Kirchen
«Zeit zum Loslassen»
Pfarrerin Anne-Marie Müller verlässt nach zehn Jahren ihre Gemeinde. Der Kirchenkreis zehn beging den Abschied Ende März in einer voll besetzten Kirche.
14. April 2026 — Redaktion Höngger
In Höngg war sie Seelsorgerin, Predigerin, Dichterin, Trauerbegleiterin und vieles mehr: Anne-Marie Müller wurde in zehn Jahren zur Vertrauensperson für viele Menschen. Nun wendet sie sich einem neuen Kapitel zu. In einem Interview mit ihrem Kollegen Beat Gossauer, nachzulesen in der März-Ausgabe des «reformiert.lokal», blickt die Pfarrerin zurück.
Müller sagt darin, dass die Seelsorge von Anfang an – schon während des Studiums und später in den 36 Jahren im Pfarramt – ihr zentrales Thema gewesen sei. «So viele Anliegen, Probleme, Trauer, Interesse, Not, auch von Heranwachsenden, auch von mir, würden Seelsorge benötigen. Schade, dass viele Menschen gar nicht auf die Idee kommen, dass Seelsorge helfen kann.»
«Du bist nicht allein, du bist gehalten»
Laut dem Interview arbeitete die Bernerin unter anderem vor ihrem Amtsantritt in Höngg in einem Pflegezentrum in Dielsdorf. Dort begleitete sie fast täglich Sterbende – und tat dies, wie sie sagt, sehr gerne. «Du bist nicht allein, du bist gehalten», lautete ihre Botschaft an jene Menschen. Schliesslich sei für sie aber die Zeit gekommen, in einer «quirligen Gemeinde» in der Stadt zu arbeiten – und sie fand diese in Höngg.
In ihrem Wirken hier habe sie vieles erlebt: Lebensgeschichten, Hochs und Tiefs, Trauer und Freude, Erinnerungen und ungelöste Konflikte – aber auch den Blick nach vorn. Auch ihr Gespür für Symbole kam zum Tragen: «In sehr vielen Gesprächen und Diskussionen ist ein Symbol, eine Bewegung, eine Farbe, eine Schachfigur weiterführend, anschaubar. Mehr als lange Erklärungen.»
Offene Worte und Sätze
Nun sagt Müller Adieu zu ihrer Gemeinde – ein Moment, der ihr nicht leichtfällt, wie sie im Interview mit Beat Gossauer einräumt. Doch das Loslassen sei eine der Aufgaben, die ihr gegeben sei. Wie sie der «Höngger»-Redaktion auf Nachfrage mitteilt, kehrt sie in ihre Heimat nach Wabern zurück.
Als Dichterin will sie weiterhin tätig sein – eine Aufgabe, für die sie ebenfalls geschätzt wird. «Gedichte sind offene Worte und Sätze, die Halt geben. Dies habe ich immer gebraucht. Gedichte bieten Raum zur eigenen Interpretation.»
Zudem suche sie weiterhin nach dem Sinn des Lebens – und finde ihn manchmal auch. Zum Abschiedsgottesdienst, geleitet von Yvonne Meitner, war die reformierte Kirche Höngg sehr gut besucht. Damit schliesst sich für Müller ein Kapitel und ein neues beginnt. (dad)
Quelle: «reformiert.lokal», Interview von Beat Gossauer





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