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«Ensemble»-Planer widersprechen

8. November 2017 von

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8. November 2017

Printausgabe vom
09. November 2017
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Nach dem Interview mit dem «Komitee gegen den Höhenwahn» in der letzten Höngger Ausgabe liessen die Reaktionen nicht lange auf sich warten. Nebst diversen Leserbriefen in dieser Ausgabe äussern sich im schriftlichen Interview nun auch die Projektverfasser der HRS Real Estate AG zum Thema.

«Höngger»: Was stört Sie am Vorschlag, dass das Stadion auch günstiger realisiert werden könnte und man dadurch einige Stockwerke einsparen könnte?

Andreas Netzle: Diese einfache Rechnung geht nicht auf. Die Kosten des Stadions wurden realistisch berechnet aufgrund der Anforderungen der Stadt und der Bedürfnisse der Clubs bezüglich Grösse, Erschliessung, Betriebsabläufe und Sicherheit. Es gibt auch Stimmen, die das Stadion lieber grösser hätten. Wenn man aber grundsätzlich gegen Hochhäuser an diesem Ort ist, dann helfen auch niedrigere Hochhäuser nichts.

Architekt Marcel Knörr weist darauf hin, dass es rein bautechnisch nicht möglich ist, günstige Hochhaus-Wohnungen zu bauen. Was sagen Sie dazu?

Die Gebäude wurden von Architekten geplant, die mit moderner Hochbautechnik Erfahrung haben. Die Zahlen wurden von Immobilienentwicklern und Baucontrollern nachgerechnet. Die Investoren würden sich nie auf ein solches Engagement einlassen, wenn Zweifel an den berechneten Kosten bestünden. Tatsache ist, dass ein Teil der Wohnungen etwas über dem Schnitt in Zürich West, aber niemals im Luxussegment liegen wird. Für das Segment der günstigen Wohnungen sieht das Gesamtprojekt «Ensemble» 174 auch Genossenschaftswohnungen der ABZ vor.

Ist die Befürchtung des Komitees, dass mit der Zeit ein Hochhausriegel im Tal entstehen wird, Ihrer Meinung nach nicht begründet?

Gerade für die städtebauliche Einordnung hat das Projekt «Ensemble» viel Lob von der Jury und auch von anderen Fachleuten erhalten. Zürich wird sich im Bereich der Hochhäuser weiterentwickeln, aber es wird weder «Riegel» noch Wildwuchs geben. Die Stadt verfügt über genügend Planungsinstrumente und Vorschriften, um die Entwicklung in den richtigen, städtebaulich verträglichen Bahnen zu halten. Darauf kann auf politischem Weg Einfluss genommen werden.

Aber ist es nicht stossend, dass die Stadt mit einem Gestaltungsplan die geltende Bauzonenordnung ausser Gefecht setzen kann und plötzlich die Regelungen zu den Freihaltungs- und Erholungszonen nicht mehr gelten?

Es gehört zum Wesen eines Gestaltungsplans, dass Ausnahmen von der ordentlichen Bauordnung gemacht werden können, wenn übergeordnete Interessen vorliegen und ein städtebaulich besseres Ergebnis erzielt wird. Beides ist beim vorliegenden Projekt der Fall. Jetzt ist die Politik am Zug. Nach der Auflage wird der Gemeinderat darüber befinden. Die Mitsprachemöglichkeiten sind also gesichert. Gewisse Aussagen bedürfen aber der Richtigstellung: Gemäss Bau- und Zonenordnung wird das ganze Areal aufgrund der geltenden Zonierung von den Regelungen zu Freihalte- oder Erholungszonen nicht berührt. Der Gestaltungsplan bleibt sogar hinter den Möglichkeiten der BZO zurück und reduziert die auf dem Areal zulässige anrechenbare Geschossfläche. Und das trotz der Möglichkeit, Hochhäuser zu bauen. Zudem beziehen sich die Hochhausrichtlinien der Stadt Zürich explizit auf das Seeufer, das frei von Hochhäusern bleiben müsse, und nicht auf das Flussufer.

Das «Komitee gegen den Höhenwahn» betont, dass sie nicht gegen ein Fussballstadion sind. Sind Sie grundsätzlich, insbesondere zu diesem Zeitpunkt der fortgeschrittenen Planung, noch bereit, alternative Lösungen zu diskutieren?

Das Projekt «Ensemble» hat den Wettbewerb der Stadt gewonnen, weil es in allen Belangen überzeugt hat. Von Anfang an wurde Transparenz geschaffen, das Projekt präsentiert, das Gespräch mit verschiedenen Interessengruppen geführt und auch die Anliegen der Anwohner so weit wie möglich aufgenommen. Aber das Projekt lässt sich nicht auf den Kopf stellen. Sonst geht das austarierte Modell für die Wohnbaugenossenschaft, die Fussballclubs und die Investoren nicht mehr auf.
Niedrigere oder gar keine Hochhäuser gäbe es nur, wenn die Stadt – also der Steuerzahler – das Stadion und den Betrieb bezahlt. Das hat das Zürcher Stimmvolk aber 2013 abgelehnt. Im Gegensatz zu den geplanten schlanken Hochhäusern würde ein niedriger und deshalb massiver Wohnbau vom Hang her etwas mehr Aussicht bieten. Dafür bliebe aber kein Freiraum mehr zwischen den Bauten und im Hardturm-Quartier kein Platz für das öffentliche Leben.

Andreas Netzle ist Leiter Marketing und Kommunikation und Mitglied der Geschäftsleitung der HRS Real Estate AG.

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