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Dorfleben

Damit der Kühlschrank wieder voll ist

21. Juni 2016 von

Foto: Malini Gloor

Muriel Schlatter (links) mit Elsy Steurer vor dem leeren Kühlschrank: Die Einkaufstasche wartet nur darauf, gefüllt zu werden.

Von

Online seit
21. Juni 2016

Printausgabe vom
23. Juni 2016
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Die Nachbarschaftshilfe Höngg ist die richtige Anlaufstelle für alle, welche Hilfe bei alltäglichen Verrichtungen wie etwa dem Einkaufen brauchen. Die Redaktorin des «Hönggers» besuchte die Seniorin Elsy Steurer und ihre ehrenamtliche Begleiterin Muriel Schlatter.

Mittwoch, kurz vor 15 Uhr: Die Höngger Seniorin Elsy Steurer, 80, sitzt mit Muriel Schlatter, 41, am Esstisch. Bald brechen die beiden zum wöchentlichen Einkauf im Coop auf.
Wie fand das sympathische Duo zueinander? Muriel Schlatter erzählt, dass sie als selbstständige Immobilienmaklerin viel mit Menschen, aber auch viel mit Vermögen zu tun habe. «Ich wohne nun seit vier Jahren in Höngg und wollte mich sozial engagieren. Beim Stöbern der verschiedenen Vereins- und Institutionswebseiten fiel mir die Nachbarschaftshilfe Höngg auf.»
Sie meldete sich, weil sie mit Menschen zu tun haben möchte, «ohne die monetären Aspekte, die in meinem Beruf eine Rolle spielen. Ich möchte der Gesellschaft etwas zurückgeben. Da ich gerne unterstütze und helfe, liegt für mich das Engagement bei der Nachbarschaftshilfe nah.»

«Ich schaufle mir die Zeit für Elsy gerne frei»

Seit Oktober 2015 begleitet Muriel Schlatter die Seniorin Elsy Steurer. Deren ehemalige Begleiterin fand eine neue Arbeitsstelle, und so trafen sich gleich zwei «Suchende». Da sie beruflich sehr ausgelastet sei, müsse sie sich den Mittwochnachmittag regelrecht freischaufeln, so Muriel Schlatter. «Das mache ich aber sehr gerne, denn kaum komme ich hier bei Elsy an, bin ich richtig entspannt und kann ‹herunterfahren›.» Elsy Steurer lacht und sagt: «Muriel kommt ab und zu gestresst hier an, dann sitzen wir kurz zusammen, sie fängt vor lauter Entspannung an zu gähnen und ich bekomme den Schluckauf, was mir sonst die ganze Woche nie passiert – dann wissen wir, es geht uns beiden gut!», so die ältere Dame zufrieden.
Bald wird das Taxi gerufen, welches die beiden zum Coop im Hönggermarkt fährt. In aller Ruhe hilft Muriel Schlatter der Seniorin beim Einkaufen. «Ich bin nicht mehr gut zu Fuss und sehe auch nicht mehr so scharf, deshalb ist Muriels Hilfe für mich sehr wichtig – ich bekomme so mehr Lebensqualität geschenkt.» Auf die Frage, ob sie sich gegenseitig Tipps zum Einkauf oder zum Kochen geben würden, sagt Elsy Steurer: «Muriel fragt eher mich, was sie wie zubereiten solle. Ich koche sehr gerne, jeden Abend gibt es bei mir etwas ‹Richtiges›.»

Die Sachen in den Kühlschrank ‹tätschen› und ein Gläschen Wein geniessen

Mit der gefüllten Einkaufstasche warten die zwei dann auf das Taxi, das sie wieder zurück zur Wohnung der Seniorin bringt. Und dann? «Dann packe ich die Tasche aus…», so Muriel Schlatter, «… und ich ‹tätsche› die Sachen in den Kühlschrank, der dann endlich wieder voll ist», beendet Elsy Steurer den Satz. Dann wird nicht Kaffee getrunken und geplaudert, sondern ein Gläschen Wein genossen und geplaudert.
«Ich mag Elsy sehr gern, und wir haben die gleichen Interessen. Sie ist viel gereist früher, und ich reise auch gerne. Es ist schön, mit jemandem reden zu dürfen, der über so viel Lebenserfahrung verfügt», so Muriel Schlatter.
Sie ruft dazu auf, sich bei der Nachbarschaftshilfe Höngg als ehrenamtliche Begleiterin oder Begleiter zu melden: «Gerade jüngere Leute in meinem Alter sollten sich ein, zwei Stunden Zeit nehmen – man bekommt so viel zurück. Klar, man hat viel zu tun im eigenen Leben. Aber was macht man nicht selten Unsinniges, welches auch mehrere Stunden dauert?» Auch Elsy Steurer schätzt das ehrenamtliche Engagement: «Ich könnte nicht mehr ohne sein. Obwohl ich auch Spitex-Dienste beziehe, was die Wohnungsreinigung betrifft, ist Muriels Hilfe beim Einkaufen absolut nötig. Dafür bezahle ich die Taxifahrt noch so gerne. Und ja, für mich ist Muriel eine Kollegin geworden.»

Nachbarschaftshilfe Höngg
Von ehrenamtlichen Helfenden wird folgendes angeboten:
Begleitung zum Arzt oder Therapeuten, auch für Kinder
Einkaufen
Gespräche, Vorlesen
Kino- oder Konzertbegleitung
Kleinere Reparaturen
Wohnungen hüten, Blumen giessen und Ähnliches
Spazieren, auch mit Rollator oder Rollstuhl
Unterstützung beim Einpacken, wenn der Umzug ins Altersheim ansteht

Seit März finden Sprechstunden jeweils donnerstags von 14 bis 16 Uhr im Haus Sonnegg an der Bauherrenstrasse 53 statt. Diese stehen den Freiwilligen des Vereins und der Kundschaft zur Verfügung. Das Büro im GZ Höngg/Rütihof ist am Dienstag von 17 bis 19 Uhr geöffnet.
Kontakt:
Telefon 044 341 77 00
E-Mail: hoengg@nachbarschaftshilfe.ch

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