohem Niveau stabilisierten.

In der «neuen» Kirche Wipkingen. (Foto: das)

Gabriela Rothenfluh, die Präsidentin der Kreisschulpflege für den Schulkreis Waidberg, ergänzte diese Aussagen: Selbst wenn momentan die Zahlen der Schülerinnen und Schüler keine grossen Steigerungen mehr erführen, müssten die Kinder, die in den geburtenstarken Jahrgängen in den Kindergarten kamen, in Zukunft ja  auch in der Primar- und Sekundarstufe betreut werden.

Die Schule Waidberg habe zudem momentan bereits schon mit Platzproblemen zu kämpfen, insbesondere bei den Betreuungseinheiten. Schliesslich werde die Schule seit 2024 als Tagesschule geführt und beherberge über 30 Klassen.

«Reuse» und «recycle»

Bei den Bauarbeiten, so zeigte sich auf dem an die Ausführungen anschliessenden Rundgang unter der Führung von Helga Schützeichel vom Amt für Hochbauten, wurde auf zahlreiche Details geachtet. So war nicht nur die mögliche Rückbaubarkeit der Installationen ein grosses Thema, sondern auch der nachhaltige Umgang mit den vorhandenen Ressourcen.

Es sei, so Schützeichel, darauf geachtet worden, alles, was noch verwertbar gewesen sei, auch wieder zu verwenden. So zum Beispiel die Kirchenbänke: Aus ihnen wurde Täfer gefertigt, der die Wände der Betreuungseinheiten schmückt – und damit auch gleich zur Isolierung der Räumlichkeiten beiträgt.

Leuchten aus dem Chor der Kirche wurden umgekehrt aufgehängt wieder installiert, Einbauschränke und Fliesen durften in manchen Räumen bestehen bleiben, auch wenn sie, so Schützeichel, vielleicht nicht ganz den Schönheitsvorstellungen der aktuellen Zeit entsprächen.

So wird die gesamte Kirche mit allem, was dazugehört und gehörte, zur Schule. Die gesamte Kirche? Nicht ganz. Der Kirchturm, so erklärte Schützeichel auf Anfrage dieser Zeitung, bleibt der Schule vorenthalten. Die Glocke wird also weiterhin zur vollen und ganzen Stunde schlagen – und nicht etwa das Ende der Schulzeit anzeigen.

Bei der Medienkonferenz: Tobias Langenegger, Michael Hauser, Balthasar Glättli und Gabriela Rothefluh. (Foto: das)