Höngger.ch

13°C12°C am 21. Oktober 2017
Dorfleben

«Hallo, Taxi!» − und eines fährt pauschal vor

22. Oktober 2014 von

Foto: Fredy Haffner

Stefan Löble am Meierhofplatz. Selbst beim Fototermin wurde er von einer Passantin erkannt und mit lobenden Worten bedacht.

Von

Online seit
22. Oktober 2014

Printausgabe vom
23. Oktober 2014

Das Zürcher Taxiwesen steht immer mal wieder in der Kritik, nicht zuletzt wegen der Preise. Auf den 1. Januar 2015 wurde eine Erhöhung angesagt, nun aber durch eine Einsprache blockiert. Unterdessen fährt ein Höngger Taxichauffeur einen pauschalen Weg – und sorgt für Gesprächsstoff im Gewerbe.

Am 17. Oktober erschien unter dem Titel «Feilschen im Taxi – jetzt auch in Zürich» ein Artikel über Stefan Löble im «Tages Anzeiger». Löble (50) zog mit 16 Jahren nach Höngg und blieb bis vor vier Jahren hier – dann «wanderte» er mangels bezahlbarer Wohnung nach Oberengstringen aus. Seit dem Artikel wird er dauernd und überall angesprochen: Von kritischen Berufskollegen und begeisterten Kunden. Ist Löble nun das schwarze Schaf oder der weisse Ritter der Branche? Er lacht herzhaft: «Von Kundenseite bekam ich ermutigende Feedbacks. Von Fahrerseite aber, ohne hier eine ‹Schäfchendiskussion› zu führen, waren 80 Prozent der Fahrer konsterniert bis schockiert.» Er mache den Markt kaputt, werde ihm nun vorgeworfen. Löble zeigt dafür ein gewisses Verständnis, sieht es aber anders: «Ich möchte mit günstigeren Preisen mehr Gäste zu einer Taxifahrt bewegen, denn für mich sind auch Kurzstrecken in der Menge attraktiv.» Kein Verständnis hat er für jene Fahrer, über die Kunden immer wieder klagen, weil ihnen – Beförderungspflicht hin oder her – Kurzstreckenfahrten verweigert wurden. «Vor allem am lukrativen Hauptbahnhof hört man das immer wieder. Gewisse Chauffeure finden, sie hätten nun eine Stunde gewartet und würden nun sicher keine Fahrt um die nächste Ecke annehmen», erzählt Löble, der sich seit Jahren über solche Geschichten ärgert. Er hat sich deshalb auch schon mit dem Taxigewerbe und der Polizei angelegt. «Doch beide schieben sich die Verantwortung zu. Das Taxigewerbe sagt, es könne nichts machen und die Polizei handelt nur auf eine Anzeige hin.» Wer aber erstattet schon wegen einer verweigerten Fahrt Anzeige, mit allem was folgt? Und so geschieht eben nichts.

Blockierte Tariferhöhung

Was aber geschah war, dass es Stefan Löble den Chauffeurhut «lupfte», wie er sagt, als der Zürcher Stadtrat am 10. September in der neuen Taxiverordnung ankündigte, die Höchsttarife für Taxifahrten auf den 1. Januar 2015 hin um rund 30 Prozent zu erhöhen: Die Grundtaxe soll von 6 auf 8 Franken, der Kilometer von 3.80 auf 5 Franken und die Wartezeit von 69 auf 79.80 Franken ansteigen. Dies sind gesetzliche Maximalpreise, sie dürfen nicht über-, wohl aber unterschritten werden. Was im Markt jedoch kaum jemand tut. Aktuell ist der Vorschlag wegen einer Einsprache blockiert, die Preise bleiben auch nach dem 1. Januar 2015 die alten.Interessant ist, wie es zu diesem Vorschlag kam: Löble erzählt, wie er vor drei Jahren, damals noch als Vizepräsident im Taxiverband Zürich, den neuen Tarifvorschlag zum ersten Mal sah. Vor anderthalb Jahren wurde dieser Höchsttarif dann auf Betreiben des grössten Taxiunternehmens am Flughafen bei der zuständigen Stadt Kloten beantragt. Doch Kloten und der Preisüberwacher lehnten ab: ein Drittel zu erhöhen, das sei zu viel.

