Quartierleben
So wurde vor 200 Jahren geheizt und gekocht
In einem Wohnhaus am Meierhofplatz in Höngg fand die Stadtarchäologie Zürich einen Kachelofen aus dem 19. Jahrhundert – mit kunstvoller Signatur des Ofenbauers.
11. Januar 2026 — Dagmar Schräder
Am «Gässli» oberhalb des Meierhofplatzes stehen einige der ältesten Häuser Hönggs. Die Hausnummer Gässli 3 und 5 konnten in der Vergangenheit bereits auf die 1470er-Jahre datiert werden. Der daran angebaute Gebäudeteil Gässli 1 ist Informationen der Stadtarchäologie Zürich zufolge etwas jünger.
Demnach wurde er im Jahr 1542 an den bestehenden Kernbau angebaut. In dem Haus wohnten nach Angaben der Stadt seit dem 17. Jahrhundert mehrheitlich Handwerkerfamilien in engen, ärmlichen Verhältnissen, die teilweise als Nebenerwerb Landwirtschaft betrieben.
Während die Hausteile 3 und 5 bereits zu einem früheren Zeitpunkt archäologisch begutachtet wurden, wurde nun, wie die Stadtarchäologie Zürich Ende November mitteilte, auch Gässli 1 aufgrund eines geplanten Umbaus untersucht.
Kunstvoller Kachelofen aus dem Jahr 1828
Dabei gewährte das Gebäude der Stadtarchäologie einige interessante Einblicke in die Vergangenheit. Das Haus präsentiert sich gemäss den städtischen Informationen im Erdgeschoss aus gemauerten Wänden, das Obergeschoss ist in Bohlenständerweise erstellt.
In dem Raum im Erdgeschoss, der wohl als ehemalige Stube genutzt wurde, findet sich Täfer, der aus dem 18. Jahrhundert stammt. Ein Stockwerk darüber findet sich eine weitere Stube, in der die Archäologen auf einen Kachelofen stiessen, der noch betriebsfähig ist. Dieser ist mit einer Inschrift aus dem Jahr 1828 versehen, anhand welcher sich nicht nur das Baujahr, sondern auch der für den Bau zuständige Hafner identifizieren lässt: Hs. Conrad Brunner, 1828, Hafner auf Regensperg, ist dort zu lesen.
Der Ofen besteht aus einem quadratischen Hauptteil und einer daran angebauten rechteckigen sogenannten «Ofenkunst» einem zusätzlichen Wärmekörper. Die Kacheln sind grün glasiert und weisen eine Zierleiste mit «stilistisch älteren Empirekacheln mit blauer Bemalung mit Rankenmuster» auf. Diese sei, so die Stadtarchäologie in ihrer Beurteilung weiter, typisch für Bauernhäuser in den ehemaligen Dörfern rund um die Stadt Zürich.
Wärme von der Küche
Befeuert wurde der Ofen durch die Küche, welche sich heute noch im dahinterliegenden Raum befindet. Hier findet sich eine Feuerwand mit Einfeuerungs- und Russöffnungen. Höchstwahrscheinlich war auch die ehemalige Kochstelle in der Küche mit dem Ofen, respektive dessen rechteckigen Anbau, der Ofenkunst, verbunden.
Durch diese Installation musste nicht immer der ganze Ofen eingefeuert werden, um die Stube zu erwärmen – die Kochwärme sorgte auch im Wohnbereich für angenehme Temperaturen.





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