Begonnen hat alles vor acht Jahren in Bagan, Myanmar. Emilio Alvarez aus Madrid hörte zufällig die Zürcherin Angela Lohrer und ihre Freundin sprechen: «Ich habe die beiden reden gehört. Da habe ich mich gefragt, welche Sprache das wohl ist.» Aus einer kurzen Unterhaltung wurde eine gemeinsame Taxifahrt. Und daraus entstanden drei Monate gemeinsames Reisen durch Südostasien –  und schliesslich eine Beziehung.

Zunächst lebte Emilio in Berlin, nachdem er dort eine Stelle gefunden hatte. Die Distanz nach Zürich war dadurch kleiner, die Fernbeziehung blieb trotzdem belastend. Später zog es den Spanier beruflich zurück nach Madrid. Und nach einem Jahr folgte Angela nach Spanien.

Sechs Jahre lang bauten sie sich dort ein gemeinsames Leben auf. Die Zürcherin genoss das milde Klima und die spanische Küche, vermisste aber vieles aus der Schweiz: «Das gute Brot hat mir gefehlt. Und die Äpfel. Natürlich auch Freunde und Familie.»

Aus Madrid nach Höngg

Angela wollte nach dieser langen Zeit im Ausland wieder näher bei ihrem Umfeld wohnen. Deshalb kam sie im Sommer 2025 zurück in die Schweiz – Emilio samt Katze zogen im Februar nach. Die erste Wohnung in Höngg war als Übergang gedacht. Doch bald fanden sie im Quartier eine dauerhafte Bleibe. «Ich mag es sehr, hier zu wohnen. Ich bin gerne auf der Werdinsel und finde es toll, dass ich so schnell im Zentrum bin», schwärmt Angela.

Nach sechs Jahren in einer Millionenstadt schätzt sie die Balance zwischen Stadtnähe und Ruhe. Diese Mischung macht Höngg für viele attraktiv. Dass Höngg vor allem als Wohnquartier geschätzt wird, zeigt auch der Quartierspiegel Höngg der Stadt Zürich. Jedes Jahr ziehen rund 3500 Menschen neu ins Quartier.

Die Hälfte der Quartierfläche besteht aus Wald, dazu kommen Landwirtschaftsflächen und die Limmat mit der Werdinsel. Kein Wunder fühlen sich so viele Menschen hier wohl. Höngg verbindet viel Grün mit der Nähe zur Innenstadt und hat sich seinen Dorfcharakter bis heute bewahrt.

Ein Quartier, das Fremde willkommen heisst

Emilio spricht daher nicht zuerst von der Aussicht oder den Naherholungsgebieten, sondern von den Menschen: «Es fühlt sich an, wie in einem kleinen Dorf zu wohnen. Man kennt und grüsst sich.» Schon in der ersten Woche luden Nachbarinnen und Nachbarn das Paar zum Grillieren ein. «Hier herrscht ein Gemeinschaftsgefühl, welches an vielen Orten, insbesondere in Städten, verloren gegangen ist», sagt Emilio.

Ganz verschwunden ist Spanien aus dem Alltag des Paares trotzdem nicht: Emilio vermisst die langen Abende beim Tapas-Essen und die Spontaneität: «Hier macht man die Pläne schon weit voraus.» Dafür habe er in der Schweiz andere Gewohnheiten übernommen. Er lebe gesünder und treibe mehr Sport.

Eine Tradition hält er besonders gerne aufrecht: seine selbstgemachte Tortilla. Freunde und Familie seien bereits regelmässig in ihren Genuss gekommen. Lachend fügt er an, man dürfe sich für Tipps jederzeit bei ihm melden. Mit seiner Herkunft ist Emilio in Höngg übrigens nicht allein. Spanierinnen und Spanier sind laut dem Quartierspiegel die drittgrösste ausländische Bevölkerungsgruppe im Quartier – nach Italien und Deutschland.

Auch Angela hat etwas aus Spanien mitgenommen: Sie plant heute weniger weit voraus und lässt bewusst Platz für spontane Entscheidungen. Dass unterschiedliche Mentalitäten manchmal auch Diskussionen auslösen, gehört für beide dazu.

Ankommen beginnt mit Deutsch

Während Angela beruflich wieder in der Schweiz angekommen ist und als Kindergartenlehrperson eine Stelle gefunden hat, arbeitet Emilio derzeit intensiv an seinem nächsten Schritt: Er sucht einen Job als Data Consultant. In Madrid arbeitete er bereits in dieser Branche. Der Einstieg in den Schweizer Arbeitsmarkt sei wegen seiner noch nicht perfekten Deutschkenntnisse anspruchsvoll. Daneben besucht er einen Deutsch-Intensivkurs. «Ich mag Deutsch, ich sehe die Schönheit darin und finde es spannend, die Sprache zu erkunden», so Emilio.

Geübt wird nicht nur im Unterricht, sondern auch zu Hause. Das Paar spricht meist Englisch, die Sprache ihres Kennenlernens. Immer häufiger wechseln sie aber ins Deutsche oder Spanische. Manchmal landen alle drei Sprachen im gleichen Satz. Selbst die «Höngger» Zeitung gehört inzwischen zu Emilios Lernmaterial.

Zuhause ist mehr als ein Ort

Fragt man Emilio, was Zuhause heute bedeutet, denkt er zuerst an den steilen Aufstieg am Wettingertobel: «Zuhause bedeutet im Moment Schmerzen in den Beinen vom steilen Nachhauseweg.» Dann wird er ernst und ergänzt: «Vor allem bedeutet es Frieden und sich wohlfühlen.»

Vielleicht beschreibt genau das ihre Geschichte. Zwei Menschen, die sich am anderen Ende der Welt begegneten, in Spanien gemeinsam Wurzeln schlugen und nun in Höngg einen Ort gefunden haben, der beides verbindet: die Verlässlichkeit der Schweiz und die Gelassenheit Spaniens.

«Die Mischung macht es aus», sagt Emilio. «Die strukturierte Vorgehensweise der Schweiz und Spaniens Improvisationsgeschick.» Für Angela und Emilio hat das Ankommen in Höngg gerade erst begonnen.

Quartierspiegel 2026

Weitere spannende Zahlen und Fakten zum Quartier aus dem Quartierspiegel Höngg 2026.