Quartierleben
Sonntagsklatsch: «Wie viel kostet uns Gratis?»
Der jüngste Sonntagsklatsch war erneut ein voller Erfolg. Die Gäste hörten dem Medienerziehungsexperten und Datenernährungsberater Beat Richert nicht nur gespannt zu, sondern beteiligten sich aktiv an den Diskussionen.
16. Februar 2026 — Aline Fuhrer
Fast pünktlich zum Sonntagsklatsch zeigte sich nach Wochen zähen Nebels erstmals wieder die Sonne und Höngg erwachte aus dem Winterschlaf. Entsprechend munter waren die zahlreichen Gäste. Gegen 10 Uhr morgens versammelten sie sich im ersten Stock des GZ Höngg für die Vorlesung von Medienerziehungsexperte Beat Richert, moderiert von Meinungsforscherin Lisa Frisch. Das heutige Ziel: einen gesunden und bewussten Umgang mit digitalen Medien fördern.
Zum Einstieg wagte Richert einen Vergleich: Während der durchschnittliche Schweizer pro Tag eine Stunde und zwanzig Minuten für Essen und Trinken hergebe, seien es für Medien bis über fünf Stunden. «Leider haben wir aber keine ‹Medienkotzfunktion›. Wenn wir etwas Schlechtes essen, können wir das erbrechen», sagte Richert. «Bei schlechter Datenernährung geht das nicht – daraus resultiert dann stattdessen ein negativer Einfluss auf Körper und Psyche.»
Im Anschluss trugen die Gäste zusammen, was sie vom Medienangebot alles gebrauchen. Dazu stellte Richert die Frage in den Raum: «Wie viel kostet uns denn eigentlich das Gratis?» Jemand hebt die Hand: «Unsere Lebenszeit.» Und unsere Lebensdaten, so Richert.
«Nicht werten, sondern neugierig bleiben»
Richerts Ziel ist es insbesondere, Jugendliche zu einem reflektierten Umgang mit Medien zu befähigen und Inhalte gemeinsam kritisch zu hinterfragen. «Wenn ich als alter Dinosaurier aber wertend mit dem Finger auf die Kinder zeige, funktioniert das nicht», appellierte Richert an die vielen anwesenden Eltern. Das Gleiche gelte für Verbote. «Etwas vom Schwierigsten an der Medienerziehung ist die konsequente Vorbildfunktion.»
Am besten funktionieren laut Richert Richtlinien, die gemeinsam erarbeitet werden – etwa innerhalb Schulklassen. «Das Wichtigste: nicht werten und neugierig sein! So können wir gegenseitig und auch von den Jugendlichen lernen. Eine der Gäste war Clara Moreno, Mutter von zwei Kindern im Primarschulalter. «Vom heutigen Morgen nehme ich mit, dass wir aktiv werden müssen und den Kindern den richtigen Umgang beibringen sollen», sagte sie.
Ein anderer Gast hiess Stefan Gassmann, Vater von zwei Söhnen. «Ich werde ab jetzt mehr auf meinen eigenen Umgang mit dem Handy achten und auch mal mit meinen beiden Jungs zusammensitzen», sagte er. Auch die Organisatoren zeigten sich sichtlich erfreut. «Uns liegt der Sonntagsklatsch am Herzen, weil sich hier Leute treffen können, um über wichtige Themen zu diskutieren», so Ljuba Malik vom Freiwilligenteam Sonntagsklatsch.
Ein Notizbuch
«Mir gefiel heute das heterogene Publikum. Die Stärke des Sonntagsklatschs ist sicherlich der lebendige Austausch», sagte Richert. Mit auf den Weg gab der Medienerziehungsexperte allen ein kleines Notizbüchlein in Form eines Handys. Die Challenge: Das Handy durch den Notizblock ersetzen und an der gleichen Stelle tragen.
«Bei jedem gewohnheitsmässigen Griff zum Handy sollt ihr euch selbst drei Fragen stellen: Was wollte ich eigentlich? Wie fühle ich mich jetzt? Und was habe ich für Alternativen?» Ob das Notizbüchlein seinen Platz im Alltag findet, wird sich zeigen – die Anregung zum bewussteren Umgang mit den Medien nahmen die Gäste jedenfalls mit nach Hause.





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