Quartierleben
100 Jahre «Höngger», Teil 2: 1936 bis 1946
«Der Höngger» blieb auch während des Zweiten Weltkriegs seiner Linie als unabhängige Zeitung treu. Trotz schwieriger Umstände nahm das Leben laut den damaligen Berichten in Höngg und Umgebung fast seinen gewohnten Lauf.
3. März 2026 — Daniel Diriwächter
Es ist nicht überliefert, inwiefern der sich abzeichnende Krieg auf die Buchdruckerei von Anton Moos auswirkte. Seit dem Tod seines Bruders Franz gab Anton Moos die Zeitung im Alleingang heraus. Er produzierte und verlegte den «Höngger» an der Ackersteinstrasse 159 im Buchdruckverfahren.
Im Jahr 1936 erschien «Der Höngger» auch in Affoltern sowie in den Gemeinden Ober- und Unterengstringen, Weiningen, Regensdorf und Watt. Der Abonnementspreis betrug 4 Franken bei wöchentlicher Erscheinung; die Zeitung wurde noch nicht als Gratisblatt verteilt.
Es war eine Zeit, in der man in Höngg grossen Wert auf den Dorfcharakter legte, trotz der neuen Zugehörigkeit zur Stadt Zürich. Bereits vor der Eingemeindung 1934 wurde eine Sondervorschrift für den Dorfkern erlassen, die dafür sorgen sollte, dass das Zentrum von Höngg seinen ländlichen Charakter nicht verliert. Diese Regelung wurde erst 1946 durch die allgemeine städtische Bauordnung ersetzt.
«In ernster Stunde»
In der Ausgabe vom 2. Oktober 1936 wurden die «Eidgenössischen Wehranleihen» beworben. Auf der Titelseite war zu lesen, «nur eine schlagfertige Armee wird das Land vor fremder Einmischung schützen können».
Inhaltlich blieb Anton Moos seiner Linie treu: Vereinsnachrichten, Lokales, Amtliches, ein Feuilleton sowie Informationen aus Höngg, aus der Stadt Zürich und aus den erwähnten Nachbargemeinden prägten das Blatt. Ebenfalls im Angebot: der Höngger Wohnungsanzeiger.
Die Ausgabe vom 1. September 1939 erschien am Tag des Überfalls der deutschen Wehrmacht auf Polen, welcher den Zweiten Weltkrieg auslöste. Im Leitartikel «Unser Land in ernster Stunde» wurde berichtet, dass der Bundesrat die Grenzschutztruppen aufgeboten habe. Eine Woche später wurde ein «Schweizer Gebet» auf der Titelseite abgedruckt.
Daneben stand eine Mitteilung des Zürcher Stadtrats: «Tausende von Einwohnern unserer Stadt müssen ihre Arbeit verlassen, um dem Ruf des Vaterlandes Folge zu leisten.» Zudem wurde die Bevölkerung ermahnt, Ansammlungen und Kundgebungen auf öffentlichem Grund zu unterlassen.
Die Kriegsjahre
Der Zweite Weltkrieg war im Alltag deutlich spürbar. Es wurden Lebensmittel rationiert: Brot, Fleisch, Zucker, Butter oder Kaffee waren nur noch mit Lebensmittelkarten erhältlich. Im April 1940 schrieb Anna Neidhardt-Fischer von einem «tragikomischen Intermezzo bei der Ausgabe der Karten»: Man habe die Gesamteinwohnerschaft Hönggs an einem einzigen Datum zur Abholung gebeten, was offenbar in einem grossen Gedränge resultierte.
Der Krieg blieb im «Höngger» ein wichtiges Thema (z.B. die Kriegsschaden-Fürsorge oder die Soldatenweihnacht). Doch zugleich bildete er das lokale Alltagsleben ab. Bereits Ende 1939 war vom «Wiederbeginn der Turnstunden» des Turnvereins Höngg die Rede und das Gewerbe inserierte fleissig.
Und bei den Vereinsnachrichten quasi als Dauergäste abonniert waren unter anderem der Blaukreuz-Verein Höngg, der Fussballclub Höngg, die Standschützen Höngg, der Frauenverein Höngg, der Musikverein «Eintracht» Höngg und der Männerchor «Sängerbund» Höngg.
Ein schwarzer Tag
Dass der Krieg ungemein nah war, zeigte sich am 22. Dezember 1940, als Bomben auf das Familienhaus des Ehepaars Meier-Mötteli an der Limmattalstrasse 23 fielen. Britische Flugzeuge hatten eigentlich Mannheim im Visier. «Der Höngger» schrieb: «Die erste Fliegerbombe, die je auf Zürich abgeworfen wurde, musste ein Haus unseres friedlichen Quartiers treffen.» Eine Person wurde damals beim Einsturz getötet, vier wurden verletzt. Es sei ein schwarzer Tag für die Höngger Lokalgeschichte, schrieb unsere Zeitung.
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Im Januar 1941 dann eine halbe Seite mit Rezepten, trotz allem: «Der Wein in der Küche». Denn, so war nachzulesen, habe das «Kriegsjahr eine sehr reiche Weinernte» gebracht. Es gab Rezepte für Schmoräpfel und Schmorbraten. Und nicht zu vergessen: Ein Glas Wein tauge auch als Freudenspender.
Später, im Mai 1943, dann eine Botschaft vom Verschönerungsverein: «Auch im dritten Kriegsjahr war es uns vergönnt, unsere Arbeit in Frieden durchzuführen», so der Wortlaut. Im selben Jahr berichteten der Männerchor sowie der Frauen- und Töchterchor von einer gelungenen Abendunterhaltung in der «Mühlehalde». Der Saal sei bis auf den letzten Platz gefüllt gewesen.
Nach dem Krieg
In Europa endete der Zweite Weltkrieg am 8. Mai 1945 mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Im «Höngger» war am 11. Mai zu lesen, dass der Bundesrat die neue Lage erörtert habe. Das Kriegsende wurde jedoch nicht als dominierendes Leitthema inszeniert. Vielmehr berichtete die Zeitung weiterhin ausführlich über das lokale Leben. Das Abonnement kostete inzwischen 4.50 Franken.





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