Quartierleben
Schmierereien frustrieren Höngg: Sind wir so machtlos?
In Höngg häufen sich erneut Schmierereien im öffentlichen Raum. Betroffen sind auch die Mühlehalde sowie diverse Strassen und Gebäude. Sehr zum Ärger der Anwohnerschaft. Sie fühlt sich zunehmend machtlos und frustriert.
28. Mai 2026 — Jasmine Osterwalder
In Höngg nehmen die Schmierereien wieder zu und sorgen bei der Bevölkerung für wachsenden Unmut. Betroffen sind zahlreiche Orte im Quartier: Hausfassaden, Plakate, Briefkästen und Container wurden mit Farben verunstaltet. Gehäuft kommen sie an der Limmattal- und der Regensdorferstrasse vor.
Auch die Mühlehalde war betroffen: «43», ein FCZ-Tag, und «SARDO» wurden darauf gesprayt. «Die Stadt toleriert Schmierereien nicht und entfernt sie so rasch wie möglich. Wir sind überzeugt, dass ein sauberes und respektvolles Stadtbild zum Wohlbefinden aller Menschen in Zürich beiträgt», meint Kornel Ringli, Leiter Kommunikation Liegenschaften der Stadt Zürich.
Von den neusten Schmierereien an der Mühlehalde habe die Stadt nichts gewusst. Sie hat die notwendigen Abklärungen eingeleitet, und die Mühlehalde wurde nach der Anfrage des «Hönggers» gereinigt.
Die Stadt gehe aktiv gegen das Problem vor: «Wo immer möglich, bringen wir an städtischen Liegenschaften einen Graffitischutz an. Dieser spezielle Oberflächenschutz erleichtert und vergünstigt die Reinigung, da sich Farbe einfacher entfernen lässt», so Ringli. Dies helfe bei der Reinigung und spare Kosten. Eine absolute Prävention sei aber nicht möglich.
Ringli berichtet weiter, dass die Reinigung so rasch wie möglich erfolge: «Bei Schmierereien mit rassistischen, diskriminierenden oder anderweitig menschenverachtenden Inhalten reagieren wir mit besonderer Dringlichkeit innerhalb von 24 Stunden.» Meldungen aus der Bevölkerung, beispielsweise via der Website und App «Züri wie neu», helfen zusätzlich, die Schmierereien möglichst rasch zu entdecken und zu entfernen.
Grosser Frust in Höngg
Das Erscheinungsbild des Quartiers leidet sichtbar unter den FCZ-Schriftzügen, dem Begriff «Sardo» oder neuerdings rotem, kaum lesbarem Geschmiere. Für viele ist diese Entwicklung ärgerlich und zunehmend belastend. So zeigt sich auch der Höngger Kurt Meierhans deutlich verärgert.
«Das ist eine totale Schweinerei. Kaum ist etwas gereinigt, wird es kurz darauf wieder verschmiert.» Für ihn ist klar, dass hier rücksichtslos und ohne Verantwortungsbewusstsein gehandelt werde. Bei seinen täglichen Spaziergängen mit dem Hund habe er in den letzten Wochen eine deutliche Zunahme der Schmierereien festgestellt.
Alex Ryser aus Höngg meldete sich sogar beim «Höngger», um auf die Situation aufmerksam zu machen. Er findet, dass das Quartier ungepflegt wirkt und der Eindruck entsteht, dass sich niemand mehr darum kümmert: «Ich glaube, dass so die Identifikation mit dem Quartier abnimmt. Früher hatte man stärker das Gefühl, dass viele gemeinsam Sorge zu Höngg tragen.»
Auch andere Stimmen aus dem Quartier zeichnen ein ähnliches Bild. Eine Passantin beschreibt den Zustand kurz und bündig als «grusig». Einem weiteren Anwohner ist die Situation ebenfalls aufgefallen, er zeigt sich jedoch ratlos: Was konkret dagegen unternommen werden könne, wisse er nicht.
Resignation bei Betroffenen
Diese Hilflosigkeit teilt der Höngger Peter Gugolz. Besonders hart trifft es ihn persönlich. Die Wand seiner Scheune wurde grossflächig beschmiert, selbst die Holzwand des angrenzenden Stalls blieb nicht verschont. Einen Teil der Fassade liess er auf eigene Kosten überstreichen.
Die Freude hielt nur kurz an. «Kaum war alles sauber, wurde es wieder verschmiert», erzählt er. Die wiederholten Schäden seien nicht nur ärgerlich, sondern auch finanziell belastend. «Es ist mühsam und wir mussten die Kosten selbst tragen.» Inzwischen habe er resigniert und lasse die Wand vorerst im jetzigen Zustand.
Quartierverein Höngg ist informiert
Alexander Jäger, Präsident des Quartierverein Höngg (QVH), spürt den Verdruss im Quartier: «Es gibt einen generellen Ärger gegenüber den Fussballclubs und deren Fans. Das ist schade, sie machen so das Ansehen des Sports kaputt.»
Er habe seitens des QVH eine Meldung zu den Schmierereien im Zusammenhang mit dem Fussballclub erhalten. Dies sei bei ihnen im Vorstand besprochen worden. Auch im Gespräch mit der Eigentümerschaft erfahre man den Ärger über die Schmierereien. Jäger würde als Lösungsansatz bei den Fussballclubs eine Nulltoleranz begrüssen.
Des Weiteren schlägt er vor, die bereits bestehenden Schmierereien in schöne Wandbilder zu verwandeln. Er wisse auch von Schulklassen, die bereit wären, einen solchen Einsatz zu leisten, um beispielsweise angebrachte Kleber zu entfernen.
Der Höngger Alex Ryser wünscht sich derweil wieder mehr Mitwirkung und Interesse am Quartierleben: «Höngg funktioniert dann am besten, wenn Menschen nicht nur hier wohnen, sondern sich auch als ein Teil davon fühlen.»





0 Kommentare