Die Höngger Werdinsel ist ein Geschenk: Sie ist Badi und Naherholungsgebiet zugleich. Allein die Tatsache, dass es sich um eine Insel handelt, macht den Ort für viele unwiderstehlich – für Gross und Klein, aus nah und fern. Genau das wird immer öfter zum Problem.

«Es herrscht auf und neben der Werdinsel im Moment Anarchie», schreibt eine Anwohnerin der «Höngger»-Redaktion. Sie wohne direkt an der Winzerhalde und erlebe den Ansturm an schönen Tagen aus nächster Nähe. Verschärft werde die Situation zudem durch die Baustelle an der Winzerhalde (der «Höngger» berichtete). Die Fahrspur sei derart eng, dass es regelmässig zu Staus komme.

Hinzu komme, dass die Barriere auf der Werdinsel-Brücke seit Wochen offen stehe. Dadurch würden Besucherinnen und Besucher mit Mopeds und Autos bis auf die Werdinsel fahren, so die Leserin. Noch gravierender sei aus ihrer Sicht jedoch die häufige Missachtung der Parkverbote. Laut der Anwohnerin würden Baustellenabschrankungen teilweise sogar entfernt, um unerlaubtes Parkieren zu ermöglichen. «Es spricht sich mit Sicherheit herum, dass man dafür keine Busse mehr kriegt», mutmasst sie.

Die «Höngger Zeitung» machte sich am Wochenende vom 27. und 28. Juni selbst ein Bild vor Ort: Mehrere Autos, E-Bikes und Mopeds standen im Parkverbot. Bei der Werdinsel-Brücke war die Schranke geöffnet.

39 Parkbussen

Die «Höngger Zeitung» konfrontierte die Stadtpolizei mit den geschilderten Beobachtungen. Mit Blick auf das betreffende Wochenende gingen bei ihr lediglich zwei Meldungen wegen falsch parkierter Fahrzeuge ein. Weitere Meldungen, welche die Werdinsel oder die Winzerhalde betrafen, wurden nicht registriert. Unabhängig davon stellte die Stadtpolizei an diesem Wochenende insgesamt 39 Parkbussen bei der Werdinsel aus.

Zur Schranke bei der Werdinsel-Brücke hält sie fest, dass für diese nicht die Polizei zuständig sei. Berechtigte Personen dürfen die Zufahrt passieren. Konkret: Wie eine frühere Nachfrage bei Immobilien Stadt Zürich ergab, handle es sich bei der Werdinsel Zürich um eine Freihaltezone, in der das Parkieren in der Regel nicht erlaubt ist. Das Parkplatz-Regime für die Werdinsel wurde aber im Jahr 2024 angepasst: Die Kulturabteilung der Stadt Zürich entschied damals, die Parkplätze für die Theater Neumarkt AG zu bewilligen, die in der ehemaligen Spinnerei über diverse Räumlichkeiten verfügt.

Wie die Stadtpolizei weiter ausführt, gelte auf der Werdinsel beziehungsweise den Zufahrten ein dreiteiliges Fahrverbot für Motorwagen, Motorräder und Motorfahrräder. Fahrräder und Leichtmotorfahrräder hingegen dürfen die Strecke befahren, sofern kein allgemeines Fahrverbot signalisiert ist. Dazu gehören E-Roller, E-Scooter und E-Lastenfahrräder, die nicht mehr als 25 Stundenkilometer fahren und kein Nummernschild tragen.

Die Stadtpolizei führe weiter im Rahmen ihrer Patrouillen- und Reviertätigkeit sporadisch Kontrollen durch und ahnde dabei festgestellte Gesetzesverstösse. Zudem rücke sie auf entsprechende Meldungen hin aus, verschaffe sich vor Ort einen Überblick und handle gemäss den gesetzlichen Vorgaben.

Der Fischerweg wird gesperrt

Grafik der Umleitung auf die Werdinsel, Dienstabteilung Verkehr.

Dennoch nimmt die Sorge der Anwohnerschaft nicht ab – im Gegenteil: Sie wächst. Denn die Wasserversorgung Zürich wird im unteren Bereich des Fischerwegs, auf der anderen Seite der Werdinsel, fünf neue Vertikalfilterbrunnen erstellen. Die Bauarbeiten dienen der technischen Erneuerung des Grundwasserfelds Hardhof und sollen langfristig die Versorgungssicherheit mit Trinkwasser gewährleisten.

Wie die Stadt auf Anfrage mitteilt, wird daher der Abschnitt des Fischerwegs zwischen dem Pumpwerk Fischerweg (unterhalb des Höngger Wehrs) und der Werdhölzlibrücke vom 20. Juli 2026 bis voraussichtlich Juli 2027 gesperrt.

Den Unterlagen der Stadt ist zu entnehmen, dass der «Velo- und Mofaverkehr» über die Werdhölzlibrücke in Richtung Kraftwerk und anschliessend zur Werdinsel-Brücke in die Winzerhalde umgeleitet wird. Fussgängerinnen und Fussgänger werden hingegen ab der Werdhölzlibrücke zur ehemaligen Spinnerei und anschliessend durch die Badi zum Höngger Wehr geleitet. Die Stadt Zürich kündigt an, die Umleitungen entsprechend zu signalisieren.

Nicht wenige aus der Anwohnerschaft befürchten nun eine Zunahme der Verkehrsaufkommen bei der Werdinsel – und eine Verschärfung der bereits beschriebenen Probleme.