Der «Zürcher Umweg»

In der Stadt Zürich obliegt es der vom Stadtrat ernannten Taxikommission, dem Stadtrat Vorschläge zu unterbreiten. Die Kommission besteht derzeit aus sechs Stimmberechtigten aus dem Gewerbe. Die Stadtpolizei hat den Vorsitz, selbst aber kein Stimmrecht.
Der Taxiverband und die Taxi-Sektion, beides Zusammenschlüsse der selbständigen Fahrer, sind in der Kommission vertreten, die Stimmenmehrheit vereinen jedoch die grossen Taxizentralen – zum Teil dieselben, die am Flughafen in der IG Airport Taxi das Sagen haben und dort mit der Preiserhöhung abgeblitzt sind.
Nun aber wurde derselbe Tarifvorschlag von der Taxikommission dem Zürcher Stadtrat vorgeschlagen. Der Verdacht drängt sich auf, dass der «Zürcher Umweg» primär zum Ziel hat, den Tarif für den Flughafen zu erhöhen, denn Kloten und Glattbrugg, so zeigt die Geschichte, übernehmen immer die Stadtzürcher Preise. Für die grossen Taxiunternehmen geht es dabei um Umsatzsteigerungen in Millionenhöhe. Ein Indiz für diesen Verdacht ist nicht nur die Geschichte, sondern auch der in der neuen Zürcher Taxiverordnung vorgesehene «Zuschlag für das Runterklappen von Sitzen», was am Flughafen wegen dem Gepäck oft, in der Stadt jedoch selten vorkommt. 

Viele Selbständige wollen nicht erhöhen

Löble ärgert sich: «Alles geht auf Kosten der Fahrgäste. Und die reagieren und fahren nur noch im Notfall Taxi.» Also beschloss er, einen anderen Weg zu fahren: Auf seinem Fahrzeug, einem Toyota Prius, sind als Einzigem in Zürich die Preise bereits aus­sen gut sichtbar angeschrieben und nicht nur innen, wie das die neue Taxi­verordnung auch vorsehen würde. Löbles Höchstpreise sind die alten und «die bleiben auch», sagt er, «selbst wenn der Höchsttarif dereinst doch noch angehoben wird.» Auch von vielen seiner selbständigen Kollegen hört er, dass sie die Preiserhöhung nicht mitmachen würden − zu gut ist ihnen in Erinnerung, wie sehr beim letzten Mal, im Oktober 2008, die Umsätze einbrachen. Und auch, dass Erhöhungen quer in der Landschaft stehen, denn vieles sonst wird entweder immer günstiger angeboten oder es gibt mehr Leistung für denselben Preis. Das erwarten Kunden auch beim Taxi, so die Meinung.

Es geht auch pauschal

Und so begann Löble mit dem, was man aus dem Ausland längst kennt: Er vereinbart auf Wunsch Pauschaltarife und arbeitet dabei absolut transparent: Auch bei einem vereinbarten Pauschaltarif schaltet Löble den Taxameter vorschriftsgemäss ein. Erst wenn der Pauschalbetrag erreicht ist, schaltet er «die Uhr» ab. Dann darf der Kunde wortwörtlich «erfahren», welche Strecke er nun noch gratis zurücklegt. Wird der vereinbarte Pauschalbetrag hingegen nicht erreicht, so ist der Preis des Taxameters rechtlich bindend, ganz egal welcher Preis vorher vereinbart worden war. «Meine Kunden gehen also absolut kein Risiko ein», betont Löble, «entweder sie freuen sich über die Gratisstrecke, die ich ihnen beim Abschalten auch oft ankündige, oder sie freuen sich, weil sie weniger bezahlen müssen, als ich pauschal angeboten hatte.» 

Für viele Strecken weiss Löble aus Erfahrung, welche Pauschale er anbieten kann. Und sonst kontaktiert er kurz Google Maps und berechnet die Strecke. Alles wäre und ist ganz einfach: einfach pauschal. Sogar im Taxi.

 

Einfach – pauschal Taxi

Zum Beispiel von Höngg an den Flughafen für pauschal 40 Franken oder an den Hauptbahnhof für 25 Franken.
Telefon: 044 210 32 32, täglich in der Regel von 6 bis 19 Uhr einsatzbereit, andere Zeiten auf Anfrage. Akzeptiert werden auch Promobil-Kreditscheine, Kredit- und Maestro- Karten.
www.einfach-pauschal.ch, E-Mail: info@einfachpauschal.ch

 

Zur Person 

Löble (50) absolvierte 1989 bei Taxi Jung die Taxi-Prüfung und fuhr danach lange für das Unternehmen. Dazwischen war er immer wieder auf Reisen: «Man kam heute zurück und konnte morgen arbeiten», erinnert er sich, «es hatte weniger Taxis und tiefere Preise, aber die Umsätze waren traumhaft.» Damals, so Löble, waren 500 Franken pro Nacht ein schlechter Umsatz – davon träumen heutige Taxichauffeure nur noch.
Löble ist Taxichauffeur aus Leidenschaft: «Ich mochte und mag noch immer das breite Spektrum an Menschen und Situationen, denen ich in meinem Beruf begegne».

Kommentare

Hinterlassen Sie einen Kommentar.


500