Draussen schneits – zum wiederholten Mal diese Woche. Der Frühling verlängert seine Pause wohl noch um ein paar Tage. Doch das macht den Badegästen, die sich im städtischen Hallenbad Bläsi einfinden, nichts aus. Im Gegenteil: Im Bad sind die Temperaturen angenehm warm, das Wasser auf 29 Grad geheizt, da lässt es sich gut aushalten.

Das wissen auch die Personen zu schätzen, die heute wie an jedem Dienstagnachmittag hier trainieren: Der Behinderten-Sport Club Zürich (BSCZ) hat die äusseren zwei Bahnen für sich reserviert. Drei Teilnehmenden befinden sich bereits im Wasser, selbstständig oder mit Unterstützung von Kursleiterin Erika Köchling ziehen sie ihre Bahnen.

Andere stossen später dazu, die erste Gruppe kann flexibel von 17 bis 18.30 Uhr trainieren, danach ist bis 20 Uhr die zweite Gruppe an der Reihe.

Wenn das Schicksal zuschlägt

Die Badegäste kommen nicht nur aus Höngg, sondern aus der ganzen Stadt Zürich – und sogar von weiter her. So reist etwa Lina seit ihrem Wegzug aus der Stadt Zürich allwöchentlich aus dem Aargau an, weil es in ihrer Nähe kein derartiges Angebot gibt.

Andere haben es weniger weit – wie Peter, der in Höngg zu Hause ist. Er hat schon seine Kindheit hier im Quartier verbracht und war sogar einmal, wie er berichtet, der schnellste Höngger im 80-Meter-Lauf. Damals strebte er noch eine Laufbahn als Sportlehrer an und stand kurz vor seiner Ausbildung, als ein Autounfall seine Pläne jäh durchkreuzte. Lange lag er im Koma und war mehrere Jahre auf den Rollstuhl angewiesen, doch er kämpfte sich zurück – und nimmt das Sportangebot des Vereins nun gerne in Anspruch.

Mit Rettungsschwimmer-Kurs dabei

Auch Olaf Reinecke ist regelmässig als Helfer dabei. Seit seiner Pensionierung vor anderthalb Jahren engagiert er sich im Verein nicht nur als Helfer, sondern auch als Vorstandsmitglied. Heute ist er für den Empfang zuständig und wartet im Eingangsbereich des Hallenbads auf die Ankommenden.

«Ich bin selbst gerne im Hallenbad und ziehe hier meine Bahnen. Nach der Pensionierung wollte ich mich gerne sinnvoll engagieren und habe mich dem Verein angeschlossen», erklärt er seine Motivation.

Doch er ist nicht der Einzige, der die Teilnehmenden heute unterstützt. Weil viele in ihrer Mobilität stark eingeschränkt sind und bei der sportlichen Betätigung auf Hilfe angewiesen sind, ist eine grosse Anzahl von aktiven Freiwilligen nötig, um das Angebot durchführen zu können.

So sind ausser Reinecke und der Kursleiterin Köchling heute noch vier weitere Vereinsmitglieder zugegen: eine Assistentin im Wasser, welche die Teilnehmenden unterstützt, sowie drei weitere Mitglieder am Beckenrand, die beim Umkleiden behilflich sind und während dem Schwimmen vom Beckenrand aus den Überblick über das Geschehen im Wasser behalten.

Ein wenig Fachwissen ist nötig, um alle Teilnehmenden optimal zu unterstützen: So hat Reinecke einen eintägigen Rettungsschwimmkurs besucht, um als Helfer aktiv werden zu können. Wer die Schwimmenden im Wasser unterstützen möchte, muss einen mehrtägigen Ausbildungskurs besuchen, die Kursleiterin hat sogar eine mehrwöchige Ausbildung absolviert und ist neben ihrer Tätigkeit im BSCZ noch an zahlreichen weiteren Orten als Schwimmlehrerin und -trainerin aktiv.

Freiwillige immer willkommen

Der BSCZ kann auf eine lange Geschichte zurückblicken: Bereits seit 1958 bietet er Menschen mit geistigen und/oder körperlichen Beeinträchtigungen aus der ganzen Stadt zu einem geringen Betrag betreute Sportangebote an. Die Schwimmkurse gehören zu den wichtigsten Angeboten, weil durch den Auftrieb im Wasser auch für Menschen mit starker körperlicher Beeinträchtigung eine fast schwerelose Bewegung möglich ist.

Darüber hinaus wird im BSCZ aber auch geturnt sowie Badminton und Torball gespielt. Wettkämpfe und festliche Anlässe ergänzen das Jahresprogramm. Insgesamt zählt der Verein rund 320 Mitglieder, davon circa 200 Aktive. Doch der Bedarf an weiteren Personen, die helfen wollen, ist gross.

Unterstützung willkommen

Wer Interesse hat, den Behinderten-Sport Club Zürich als Freiwilliger zu unter­stützen, findet auf der Plattform karmalama.ch weitere Informationen.

Der grösste Kostenblock des Vereins sind die verbandsüblichen Entschädigungen an die Freiwilligen.

Für eine kostendeckende Finanzierung ist der BSCZ neben den Zuwendungen des BSV und des Verbands auf Spenden und Sponsoren angewiesen.

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