Vom Paradeplatz zur ESPAS in Höngg

Rita Durschei, die langjährige Geschäftsführerin von ESPAS in Höngg, ging Anfang Juni in ­Frühpension. Ihre Stelle wurde von Michael Frei, ihrem bisherigen Stellvertreter, ­übernommen. Der «Höngger» hat mit beiden gesprochen.

Rita Durschei und Michael Frei. (Foto: zvg)

Rita Durschei hat die Stiftung ESPAS in unterschiedlichen Rollen, zuletzt als Geschäftsführerin, massgeblich geprägt. Per 1. Juni trat sie nun in den vorzeitigen Ruhestand – und übergab die Verantwortung ihrem Stellvertreter Michael Frei. Seit 13 Jahren ist er bei ESPAS tätig.

Angefangen hat er in der Zweigstelle Richterswil als Zweigstellenleiter, im Jahr 2014 wurde er Teil der Geschäftsleitung und war zunächst Bereichsleiter der Zweigstellen Richterswil und Winterthur. Der stellvertretende Geschäftsführer des Gesamtbetriebs ist er seit zwei Jahren. Anfangs Juni zieht er sein Büro nun nach Höngg um – und berichtet dem «Höngger», was ihm bei seinem Job wichtig ist und welche Ziele er erreichen möchte.

Michael Frei, die ESPAS ist mit 500 Beschäftigten ein grösserer Betrieb, aber in Höngg nicht sehr bekannt. Was macht Ihre Organisation genau?
Michael Frei: Unser Betrieb ist eine Sozialunternehmung, die sich zwei Kernaufgaben widmet: einerseits der Integration von Menschen mit physischen oder psychischen Beeinträchtigungen in den ersten Arbeitsmarkt, andererseits dem Angebot von angepassten Arbeitsplätzen für Menschen mit IV-Rente. Wir bieten berufliche Eingliederungsmassnahmen und Integrationsprogramme für rund 100 Personen an, können an unseren drei Standorten in Zürich, Richterswil und Winterthur rund 60 Lernende ausbilden und haben rund 260 Mitarbeitende in angepassten Arbeitsplätzen.

Welche Dienstleistungen bieten Sie darüber hinaus an?
Michael Frei: Wir sind auch ein professioneller Dienstleistungspartner und bieten mit unseren Beschäftigten eine breite Palette an verschiedenen Dienstleistungen für externe Kundschaft an: Wir haben in Höngg unter anderem eine Wäscherei, bieten einen professionellen Telefonservice, übernehmen Sekretariatsdienste für Vereine und die Lagerung und gesamte Bestellabwicklung für Webshops. Auch Versand und Konfektionierungsaufträge sind immer willkommen, wir übernehmen im Rahmen von Projekt Restwert den Verkauf gebrauchter Haushaltsgegenstände via Ricardo und führen ein firmeninternes Restaurant, das auch der Öffentlichkeit zur Verfügung steht.

Ursprünglich waren Sie im Bankwesen tätig. Was hat sie bewogen, in den sozialen Bereich zu wechseln?
Michael Frei: Richtig, ich war über 20 Jahren im Bankwesen, habe am Paradeplatz in Führungsfunktion bei einer Grossbank gearbeitet. Doch mit rund 40 Jahren hatte ich das Bedürfnis, etwas anderes zu machen – einen Job auszuüben, der mir mehr Sinnhaftigkeit gibt. Gleichzeitig reizte es mich weiterhin, in einer Führungsposition zu bleiben. Deswegen habe ich mich auf die ausgeschriebene Stelle als Zweigstellenleiter bei ESPAS beworben.

Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?
Michael Frei: Ja definitiv, ich schätze an meiner Tätigkeit sehr, etwas bewegen zu können und zu sehen, wie die eigene Arbeit Wirkung zeigt. Das hilft auch in anspruchsvollen Situationen. Und ich denke, der Slogan «Nah am Mensch, nah am Markt» passt sehr gut auf den Betrieb. Meine Tätigkeit hat nach wie vor sehr viele betriebswirtschaftliche Komponenten, doch jetzt steht der Mensch im Vordergrund.

Eine neue Geschäftsleitung bringt oft neue Ideen mit. Haben Sie bereits konkrete Pläne?
Michael Frei: Das sind jetzt nicht die ganz neuen Pläne, es ist jedoch klar, dass sich die ESPAS weiter wird entwickeln müssen. Das Umfeld verändert sich ständig. Wir sind als Betrieb auf Dienstleistungsaufträge von aussen angewiesen, und gerade in diesem Bereich ist, insbesondere mit dem Aufkommen von KI, alles im Fluss. Deshalb müssen wir unser Angebot stetig den neuen Bedürfnissen anpassen. Früher haben wir zum Beispiel öfter Versandarbeiten gemacht oder die Erfassung von Fragebögen für Umfragen. Diese Angebote sind eingebrochen.

Was ist der Grund dafür?
Michael Frei: Viele der klassischen Routinetätigkeiten sind mittlerweile weniger gefragt, werden automatisiert. In anderen Bereichen wächst dafür die Nachfrage – wie etwa bei den Webshops. Diese benötigen einerseits Lagerflächen für die Produkte, andererseits ein professionelles Management und Lagerlogistik. Da entstehen bei uns neue Herausforderungen und Aufgabenprofile.

Rita Durschei, was hat sie bewogen, den Stab weiterzugeben?
Rita Durschei: Ich habe sehr viele Jahre bei ESPAS gearbeitet, und irgendwann hatte ich das klare Gefühl, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um in den frühzeitigen Ruhestand zu treten. Für mich war es entscheidend, das Unternehmen in einer stabilen finanziellen Situation und mit einer engagierten, motivierten Belegschaft übergeben zu können. Dieses gute Gesamtbild hat mir den Abschied erleichtert.

Wohin wird Ihr Weg Sie in Zukunft führen?
Rita Durschei: Mein Weg führt mich in den Fluss der Entwicklung. Ich engagiere mich bewusst in Vereinen, in denen Bewegung, Veränderung und Weiterentwicklung gefragt ist. Es bereitet mir Freude, Neues zu entdecken und jeden Tag dazuzulernen. Dabei ist mir wichtig, dass auch die Kultur ihren festen Platz hat – sie inspiriert, verbindet und bereichert meinen Weg.

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