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Perfekte Synergie

29. November 2016 von

Emanuel Koller mit Kurt Laurenz Metzler

Foto: Patricia Senn

Metzlers Strassenmenschen

Von

Online seit
29. November 2016

Printausgabe vom
01. Dezember 2016
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Am Anfang stand ein Geländer aus Bronze, das Emanuel Koller für Kurt Laurenz Metzler machen sollte. Dann zog seine Firma ins Atelier des Künstlers, und heute schweisst Koller Metallbautechnik Metzlers Figuren.

Hinter der Werkstatt stehen sie in einer losen Gruppe: Skulpturen aus Aluminium, Eisen, Polyester. In den Farben des Rohmaterials oder leuchtend rot, knallblau. Es sind die «Strassenmenschen», und sie sind riesig. Emanuel Koller erinnert sich gut, wie der Plastiker Metzler ihn in seinem kleinen Keller der damaligen Glättli Metallbau in Höngg besuchte und sagte, «so kann man doch nicht arbeiten», und ihm einen Teil seines Ateliers anbot. Also fuhr der junge Metallbauer nach Dänikon und war begeistert von der 300 Quadratmeter grossen Halle – «hier kriegst Du wenigstens Deine Stangen um die Ecke», meinte Metzler nur. Sie sitzen im Büro der Metallbaufirma, Koller, der Handwerker, Metzler, der Künstler und sein Sohn Lorenzo, der ihm nicht von der Seite weicht, zumindest im übertragenen Sinn, denn er ist selber Kunstschaffender und Student. In den letzten Jahren ist er zur rechten Hand und zum Vermittler seines Vaters geworden. «Es ist nicht so, dass es schwierig wäre, mit ihm zu arbeiten», meint er, «aber die Leute verstehen nicht so gut wie ich, was er will und braucht. Es geht letztendlich auch darum, Zeit zu sparen». Wenn Metzler Senior mit jemandem nicht gut zusammenarbeiten kann, wird er unzufrieden und am Ende sind alle unglücklich: Der Künstler, der Handwerker und der Kunde.

Die gewisse Sensibilität

Auch Emanuel Kollers Mitarbeiter scheinen verstanden zu haben, was der Skulpturen-Erschaffer will. «Sie sind eben keine gewöhnlichen Schlosser», sagt Kurt Metzler, «sie besitzen eine bestimmte Sensibilität für die Kunst, sie sind selber kreativ». Metzler legt viel Wert auf gutes Handwerk, er selbst hat Bildhauer und Schmied gelernt und seine Kunstausbildung durch Auftragsarbeiten für andere finanziert. Er hat grossen Respekt für die Schweisser und Schlosser, die Hand an seine Skulpturen legen. Ein Freund schrieb einst in einem Buch über den Künstler: «Eisen. Stein. Metzler spricht mit Hochachtung von Schmieden, Steinbrucharbeitern. (…) Er hat von ihnen gelernt». Und obwohl er einen starken Charakter besitzt, lässt er ihnen bei ihrer Arbeit auch Freiheiten. Es bedarf einer gewissen Loyalität, dieses Vertrauen nicht zu missbrauchen und die feine Linie zwischen Handwerk und Kunst zu überschreiten. Darauf legt Emanuel Koller besonderen Wert und gibt das auch an seine Mitarbeiter weiter. Und die Loyalität geht in beide Richtungen: Sergej, ein Mitarbeiter der Koller Metallbau GmbH, verbringt in diesem Jahr schon viele Wochen in Siena, Italien, um Figuren für den Flughafen Singapur herzustellen. «Er ist Metzlers Liebling, jetzt will er nur noch mit ihm arbeiten. So geht das immer: Wenn er jemanden mag, will er nur noch den», verrät Emanuel mit einem halb ernstgemeinten Kopfschütteln, im Wissen darum, dass auch andere im Betrieb in der Lage wären, diese Arbeit zu machen. Jetzt dauere es ja nicht mehr lange, beschwichtigt Metzler, wohl wissend, dass der gute Mann auch im Betrieb vermisst wird.

Eine perfekte Synergie

Durch eine angesichts der grossen Halle winzig wirkende Türe gelangt man ins Atelier des Künstlers. Hier stehen Kunstwerke in allen Grössen und Farben, in einer Vitrine sogar der Pokal, den der ZSC im letzten Jahr nach Hause genommen hat. Auch das ein echter Metzler. Nahe beim Eingang stehen zwei angefangene Skulpturen für die Stadt Bülach, einer fehlt noch der Kopf. Obwohl ihn zurzeit der wichtige Auftrag für Singapur stark in Anspruch nimmt und er die meiste Zeit in Italien bei seiner Familie verbringt, sind Metzlers Figuren auch in der Schweiz durchaus gefragt. Er bespricht mit Koller und seinen Mitarbeitern anhand einer Skizze, einer Zeichnung oder einer Gipsfigur, was gemacht werden soll. Metzler zeichnet die Teile auf dem gewünschten Material vor, die Metallbauer schneiden sie aus, schweissen sie zusammen, füllen etwas aus und verschleifen die Nähte und Kanten. Emanuel Koller weiss inzwischen, wie der Künstler arbeitet und dass er am Schluss immer noch kleine Änderungen anbringen will. «Das ist tatsächlich auch das Schöne an Materialien wie Eisen oder Aluminium. Es ist nicht wie bei der Arbeit mit Stein: Wenn dort etwas weg ist, ist es für immer weg. Beim Eisen kann ich sagen, dort hätte ich noch gerne den Arm oder die Schulter etwas anders geformt. Dann schneidet er einen Teil weg und schweisst etwas Neues an diese Stelle», erzählt Metzler mit einem leisen Lachen. «Das machen sie wirklich perfekt». Aber es ist nicht nur die handwerkliche Qualität, die stimmt. Koller und Metzler waren sich von Anfang an sympathisch: «Mir gefiel seine Einstellung zur Kunst und zum Handwerk und dass er so voller Tatendrang ist» verrät Kurt Metzler, und fügt mit einem Seitenblick hinzu «auch wenn er die Figuren heute leider nicht mehr persönlich herstellen kann. Aber ich gönne ihm den Erfolg». Natürlich weiss er, dass die anderen Mitarbeiter die handwerkliche Qualität ebenfalls mitbringen. Es sei wichtig, sich auch auf einer zwischenmenschlichen Ebene gut zu verstehen, denn dort fände Kunst eben auch statt. Dieses Vertraute, Familiäre, das sei wichtig und gut, erklärt Lorenzo, der Sohn, der immer die richtigen Worte zu finden scheint. Später im Auto wird Emanuel Koller sagen, Kurt Metzler schaffe es mit seiner Art, dass man ein Fan von ihm werde. Sicher, die Metallbau GmbH lebe vom klassischen Metallbau, aber es sei einfach schön, auch für die Kunst arbeiten zu können.

Infobox
Kurt Metzler hatte von 1978 bis 1996 sein Atelier in Höngg am Lebristenweg. Von dort, gleich unterhalb des Müselis, blickten seine imposanten Figuren über die Stadt und eroberten Stück für Stück die Welt.

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