100 Jahre: Der «Höngger» schreibt Geschichte

Am 1. Oktober 1926 erschien mit dem «Korrespondenzblatt» die erste Ausgabe der heutigen «Höngger Zeitung». Hundert Jahre später berichtet die Zeitung noch immer über das Quartier und ist fest in Höngg verankert.

Damals und heute: der Titel der ersten Ausgabe vom 1. Oktober 1926, damals noch «Korrespondezblatt», und der Titel der aktuellen Ausgabe vom 1. Oktober 2026.

Lokaljournalismus wird gerne belächelt, dabei ist kaum eine Medienform näher dran am Geschehen. Was im Lokalblatt steht, wird genau gelesen; am Erscheinungstag gibt es für die Urheber der gedruckten Worte kein Entrinnen. Heute gilt Lokaljournalismus sogar als Hoffnungsträger der Branche: Er erzählt Geschichten, die sonst nirgends stehen.

Das wussten Franz und Anton Moos: Am 1. Oktober 1926 brachten sie das «Korrespondenzblatt» für Höngg heraus (der «Höngger berichtete). Die Zeitung schrieb über Vereine, Kirchen und die damalige Gemeinde Höngg (die Eingemeindung fand erst 1934 statt). Bis 1967 gab die Buchdruckerei Moos die Lokalzeitung heraus; aus dem «Korrespondenzblatt» war inzwischen «Der Höngger» geworden.

Danach übernahmen die Brüder Erich und Louis Egli die Zeitung. Sie modernisierten den «Höngger» und berichteten frischer, bisweilen auch frecher über das Quartiergeschehen.

Als die Höngger für ihren «Höngger» kämpften

Ende 2002 suchten die Gebrüder Egli eine neue Trägerschaft. Die Zukunft der Quartierzeitung wurde Thema in anderen Medien: Der «Zürich Express» schrieb «Ein Allrounder nimmt den Hut» – gemeint war Louis Egli, das langjährige Gesicht des «Hönggers». Der «Tages-Anzeiger» titelte: «Die Höngger kämpfen für den Höngger.» Schliesslich fand sich eine Lösung: Für das operative Geschäft wurde die Quartierzeitung Höngg GmbH gegründet.

Als einzige Gesellschafterin entstand die Stiftung Höngger Quartierzeitung, deren zentrale Aufgabe es ist, den Fortbestand der Zeitung langfristig zu sichern. Es bildete sich ein erster, im Quartier breit verankerter Stiftungsrat mit Vertreterinnen und Vertretern aus den Kreisparteien, Landeskirchen, dem Quartierverein, Gewerbe und der Zunft Höngg. Treibende Kraft bei der Gründung und erster Stiftungsratspräsident war der ehemalige Nationalrat und Höngger Ernst Cincera.

Die «Höngger Zeitung» heute

Seit 2011 erscheint die Quartierzeitung unter dem Namen «Höngger Zeitung». 2016 kam die Schwesterzeitung «Wipkinger Zeitung» hinzu; sie erscheint viermal jährlich und wird seit 2025 als «Höngger Wipkinger» geführt. Seit Sommer 2022 leitet Petra England das Inseratewesen, Daniel Diriwächter verantwortet die Redaktion. Stiftungsratspräsident ist Benedikt Gschwind.

Es ist ein kleines Team, das den «Höngger» alle zwei Wochen in einer Auflage von 13’500 Exemplaren herausgibt: vier Festangestellte – darunter noch Dagmar Schräder und Jasmine Osterwalder – teilen sich ein Pensum von weniger als 300 Prozent. Für die externe Grafik zeichnen Oliver Staubli von Bartok und Annie Wehrli verantwortlich. Ursula Merz ist für das Korrektorat alle zwei Wochen als freie Mitarbeiterin im Einsatz.

Die Quartierzeitung ist heute längst mehr als die gedruckte Ausgabe: Mit hoengger.ch und den Social-Media-Kanälen berichtet sie auch laufend online. «Heute produzieren wir quasi mehrere Zeitungen», sagt Daniel Diriwächter. Die neuen Kanäle sind fester Bestandteil der redaktionellen Arbeit.

Finanziell getragen wird die Zeitung aber nach wie vor von der Printausgabe. «Als unabhängiger Verlag finanzieren wir uns eigenständig. Das ist in der heutigen Zeit anspruchsvoll und nur möglich, weil die Zeitung im Quartier breit verankert ist. Gewerbe, Vereine und Institutionen unterstützen uns, indem sie bei uns inserieren», erklärt Petra England.

Für den Präsidenten des Stiftungsrates, Benedikt Gschwind, geht es darum, von grossen Verlagen unabhängige Quartiermedien mit hohen journalistischen Standards zu produzieren. Dafür will die Stiftung den Profis den Rücken freihalten und sie bei Bedarf in strategischen Fragen und bei grösseren Investitionen unterstützen. «Für uns hat sich das Organisationsmodell mit der breiten Verankerung in Höngg und Wipkingen sehr bewährt», sagt Gschwind.

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