Quartierleben
Ergebnisse der Leserumfrage: Parkplatzsituation im Kreis 10 sorgt für Spannungen
Wo parkieren Sie? Diese Frage stellte der «Höngger Wipkinger» seiner Leserschaft in der Dezemberausgabe – und traf einen Nerv: 465 Personen beteiligten sich. Auch wenn die Umfrage nicht repräsentativ ist, machten sich viele dabei Luft. Und: Was hält Stadträtin Simone Brander von den Ergebnissen?
26. März 2026 — Daniel Diriwächter
Das Parkplatzthema ist ein Reizthema: Als der «Höngger Wipkinger» im Dezember zur Online-Umfrage einlud, nahmen 465 Personen teil. Erstaunlich war vor allem, wie viele Antworten auf die offenen Fragen eingingen: Über 1000 Kommentare waren das Resultat.
Die Umfrage diente vielen als Ventil: Auch wenn die Ergebnisse nicht repräsentativ für den Kreis 10 sind, zeichnen sie ein deutliches Stimmungsbild.
Zu den Resultaten: 53 Prozent der Teilnehmenden sind hauptsächlich in Höngg unterwegs, 30 Prozent in Wipkingen, 17 Prozent in beiden Quartieren. 74 Prozent besitzen ein Auto – deutlich mehr als im Quartierschnitt, der in Höngg bei 50 Prozent und in Wipkingen bei 30 Prozent aller Haushalte liegt (Quelle: Quartierspiegel).
Trotzdem ist das Auto nur für 33 Prozent das meistgenutzte Verkehrsmittel im Kreis 10. 21 Prozent sind am häufigsten mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs, 24 Prozent mit Velo oder E-Bike und 22 Prozent zu Fuss. Viele nutzen das Auto situativ, etwa für Freizeitaktivitäten oder Transporte.
Zufriedenheit nur mittelmässig
Die durchschnittliche Zufriedenheit mit der Parkplatzsituation liegt bei 3 auf einer Skala von 1 (sehr unzufrieden) bis 6 (sehr zufrieden). Ebenso wird die Schwierigkeit, einen Parkplatz zu finden, im Mittel mit 3 bewertet. Für 74 Prozent hat sich die Parkplatzsuche in den letzten zwei bis drei Jahren verschlechtert.
Am häufigsten wird in der Blauen Zone parkiert (57 Prozent). 42 Prozent suchen im Schnitt fünf bis zehn Minuten nach einem Parkplatz, 19 Prozent sogar elf bis zwanzig Minuten. Besonders schwierig ist es am Feierabend und abends. Als konkrete Problemzonen werden häufig die Ackersteinstrasse und der Meierhofplatz genannt. Dort führe der Parkplatzabbau zusammen mit Baustellen und neuen Velorouten zu zusätzlichem Suchverkehr und Frust.
Ablehnung des Parkplatzabbaus
54 Prozent lehnen den Parkplatzabbau klar ab, weitere 10 Prozent eher. Demgegenüber stehen 24 Prozent, die ihn klar befürworten, und 9 Prozent, die eher dafür sind. Gleichzeitig sprechen sich 39 Prozent grundsätzlich für Massnahmen wie Velovorzugsrouten oder mehr Grünflächen aus, 52 Prozent sind eher dagegen.
Diese Zahlen zeigen eine zentrale Spannung: Viele wünschen sich mehr Grün- und Aufenthaltsflächen, jedoch nicht auf Kosten bestehender Parkplätze. Besonders Anwohnende ohne private Garage, ältere Menschen oder Personen mit eingeschränkter Mobilität sehen sich benachteiligt.
Andere Stimmen betonen hingegen die Vorteile einer Reduktion des Autoverkehrs: weniger Lärm, weniger Abgase und mehr Sicherheit, insbesondere für Kinder. Kritisiert werden zudem Baustellenkoordination sowie eine als «einseitig» empfundene Verkehrspolitik. Andere verteidigen den demokratischen Kurs der Stadt.
Die vollständige Auswertung der Umfrage finden Sie hier.
So reagiert Simone Brander
Der «Höngger Wipkinger» hat die Umfrageergebnisse auch Stadträtin Simone Brander vorgelegt (das vollständige Interview lesen SIe hier). Die Vorsteherin des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements hält zunächst fest, dass in der Umfrage Personen mit Auto stark übervertreten sind.
Entsprechend habe die persönliche Betroffenheit wohl ein überproportionales Gewicht. «Viele befürchten, dass ihnen etwas weggenommen wird, und ich kann die Sorgen gut nachvollziehen. Gleichzeitig ist wichtig zu betonen: Die Stadt hebt keine Blaue-Zonen-Parkplätze auf Vorrat auf. Parkplätze werden stets gezielt umgenutzt, um beispielsweise die Verkehrssicherheit für Fussgänger*innen zu erhöhen oder um mehr Platz für den Veloverkehr zu schaffen», so Brander.
Auf die konkrete Situation in Höngg und Wipkingen angesprochen, würden, so die Stadträtin, die Zahlen ein ausgewogenes Bild zeigen: «Seit Anfang 2023 wurden im Kreis 10 in den Baugesuchen 566 zusätzliche private Parkplätze genehmigt, während 88 Blaue-Zonen- und 19 Weisse Parkplätze abgebaut wurden.»
Sie hält fest: «In der Gesamtheit wächst also die Zahl der Parkplätze. Und es stehen heute insgesamt auch in der blauen Zone mehr Parkplätze zur Verfügung, als es Anwohnerparkkarten gibt.» In den Resultaten kamen auch die wegfallenden Parkplätze für das Gewerbe zur Sprache. Diese seien ein wichtiges Thema und ein grosses Anliegen für Brander. «Die neue Parkkartenverordnung zielt darauf ab, diese Gruppen zu entlasten. Leider ist die erweiterte Gewerbeparkkarte aktuell durch Rechtsmittel blockiert.»
Der Wunsch nach Dialog
Die Umfrageresultate zeigen die Spannung zwischen Ablehnung und Befürwortung des Parkplatzabbaus. Hier sagt Brander, es komme auf die Stichprobe an: «Nehmen wir die Zustimmung zu den Abstimmungsvorlagen als Indikator, dürfte der Kreis der Befürwortenden weit grösser sein.» Aber als Stadträtin gehöre es für sie selbstverständlich zur Aufgabe, mit verschiedenen Meinungen umzugehen und alle Sichtweisen ernst zu nehmen.
«Um diese Meinungen zu kennen, ist es mir auch wichtig, mit den Menschen im Gespräch zu sein. Die ganzen Planungen entstehen nicht im stillen Kämmerlein, auch die Fachleute aus den Dienstabteilungen sind viel unterwegs in den Quartieren. Uns allen ist es ein Anliegen, dass die Fronten miteinander in den Dialog treten. Diesbezüglich zähle ich auch auf die Bereitschaft der Bevölkerung.»
Genannter Dialog ist neben pragmatischen Lösungen auch für viele Teilnehmenden der Umfrage wichtig. Brander ergänzt aber auch, dass sie dem Willen der Stimmbevölkerung verpflichtet sei – und das benötige eben auch eine gewisse Hartnäckigkeit.





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