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Sport 1 Kommentar

Schneidern und schiessen

17. November 2015 von

Foto: Malini Gloor

Silvia Guignard-Schnyder im Höngger Armbrustschützenstand auf dem Hönggerberg.

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17. November 2015

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Die Höngger Armbrustschützen dürfen eine Weltmeisterin in ihrem Verein beherbergen: Silvia Guignard-Schnyder hat an der Armbrust-Weltmeisterschaft im russischen Ulan-Ude dieses Jahr die Goldmedaille geholt – wie schon im Jahr 2003, als sie den Armbrustschützen Höngg beitrat.

Entspannt sitzt Silvia Guignard-Schnyder, 41, vor dem Armbrustschützenstand auf dem Hönggerberg in der Sonne und erinnert sich an die Reise gegen Ende August nach Russland: «Ulan-Ude ist in Sibirien. Mit dem Schweizer A-Kader der Armbrustschützinnen- und schützen, alle zwischen 17 und 41 Jahre alt, reiste ich für zehn Tage hin und muss sagen: Die Menschen, die wir dort kennengelernt haben, waren sehr herzlich. Es gab feines Essen und es war vom Klima her gleich wie bei uns.»

Ausflug an den Baikalsee mit Krankenwagen und Polizeibegleitung

Aufgefallen ist ihr, dass die Wiesen nicht so saftig-grün sind und dass rund um die hüttenartigen Häuser der Bewohner hohe Holzwände stehen. «Leider habe ich es versäumt zu fragen, vor was die schützen sollen.» Ein Erlebnis war der Car-Ausflug an den Baikalsee in Begleitung eines Krankenwagens und der Polizei. «Man sagte uns, dass dies aus Sicherheitsgründen normal sei – wir fühlten uns aber zu keinem Zeitpunkt von irgendjemandem bedroht.»
An der Armbrust-Weltmeisterschaft – bei den Frauen in der 10-Meter- Distanz waren rund 18 Personen aus der ganzen Welt vertreten – erkämpfte sie sich die Einzel-Goldmedaille. Innert eineinhalb Stunden mussten stehend 40 Schuss abgegeben werden. Bei den Team-Wettkämpfen erreichte sie in der 30-Meter-Distanz Team-Silber. «Beides freut mich natürlich sehr. Zudem bin ich damit automatisch wieder ins A-Kader gerutscht, in welchem ich von 1998 bis 2010 bereits war. Ich verliess es damals aus persönlichen Gründen.»

Was ist die Faszination?

Was ist die Faszination am Armbrustschiessen für die Frau, welche im Berufsleben Schneiderin im Orthopädiebereich ist und Verbrennungsanzüge und Kompressionsanzüge anfertigt? «Ich schiesse ja auch sonst noch, 300 Meter Standard- und Sturmgewehr, 50 Meter Kleinkalibergewehr und 10 Meter Luftgewehr. Es macht mir Spass, weil man mit mentaler Kraft ziemlich viel erreichen kann. Der Schiesssport bringt Konzentration, Kraft und Ausdauer unter einen Hut. Beim Armbrustschiessen, wo ich kniend und stehend schiesse, muss der Körper sehr gut funktionieren.»
Sie sei es gewohnt, sich für ihr zeitaufwändiges Hobby immer erklären zu müssen: «Oft wird mein Sport gleich mit Krieg und Herumgeballere gleichgesetzt. Das ist jedoch nicht so. Meine Sportgeräte sind für mich keine Waffen, und mir würde es nie in den Sinn kommen, sie gegen Mensch oder Tier einzusetzen, denn dazu sind sie nicht da.» Was hält sie von den Lärm-Vorwürfen, mit denen Schützen immer konfrontiert werden? «Armbrustschiessen verursacht ja keinen Lärm, aber 50-Meter-Pistole und 300-Meter-Grosskaliber sind laut. Der Schweizer Schiesssportverband SSV, die Kantonalverbände und die Vereine versuchen in Zusammenarbeit mit den Gemeinden, Kantonen und dem Bund für alle Seiten optimale Lösungen zu finden.»

Üben für die Bundesliga-Teilnahme

Das Schiessen begleitet Silvia Guignard-Schnyder schon seit ihrem 17. Lebensjahr: «Ich bin im schwyzerischen Siebnen-Wangen aufgewachsen, und wir erhielten von der Gemeinde einen Jungschützen-Aufruf-Brief. Doch alleine als Mädchen? Das wollte meine Kollegin nicht und ich ebenso wenig, also meldeten wir uns zusammen an und schossen erstmals mit dem Sturmgewehr 57. So kam meine Sportlerkarriere in die Gänge.»
Ob kniend, liegend oder stehend, sie war bei Feldschiessen und beim Rütlischiessen dabei und kam so mit 24 Jahren zum Armbrustschiessen. Ein Jahr später war sie bereits in der Armbrust-Nationalmannschaft. Ob beim Schiessen mit Gewehr oder mit der Armbrust, Silvia Guignard-Schnyder räumte schon viele Titel ab: «Ich war zweimal Weltmeisterin im 10-Meter-Armbrust-Schiessen, 2003 und 2015, erreichte den 8.Rang 50-Meter-Kleinkaliber ‚3×20‘ am Weltcup in Südkorea 2009, war zweimal Schweizermeisterin 10-Meter-Luftgewehr und bin beim 300-Meter-Sportgewehr ‚3×20‘ Schweizermeisterin 2015.»
Ihr Können gibt sie als Gewehr-Trainerin für 15- bis 20-Jährige weiter. Auch mit Jugendlichen zu tun hat sie beim Knabenschiessen: Als Mitglied des Gabenkomitees ist sie für das Erfassen und Etikettieren der rund 250 gespendeten Preise zuständig. Was macht die gelernte Damenschneiderin sonst noch in der Freizeit? «Mit meinem Mann Alain, auch er ein Schütze, sind wir vor allem reisend unterwegs – zu Schiessanlässen in der Schweiz und in Deutschland, denn ich bereite mich auf die Bundesliga vor. In einem Team von fünf Personen darf ein Ausländer pro Wettkampf starten», verrät Silvia Guignard-Schnyder.

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20. November 2015 um 09:51 von Baumann Hans-Ruedi

Gratuliere Ihnen zum WM-Titel, zu ihrem Willen, etwas zu erreichen, und dass sie nie auf Mensch und Tier schiessen würden.
Auch dem „Höngger“ einen Dank, dass sie den Artikel gebracht haben.